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25. Januar 2008

Slow Food zur Gentechnik-Novelle

Heute steht im Bundestag die Gentechniknovelle zur Abstimmung. Dazu grundsätzliche Feststellungen von Slow Food Deutschland. Plus: Keine Erzeugnisse von geklonten Tieren in Bio-Produkten in den USA ...

1. Slow Food tritt als internationale Vereinigung weltweit für einen Verzicht auf gentechnisch veränderte Nutzpflanzen ein. Die Menschheit hat es über die Jahrtausende verstanden, durch natürliche Züchtung Pflanzen weiter zu entwickeln. Ein risikobehafteter Eingriff in die Genstrukturen ist nicht notwendig, um die Ernährung der Menschheit sicher zu stellen.

2. Eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts FORSA für Slow Food hat 2005 ergeben, dass drei Viertel der Deutschen gentechnisch veränderte Lebensmittel ablehnen. In neueren Meinungsumfragen geht dieser Trend sogar nach oben. Man sollte den Verbrauchern keine Lebensmittel aufzwingen, die sie nicht wollen.

3. Die ersten Erfahrungen mit der grünen Gentechnik in anderen Ländern sind durchweg negativ.

  Beispiele: Amerikanische und kanadische Bauern, die nun über eine 10jährige Erfahrung verfügen, berichten, dass, entgegen ursprünglichen Versprechen, die Ernte-Ausbeute gesunken, der Pestizidbedarf gestiegen und die Nährstoffdichte der Produkte geringer geworden ist. 

   Die Suizidrate der Bauern in Indien verdeutlicht die Brutalität der Abhängigkeit gutgläubiger Menschen von falschen Versprechungen der Biotechnologiebranche.

  Die negativen Beispiele der letzten Jahre bei Mais, Reis, Erbsen zeigen deutlich, welch große gesundheitliche Risiken noch bestehen. Die FAO erklärt, dass mit GMO die Welternährungsproblematik nicht gelöst werden kann.

4. Slow Food ist für die gentechnische Forschung auf Gebieten wie der Pharmakologie, wo sie wirklich dem Fortschritt dienen kann.

5. Slow Food befürchtet, dass eine Ausweitung gentechnisch veränderter Nutzpflanzen die Biodiversität uind damit die Wahlfreiheit zusätzlich bedroht und den Prozess der Monopolisierung des Saatgutes bei einigen wenigen Herstellern beschleunigt. Die Folge ist, dass den Bauern die Verfügung über ihr wichtigstes Produktionsmittel entzogen wird.

6. Dass es bereits in vielen Ländern diesen Anbau gibt, ist Realität. Die Frage ist also nicht, ob es eine Koexistenz zwischen gentechnischem und gentechnikfreiem Anbau geben darf, sondern ob die gentechnikfreie Landwirtschaft eine echte Chance hat, sich langfristig dagegen zu behaupten.

7. Slow Food Deutschland begrüßt vor diesem Hintergrund die am 25. Januar 2008 im Bundestag zur Abstimmung stehende Gentechniknovelle als ein Optimum dessen, was angesichts der EU-Rahmenbedingungen möglich ist. Es gibt bisher keinen Anlass, an dem Bekenntnis von Minister Seehofer zu zweifeln, dass er selber die so genannte grüne Gentechnik ablehnt. Auch dass die SPD zu einer klaren Position gegen Genfood gefunden hat, ist zu begrüßen. 

Hier weitere Gen-Nachrichten:

Keine Erzeugnisse von geklonten Tieren in Bio-Produkten in den USA ...

Weder Fleisch noch Milch oder andere Lebensmittel können in den USA als Bio-Produkte ausgewiesen werden, so die Organic Trade Association (OTA). Das bestätigt der Bio-Handelsverband nachdem die Food and Drug Administration (FDA) als Ergebnis ihrer Untersuchungen angekündigt hat, Lebensmittel von geklonten Tieren und ihren Nachkommen für den menschlichen Verzehr zuzulassen.

Sie seien ebenso unbedenklich wie diejenigen, die von herkömmlichen Tieren stammten. Verbrauchern, die geklontes Fleisch, Milch oder andere Produkte vermeiden möchten, empfiehlt OTA-Geschäftsführerin Caren Wilcox, auf ein Bio-Siegel auf den Lebensmitteln zu achten. Mehr als 150.000 Bürger hatten ihre Kommentare gegen das Klonen von Tieren im Vorfeld der Beschlussfassung bei der FDA eingereicht, berichtet die Organic Consumers Association (OCA). www.organicnewsroom.com