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21. März 2010

Slow Food wird politisch

Slow Food Deutschland will neue Wege gehen und stärker politisch gehört werden, auch auf EU-Ebene - das sagt der neue Vorsitzende Andreas Eichler

«Uns ist das Profil verloren gegangen, wir brauchen eine Neuausrichtung nach draußen», sagte der neu gewählte Verbandsvorsitzende Andreas Eichler in einem Gespräch mit der dpa. Slow Food Deutschland habe es sich nicht nur auf die Fahnen geschrieben, dem Genuss zu frönen, sondern auch einen politische Anspruch. «Das bedeutet für uns alles, was dazu beiträgt, den Produzenten wie auch den Verbraucher bewusster zu machen», sagte der 61-Jährige weiter.

«Auch auf EU-Ebene sind wir interessiert an Einflussnahme», sagte er. Ein besonderes Augenmerk richte Slow Food Deutschland dabei zunächst auf die Agrar- und damit die Subventionspolitik der EU. Erstmalig sei dafür auf Initiative des Verbandes eine Kommission ins Leben gerufen worden, die sich mit diesem Thema beschäftige.

«Verkürzt gesagt: Wir wollen, dass für Subventionen gedachte EU- Mittel künftig viel gezielter verteilt werden», sagte Eichler mit Blick auf die geplanten Kürzungen von Subventionen ab 2013. Der Kommission gehöre unter anderem Franz-Theo Gottwald an, der sich als Vorstand der Schweisfurth-Stiftung (München) für nachhaltige Agrar- und Ernährungskultur einsetzt.

An konkreten Projekten werde Slow Food neben der EU-Initiative auf regionaler Ebene auch artgerechte Tierhaltung und das Projekt «Städter werden zu Bauern» in den Blick nehmen. Außerdem wende man sich an Kinder und Jugendliche mit Aktionen etwa an Schulen. «Mit unseren sogenannten Convivien (Tafelrunde) sind wir in der Fläche sehr präsent», betonte Eichler. Die Slow-Food-Gruppe in Berlin solle gerade mit Blick auf die Bundespolitik und auf die Zusammenarbeit mit dem Landwirtschaftsministerium gestärkt werden.

Die Lebensmittelkette vom «Rohstoff Lebensmittel» über die Verarbeitung bis hin zum Endprodukt müsse transparenter und nachvollziehbar sein. «Wir brauchen saubere Verhältnisse», sagte Eichler. Schwerpunkt von Slow Food liege dabei auf Regionalisierung - ohnehin ein Trend auch der Spitzenküche und -köche. «Das verkürzt die Wege von Lebensmittelprodukten sehr - außer dem wissen Produzent wie auch Verbraucher auf diesem Sektor am besten in der eigenen Region Bescheid.»

Die weltweite Vereinigung Slow Food wurde 1986 vom Italiener Carlo Petrini als Gegenbewegung zum Fast Food gegründet. Die deutsche Vereinssektion wurde 1997 aus der Taufe gehoben. Nach eigenen Angaben zählt Slow Food International in mehr als 100 Ländern rund 90 000 Mitglieder, davon in Deutschland etwa 9300, das sind doppelt so viele wie im Jahr 2004.

Aufgabe des ehrenamtlich geführten Vereins ist es, «die Kultur des Essens und Trinkens zu pflegen und lebendig zu halten». Ihre Mitglieder sind Händler, Produzenten, Gastronomen oder interessierte Genießer. Firmen werden nur ausnahmsweise zugelassen. dpa