Die Sommelier-Union Deutschland feierte diese Woche ihr 50-jähriges Bestehen im Rheingau. Im Rahmen des diesjährigen Sommelier-Campus kamen Mitglieder und Branchenvertreter zusammen, um ein halbes Jahrhundert Sommelierkultur in Deutschland zu würdigen und zugleich die Zukunft des Berufsstandes zu gestalten. Neben dem Jubiläumsprogramm im Kloster Eberbach und an Bord der „Rhein Star“ stand turnusgemäß die Wahl des neuen Vorstands und Beirats im Mittelpunkt der Veranstaltung.
„In den vergangenen drei Jahren haben wir die Sommelier‑Union stärker geöffnet, vernetzt und neue Impulse gesetzt. Jetzt geht es darum, diesen Weg konsequent weiterzugehen: mit dem Mut, die Zukunft unserer Branche aktiv mitzugestalten“, sagt Yvonne Heistermann, Präsidentin der Sommelier-Union. „Unser Team aus Vorstand und Beirat steht für eine Union, die Generationen verbindet, Talente fördert und Gastronomie wie Handel gleichermaßen stärkt. Diese Ideen möchten wir weiter ausbauen. Deshalb freue ich mich sehr über die Wiederwahl und das in uns gesetzte Vertrauen.“
Wahl bestätigt Kontinuität an der Spitze
Die Mitglieder der Sommelier-Union haben Yvonne Heistermann an Bord der Rhein Star einstimmig zu ihrer Präsidentin wiedergewählt. Als erste Frau in der Position führt sie den Verband erfolgreich seit 2023. Im Vorstand und Beirat kommt es zu personellen Veränderungen: Shahzad Talukder, Head Sommelier im Bayerischen Hof, scheidet aus dem Vorstand aus – seine Nachfolge tritt die selbstständige Sommelière und Weinberaterin Elena Hart an. Im Beirat endet die langjährige Amtszeit von Niki Restel, Mitinhaberin des beliebten Gasthaus Zur Krone in Großheubach. Strategieberater Otto Völker wurde an ihrer Stelle neu in den Beirat gewählt.

Die Gremien setzen sich wie folgt zusammen:
Vorstand: Yvonne Heistermann (Präsidentin), Elena Hart, Christian Frens, Philipp Künemund, Michael Wangler (Schatzmeister)
Beirat: Theresa Stenzel, Marc Almert, Thomas Sommer, Otto Völker
50 Jahre Sommelier-Union: Entwicklung eines Berufsbildes
Als in den 1970er-Jahren in Deutschland das „Küchenwunder“ einsetzte, stieg die Qualität auf den Gastronomietellern und mit ihr auch das Bewusstsein für Essen und Trinken als kuratiertes Gesamterlebnis. Rückblickend war das der Anfang eines neuen Genussverständnisses in Deutschland. Insofern passte die Gründung der Sommelier-Union wunderbar in diese Zeit des kulinarischen Aufbruchs.
Den entscheidenden Impuls zur Gründung der Sommelier-Union gab seinerzeit Küchen- und Restaurantmeister Arne Krüger. Er sprach damals Kurt Fischer an und schlug vor, Menschen zu finden, die sich in Deutschland mit Weinservice beschäftigen. Den Begriff „Sommelier“ gab es in Deutschland der 1970er Jahre noch nicht. Diesen borgen sich die Gründer aus Frankreich und Italien, wo die Sommellerie bereits als Berufszweig anerkannt war. Kurt Fischer war angetan von der Gründungsidee und wurde kurzerhand zum ersten Präsidenten der Sommelier-Union ernannt. Heute ist er 85 Jahre alt – und wenn er mit Begeisterung über das Berufsbild des Sommeliers spricht, klingt es, als sei alles erst gestern gewesen.
„In Deutschland gab es damals nur wenige Spezialisten in unserem Bereich. Jeder Kellner hat empfohlen, was der Chef ihm gesagt hat. Arne Krüger und ich waren aber der Meinung, dass Essen und Trinken zusammenpassen müssen. In der Gastronomie sollte es schließlich um ein Gesamterlebnis gehen“, erinnert sich Kurt Fischer an die Gründungszeit. „Mir half damals die Tatsache, dass ich beide Seiten kannte: Küche und Service. Wir gründeten die Sommelier-Union als reine „Servierervereinigung“ und zielten darauf ab, Servicekräfte als Mitglieder zu gewinnen, die sich ganzheitlich mit Speisen, Getränken und Rauchwaren beschäftigten. Das Thema Aus- und Weiterbildung war für uns schon damals ein zentraler Punkt.“
Interessanterweise gesteht der Gründungspräsident zum 50-jährigen Jubiläum „seiner“ Sommelier-Union auch einen Fehler ein: „Es kommt mir seltsam vor, wenn ich das sage, aber wir waren damals ein Männerverein. Aus heutiger Sicht betrachtet, klingt das völlig absurd. Es lag aber auch daran, dass Damen in diesem Metier fast unbekannt waren. Heute gibt es viele Sommelièren, die ihren Beruf als Berufung sehen und ihn mit viel Freude, Kompetenz und Fachwissen ausüben. Wenn ich nochmal am Anfang stünde, würde ich Frauen von Beginn an viel stärker einbinden. Ich bin sehr froh, dass Yvonne Heistermann heute die Sommelier-Union leitet – sie macht das wunderbar.“
Seit ihrer Gründung im Jahr 1976 hat sich die Sommelier-Union Deutschland zu einer zentralen Plattform für Weiterbildung, Austausch und Interessenvertretung entwickelt. Heute vereint der Verband über 1.000 Mitglieder aus Gastronomie, Hotellerie, Handel und Weingütern und zählt zu den wichtigsten fachlichen Netzwerken der deutschen Genusswirtschaft.
Vor 25 Jahren wurde im Übrigen auch das Weiterbildungsprogramm der Sommelier-Union gegründet – ein weiteres Jubiläum, das im Rheingau gefeiert wurde. Das Sommelier College wird heute von Stefanie Hehn MS geleitet. Sie nutzte die Mitgliederversammlung, um auf das anspruchsvolle Programm aufmerksam zu machen und Mitglieder zu ermutigen, sich auf die begehrten College Plätze zu bewerben.
Sommelier-Campus im Zeichen von Austausch und Weiterbildung

Der Sommelier Campus 2026 bot erneut ein umfassendes Fach- und Netzwerkprogramm. Neben der Mitgliederversammlung standen Masterclasses von Château-Fuissé, Südtirol Wein, Vins de Provence und Die Pfalz im Mittelpunkt. Am Tag zuvor trafen sich die Mitglieder im Kloster Eberbach – insbesondere die Verkostung von gereiften Weinen in der Schatzkammer des Weinguts war für die Mitglieder ein unvergessliches Erlebnis. Als Highlight gab es passend zum Jubiläum eine 50jährige Riesling Auslese aus dem Rauenthaler Baiken.
„Unser besonderer Dank gilt unseren Partnern uns Sponsoren, ohne die eine solche Veranstaltung nicht möglich wäre: Spiegelau, Kloster Eberbach, Rheingauer Weinwerbung, Restaurant Zum Krug, Selters, Franciacorta, Südtirol Wein, Pfalzwein e.V., Grand Cru Select, VDP.Rheingau, Château Fuissé, Vins de Provence und Champagne Laurent-Perrier“, sagt Yvonne Heistermann.