12. Juli 2009

Sommer 2009: Flaute bei Freibädern und Freizeitparks

Regen, Temperatursturz, Sturmböen: Der Sommer verhagelt Freibädern und Organisatoren von Veranstaltungen unter freiem Himmel das Geschäft

Wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa ergab, schlägt aber auch die Wirtschaftskrise auf den Tourismus durch. Immer kurzfristiger entscheiden die Urlauber, sich ein paar Tage woanders zu erholen. Dennoch sind die Umsätze nicht überall eingebrochen. Für bessere Laune könnte der Wochenstart mit Temperaturen von bis zu 30 Grad sorgen.

Derzeit sieht die Bilanz vielerorts ernüchternd aus. Bayernweit verzeichnete die Hotellerie in den vergangenen Monaten im Schnitt rund sieben Prozent weniger Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum. Die Freibad-Betreiber klagen über viel zu wenig Gäste - die Besucherzahlen sind so mancherorts fast um die Hälfte zurückgegangen.

«Wenn das Wetter jetzt nicht besser wird, wird es schon problematisch», sagt der Präsident des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbands, Siegfried Gallus. Viele Menschen hätten ihre Urlaubsentscheidung zugleich wegen der schlechten Wirtschaftslage hinausgezögert. «Wenn ich nicht weiß, ob ich morgen noch einen Job habe, fahre ich nicht in den Urlaub», begründet ein Sprecher vom Tourist-Infozentrum Rhön das Verhalten der Urlauber.

Von Stornierungen ist dem Tourismusverband für München und Oberbayern nichts bekannt. Die Ferienorte reagierten zudem mit speziellen Programmen auf Regentage. Mehr Sorge bereite den Vermietern, dass die Buchungen immer kurzfristiger würden, sagt Vize- Geschäftsführerin Angelika Nuscheler.

Das Münchner Volksfest Tollwood kämpft mit einem Einbruch der Besucherzahlen. Zur Halbzeit am 30. Juni hatte das Festival 400 000 Besucher, rund 50 000 weniger als im Vorjahr. Auch bei den Freibädern in der Landeshauptstadt sieht es alles andere als rosig aus - ein Drittel weniger Gäste als zum gleichen Zeitpunkt 2008. In die Hallenbäder kämen dagegen mehr Menschen als im vorigen Jahr.

Bei vielen Betreibern von Freibädern in Franken herrscht ebenfalls miese Stimmung. «Wir haben heuer den schwächsten Freibadsaison-Start seit Jahrzehnten», heißt es beispielsweise in Nürnberg. Nur etwa halb so viele Wasserratten wie im vergangenen Jahr hätten sich bis Ende Juni in den Freibädern der Stadt getummelt. Das Sommerfazit des Tourismusverbands Franken ist indes positiver. Nach wie vor seien viele Urlauber zum Wandern und Radfahren in den Gebirgen unterwegs. «Und da ist es ohnehin gut, wenn es keine 40 Grad hat», sagt ein Verbandssprecher. Ein Gaststättenbetreiber auf dem Kreuzberg in der Rhön bestätigt: Wanderer seien immer unterwegs.

Wenn die Unwetter kein Ende nehmen, leiden die Campingplätze naturgemäß besonders. «Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt», sagt der Vorsitzende des Landesverbandes der Campingplatzunternehmer, Georg Spätling im oberfränkischen Pottenstein. «Wir warten alle auf besseres Wetter, aber das soll ja nächste Woche kommen, schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt.»

Im Open-Air-Bereich laufen die Geschäfte nicht bei allen schlecht. «Wir hatten im Juni 14 Prozent weniger Besucher als im Vorjahr», berichtet zwar die Sprecherin des Playmobil-Funparks im mittelfränkischen Zirndorf. Bei den Luisenburg-Festspielen in Wunsiedel wird jedoch von fast ausverkauften Veranstaltungen gesprochen.

Während in Franken die Ausflügler kommen, warten einige Unternehmer im Allgäu noch auf den Besucheransturm. «Für die Bergbahnen ist es bisher kein toller Sommer», sagt der Geschäftsführer der Fellhornbahn in Oberstdorf, Augustin Kröll. Das Geschäft sei schlechter als 2008.

Die Niederschläge machen den Freilichtspielen im Oberallgäuer Festspielort Altusried hingegen wenig Probleme. Die Vorstellungen seien gut besucht. «Erfahrene Freilichtbühnengänger kommen bei diesem Wetter nicht im Kleinen Schwarzen, sondern ziehen sich einen Anorak über und bringen eine Decke mit», sagt Adrian Ramjoué, Leiter des örtlichen Kultur- und Verkehrsamtes. Beim Freizeit-Skyline-Park bei Bad Wörishofen ist das Jahr gut angelaufen. «Wir bereiten uns für die Hauptsaison vor und haben alle Hände voll zu tun», erklärt eine Sprecherin.

In der Oberpfalz hat man sich schon vor dem Sommer auf verregnete Zeiten eingestellt. Der Regensburger Kinobetreiber Werner Hofbauer beispielsweise, der seit elf Jahren in der Donaustadt ein Sommer- Open-Air-Kino organisiert, hat seine Leinwand auf einem alten Gutshof aufgebaut. Dort kann ein Teil der Besucher auch unter einem Scheunendach sitzen. «Normalerweise müssen wir sonst an solchen Tagen die Aufführung absagen, oder vor nur drei Leuten spielen.» Jetzt kämen selbst bei Dauerregen noch ein paar Dutzend Kinofans.