02. August 2009

Sommerküche macht Grills Konkurrenz

Das Wohnzimmer ist bereits ins Freie verlagert, jetzt ist die Küche dran. Der einfache Kugel- oder Säulengrill bekommt Konkurrenz: Außen- oder Sommerküchen, in denen statt Grillwürstchen ganze Menüs zubereitet werden können, gelten als der neue Open-Air-Trend

Das Angebot an wetterfesten kompakten Grillwägen und an Modul-Elementen für komplette Küchenzeilen wächst stetig. Mittelpunkt jeder Outdoor-Küche ist der Kochbereich. Dabei beherrschen Gasgrills den Markt. Die Gasflasche wird im Idealfall in einem Unterschrank verstaut. Zwei Brenner sind ein Muss, vier erlauben kulinarische Höhenflüge. Viele Geräte lassen sich mit einer Haube schließen. Dann eignen sie sich auch zum Backen von Kuchen, Brot oder Pizza.

«Sinnvoll ist auf jeden Fall ein zusätzlicher Seitenbrenner für einen Kochtopf oder Wok», rät Florian Münkel, Geschäftsführer des gleichnamigen Online-Shops für Lifestyle-Produkte bei Fulda. «Luxus ist zum Beispiel ein rückseitiger Infrarotbrenner, mit dem man Spießbraten zubereiten kann.»    

Ablageflächen sind auch bei vielen einfachen Grills bereits angebaut. Bei Außenküchen jedoch erreichen diese Flächen nun Größen, die sie auch als Arbeitsflächen tauglich machen: Hier können Spieße an Ort und Stelle zusammengestellt, Steaks mit Marinade bestrichen und Salate zubereitet werden. Das macht einen wesentlichen Reiz der Outdoor-Küche aus: «Die Gastgeberin oder der Gastgeber muss nicht mehr drinnen in der Küche stehen oder zwischen Küche und Garten hin- und herrennen», erklärt Ursula Geismann, Trendexpertin beim Verband der deutschen Möbelindustrie (VDM) in Bad Honnef.    

Das erste größere Zusatzelement der Sommerküche kann eine Spüle sein. Sie wird über einen Wasserschlauch mit kaltem Wasser versorgt. «Das Abwasser kann je nach Standort an ein Rohrsystem angeschlossen werden oder falls keines verfügbar ist, kann ein Eimer oder Ähnliches untergestellt werden», erläutert Uwe Brzezek, Landschaftsarchitekt aus Berlin. Dadurch ist die Spülfunktion zwar eingeschränkt, doch da in der Regel ohnehin nur kaltes Wasser verfügbar ist, dient die Spüle hauptsächlich dem Abspülen von Obst und Gemüse, dem Säubern der Hände oder dem Kaltstellen von Getränken. Der große Abwasch folgt ohnehin später in der Küche.    

Damit Zutaten bereitgestellt werden können und Kochutensilien griffbereit sind, wird bei Outdoor-Küchen die Ebene unter der Kochstelle und der Spüle meist als Stauraum genutzt - in Form von offenen Fächern, Schubladen oder auch Schrankelementen. Praktische Accessoires sind Handtuchhalter, ein Messerblock oder eine Magnetleiste an der Seite. Ein Flaschenständer bietet dem Getränkevorrat sicheren Halt. Verhältnismäßig selten wird auch noch ein Kühlschrank im Garten platziert. «Er muss extrem gut isoliert sein, um sommerlicher Hitze zu trotzen», sagt Brzezek.    

Diverse Hersteller bieten kompakte Stationen zum Grillen und Kochen. Sie sind üblicherweise zwischen eineinhalb und zwei Metern breit und etwa 65 Zentimeter tief. Zu den meistverkauften Grillstationen zählt etwa bei Muenkel.eu das Modell «classic 219 barbecue» der US-amerikanischen Firma Grandhall mit vier Gas-Brennern, Grillhaube, Ablagefläche sowie einem Unterbau mit verblendeter Front für die Gasflasche. Kostenpunkt: rund 500 Euro.

Kompakte Grillstationen sind oft mit zwei oder gar vier Rollen bestückt. Wenn es der Untergrund erlaubt, kann so der Standort beliebig verändert werden. Und: «Der Grill kann gegebenenfalls in die nahestehende Garage oder einen Unterstellschuppen gefahren werden», so Münkel. In der Koch-Saison wird man den Aufwand allerdings meist nicht treiben. «Deshalb ist eine Wetterschutzhaube bei uns das meist verkaufte Zubehörteil», sagt Sören Nilsen, Sprecher des Herstellers Dancook im dänischen Langa.    

Die Alternative zu einer Grillstation ist eine Modulküche, die ganz individuell zusammengestellt wird. Der italienische Hersteller bst beispielsweise bietet Fritteuse, Gaskocher, Schneidebrett und Gasgrill mit Spüle an. Die Gestelle der Elemente sind aus lackiertem Stahl, die Ablageflächen aus Hartholz. Eine Kombination aus allen vier Elementen ist für knapp 3000 Euro zu haben. Ein freistehender Schrank mit Eiskühler und Arbeitsfläche vervollständigt die Ausstattung - für rund 350 Euro.

Wer es noch individueller mag, der baut seine Außenküche selbst mit Einzelteilen aus dem Baumarkt oder lässt sie vom Landschaftsarchitekten planen. dpa