HOTELS
11. Juni 2010

Steigenberger schließt Hotel in Bad Kissingen

Das einzige Fünf-Sterne-Hotel in Bad Kissingen schließt. Freistaat Bayern hat für Sanierung kein Geld

Viereinhalb Monate vor der Schließung des einzigen Fünf-Sterne- Hotels in der Kurstadt Bad Kissingen ist eine Diskussion um die weitere Nutzung des Areals entbrannt. Zwei Hotelprojektentwickler sollen derzeit herausfinden, inwieweit sich ein künftiger Hotelbetrieb auf dem Gelände des jetzigen Steigenberger-Hauses überhaupt wirtschaftlich lohnt. Die Ergebnisse sollen bis zum 30. September vorliegen, wie ein Sprecher des Finanzministeriums in München am Freitag sagte.

Am Donnerstag hatte sich eine Abordnung von Politikern aus Stadt und Landkreis Bad Kissingen mit Finanzstaatssekretär Franz Josef Pschierer (CSU) getroffen. Denn die Nobelherberge gehört dem Freistaat Bayern. Doch der hat für die notwendige Sanierung des Hauses kein Geld. Mehrere Millionen Euro hätten investiert werden müssen, um zum Beispiel den Brandschutz zu verbessern. Deshalb wird das Hotel, das von der Steigenberger Hotel AG betrieben wird, zum 31. Oktober geschlossen.

Der Freistaat ist auch an einem Verkauf der Fläche interessiert, erklärte der Ministeriumssprecher. Deshalb werde man nun ebenso wie die Kommune Gespräche mit möglichen Investoren und Betreibern führen.

Wie Thomas Hack, Sprecher der Stadt Bad Kissingen, erläuterte, darf das Areal - neben dem Hotel befinden sich dort auch noch das Kurgastzentrum und das Kurhausbad - ausschließlich für den Tourismus- und Kurbetrieb genutzt werden. Ein entsprechender Bebauungsplan verhindere zum Beispiel den Bau von Verwaltungs- oder Behördengebäuden oder die Errichtung eines Seniorenwohnheims. «Die Stadt möchte eine Gesamtlösung», betonte Hack.

Die Stadtratsfraktionen in Bad Kissingen haben sich bereits auf einen Plan für die zukünftige Nutzung der Fläche geeinigt. Man wolle die Entscheidung über die Zukunft des Grundstücks nicht alleine dem Freistaat überlassen, heißt es in einem entsprechenden Papier: «Dieses Areal in bester 1A-Lage ist das Herz des Kurgebiets, von dessen Gestaltung und Nutzung das weitere Schicksal und die touristische Zukunft unserer Kurstadt abhängig sind.»

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Die Fraktionen fordern den Abriss des sanierungsbedürftigen Hotels und einiger Nebengebäude und den Bau eines neuen Fünf-Sterne- Quartiers. Nur so erhalte die Stadt die Chance, ihre touristischen Einrichtungen völlig neu zu konzipieren und zukunftsgerecht zu gestalten. Wie ernst und wichtig den Bad Kissinger Lokalpolitikern das Thema sei, zeige sich daran, dass erstmals in der Nachkriegsgeschichte alle Fraktionen ein gemeinsames Papier erarbeitet haben, betonte Sigismund von Dobschütz, der Stadtratsbeauftragte für Tourismus. dpa