„Es ist eine große Freude und ein sehr bewegender Moment für mich, die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach führen zu dürfen. Ein Weingut mit einer Strahlkraft, einer Geschichte und einer Verantwortung, die weit über den Rheingau hinausreichen“, erklärte Müller in ihrer Antrittsrede. Sie dankte dem Land Hessen für das Vertrauen und hob die Bedeutung des engagierten Teams hervor, mit dem sie diesen Weg gestalten möchte.
Hessens Weinbauminister Ingmar Jung betonte: „Christine Müller ist eine fachlich hervorragend ausgebildete Geschäftsführerin, die mit ihrem Enthusiasmus für unser Weingut und Kloster Eberbach sowie ihrer engen Verbundenheit zur Region die Hessischen Staatsweingüter für die Zukunft neu aufstellen wird.“
Enge Kooperation von Weingut und Kloster
Zentraler Bestandteil der künftigen Strategie ist die enge Einheit von Kloster und Weingut. „Kloster und Weingut gehören untrennbar zusammen“, so Müller. „Kloster Eberbach ist ein kulturhistorisches Erbe von Weltruf – und zugleich ein Weingut mit dem klaren Auftrag, Wein wieder stärker zum Herzstück dieses Ortes zu machen.“ Unter einem starken Dach soll die Verzahnung von Kultur, Geschichte und Spitzenwein weiter ausgebaut werden. Wichtig ist ihr in diesem Zusammenhang auch die historische Pionierrolle von Kloster Eberbach: „Das Weingut war immer dann besonders stark, wenn wir Vorreiter waren. Wenn neue Wege im Weinanbau und -ausbau und im Vertrieb gegangen wurden. Dorthin wollen wir wieder stärker zurück. Innovation ist für mich die kluge Weiterentwicklung eines traditionsreichen Betriebes. Wir wollen wieder als Leuchtturm des hessischen Weinbaus wahrgenommen werden.“
Der Grundstein für diese enge Einheit und echte Kooperation von Kloster und Weingut wurde bereits durch Hessens Weinbauminister Jung gelegt. Der Aufsichtsratsvorsitzende des Weingutes und Kuratoriumsvorsitzende der Stiftung sagte: „Wir haben in enger Zusammenarbeit beider Gremien im vergangenen Jahr die Voraussetzungen für eine echte Kooperation unter einer Dachmarke geschaffen.“
Zukunft der Hessischen Staatsweingüter: Zugehörigkeit zur Familie der prägendsten Weingüter der Welt
Ein Fokus liegt auf der konsequenten Konzentration auf Qualität und Herkunft. „Der einzigartige Lagenschatz der Hessischen Staatsweingüter muss wieder klar erlebbar werden“, sagte Müller. Eine stringente Marken- und Sortimentsstrategie – von Gutsweinen über Spitzenlagen bis zu den Schatzkammerweinen – soll Profil, Orientierung und internationale Zukunftsfähigkeit schaffen.
Der Anspruch sei bewusst hoch: „Die Hessischen Staatsweingüter sollen wieder zur Familie der prägendsten Weingüter der Welt zählen. Das ist unsere Vision“, so Müller. Kloster Eberbach solle erneut als Synonym für den Rheingauer Weinbau stehen und eine Strahlkraft entwickeln, die auf die gesamte Region und darüber hinaus wirkt. „Diese Positionierung ist vor dem Hintergrund der aktuellen Herausforderungen auf dem Weinmarkt alternativlos“, erklärte der Hessische Weinbauminister und Aufsichtsratsvorsitzende Ingmar Jung. „Ein zentrales Zukunftsthema ist für mich und das Weingut daher die Ausbildung und Entwicklung von Nachwuchs- und Fachkräften. Wir tragen Verantwortung, nicht nur für unseren Betrieb heute, sondern für den Weinbau von morgen. Das Weingut Kloster Eberbach soll ein Ort sein, an dem junge Menschen lernen, wachsen und Perspektiven entwickeln können“, erklärt Müller.
Hessenidentität: Kloster Eberbach und hessischer Wein als flüssiger Botschafter
Eng damit verbunden ist der Aufbau einer starken Hessenidentität. „Das Kloster Eberbach ist eines der herausragendsten Kulturdenkmäler des Landes Hessen, das Weingut gehört dem Land Hessen – und genau das soll spürbar werden“, betonte Müller. „Jede Flasche Wein aus Kloster Eberbach soll ein flüssiger Botschafter für Hessen sein. Wer an Hessen denkt, soll auch an Wein denken.“
Um diese Qualitätsoffensive umzusetzen, kündigte Müller auch strukturelle Maßnahmen an. „Qualität entsteht durch Fokus“, sagte sie mit Blick auf die geplante Reduktion der bewirtschafteten Fläche – verbunden mit nachhaltigen und verantwortbaren Lösungen für die Nachverwendung. Aktuell sei jedoch weder ein Verkauf noch eine Verpachtung von Flächen geplant. Bereits in den vergangenen Monaten wurden wichtige Meilensteine erreicht: eine gestraffte Sortimentsstrategie, eine Neuausrichtung des Vertriebs mit stärkerem Fokus auf Auslandsmärkte und Direktkundengeschäft im Kloster Eberbach sowie die Wiedereröffnung der Klosterschänke in Eigenregie durch die Stiftung Kloster Eberbach. Zudem wurden neue Impulse in Weinberg und Keller gesetzt und ein tragfähiges Finanzierungskonzept mit Bankpartnern entwickelt. Dieser frische Wind wird weiter wehen“, versprach Müller.
Für die kommenden fünf Jahre formulierte Müller klare Ziele: wirtschaftliche Stabilität, nachweislich ausgezeichnete Spitzenweine, eine eigenständigere Profilierung der Domänen sowie ein konsequenter Markenrelaunch mit deutlicher Hessenidentität. Müllers Zielbild für das Weingut: „Kloster Eberbach ist das lebendige Herz des Weinlands Hessen. Ein Leuchtturm des deutschen Weinbaus. Ein Ort, an dem Geschichte, Spitzenwein und Deutschlands Weinzukunft zusammenfinden.“
Hintergrund: Kloster Eberbach
Kloster Eberbach wurde 1136 von Zisterziensermönchen unter Bernhard von Clairvaux gegründet, deren Ursprung im Burgund lag und die den Weinbau als wirtschaftliche Grundlage des Klosters etablierten. Der Erfolg des Weinbaus ermöglichte über Jahrhunderte das Wachstum des Klosters zu einem der bedeutendsten monastischen Ensembles Europas. Das Kulturdenkmal Kloster Eberbach und das Weingut bildeten daher aus historischer Tradition immer eine Einheit. Zur finanziellen Entlastung des Weinguts und zur Sanierung des Klostergeländes wurde 1998 die Stiftung Kloster Eberbach errichtet. Die Hessischen Staatsweingüter wurden 2003 in die Hessische Staatsweingüter GmbH Kloster Eberbach überführt. Es zählt zu den traditionsreichsten und größten Weingütern Deutschlands.

