Berlin
13. November 2015

Sternehauptstadt Gastro-Boom in Berlin

Sterneregen über Berlin: Richtig gut essen zu gehen, war in Berlin früher schwierig. In den vergangenen Jahren nahm die Zahl der preisgekrönten Restaurants sprunghaft zu.

Von Andreas Rabenstein

Berlin trumpft mit immer mehr Spitzenrestaurants auf. Auf 20 Restaurants mit einem oder zwei Sternen kommt die Hauptstadt im neuen französischen Restaurantführer «Michelin» für das Jahr 2016. Die Zahl der Zwei-Sterne-Restaurants erhöhte sich von fünf auf sechs. In der Kategorie von einem Stern kamen sogar 5 Restaurants dazu, so dass die Hauptstadt nun 14 Ein-Sterne-Köche hat.

Die höchste Auszeichnung, eine Drei-Sterne-Küche, findet sich in Berlin allerdings weiter nicht. Trotzdem sind die früheren Zeiten der gastronomischen Steppe vorbei. «In Berlin boomt die gute Gastronomie», sagt der «Guide Michelin»-Chefredakteur Ralf Flinkenflügel.

Insgesamt gab es 26 Sterne - so viel hatte Berlin von den Essenstestern des renommierten Restaurantführer noch nie erhalten. Der Aufsteiger des Jahres ist das Kreuzberger Restaurant «Horváth«, das nun zwei Sterne hat. Ihre zwei Sterne halten konnten «Facil» (Potsdamer Platz), «Fischers Fritz» (Mitte), «Lorenz Adlon Esszimmer» (Mitte), «Reinstoff» (Mitte) und «Tim Raue» (Kreuzberg).

Bei den Ein-Stene-Lokalen kamen gleich fünf neue hinzu: «Bandol sur Mer» (Mitte), «Bieberbau» (Wilmersdorf), «Markus Semmler» (Wilmersdorf), «Nobelhart & Schmutzig» (Kreuzberg) und «Richard» (Kreuzberg). Neun weitere Restaurants behalten ihren Stern.

Nobelhart & Schmutzig Credit: Marko Seifert, www.markoseifert.com

Besonders das «Nobelhart & Schmutzig» (Foto oben) in der Friedrichstraße in Kreuzberg hatte schon vor seiner Eröffnung im Februar für große Erwartungen und zahlreiche Berichte gesorgt. Anders als bei vielen Spitzenköchen mit Ausrichtung Richtung Frankreich liegt der Fokus der jungen Betreiber auf der rein regionalen Küche mit einem ausführlichen Menü, dem szenigen Ambiente mit lockeren Sprüchen und einem Publikum unterhalb der 50 Jahre.

«Brutal lokal», lautet das Motto. Der Koch Micha Schäfer (28) sagte: «Bei den Gewürzen wird es schwierig. Wir nehmen kein Olivenöl, keine Zitrone , keinen Pfeffer.» Schärfe lasse sich aber auch mit regionalen Produkten wie Sprossen, Rettich oder Kräutern ins Essen bringen. «Es geht darum, mit lokalen Zutaten einen eigenen Geschmack zu entwickeln. Da ist viel Kreativität gefragt.»

Die Michelin-Tester schreiben: «Das Konzept ist in Deutschland wohl einzigartig.» Müritz Saibling, Fenchel oder Radieschen, Blutwurst, Petersilie bräuchten «weder Luxus noch Spielerei».

Eine andere regionale Küche vertritt Sebastian Frank (Foto oben) vom neuen Zwei-Sterne-Restaurant «Horváth». Der Österreicher sagte am Donnerstag: «Ich orientiere mich an meiner Heimatküche. Ich kann nix anderes.» Daher komme er auch ohne Luxusprodukte aus. «Wir sind eben ein Bauernvolk.»

Der frühere Alternativ- und Kneipenkiez Kreuzberg wird nun als «kulinarischer Hotspot» gelobt. «Tim Raue», «Horváth», «Nobelhart & Schmutzig» und «Richard» - insgesamt sechs Michelin-Sterne für vier Kreuzberger Restaurants zeigt den Wandel eines Stadtteils, der einst für Döner und Falafel stand.

Bei den Großstädten liegt Berlin mit seinen 20 Sterne-Restaurants weit vorne. München kommt auf elf, Hamburg auf zehn und Frankfurt/Main auf neun entsprechende Küchen.

Der «Guide Michelin» 2016 listet 290 ausgezeichnete Restaurants auf, 8 mehr als 2015. Die höchste Wertung von 3 Sternen erhielten 10 Häuser, eines weniger als im Vorjahr.

Jedes Jahr sind für den «Michelin»-Führer Deutschland zwölf Tester anonym in der Republik unterwegs. Alle haben eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe und urteilen laut «Michelin» nach einem festen, an objektiven Maßstäben ausgerichteten Bewertungssystem. Dabei gehe es um die Qualität der Produkte, die persönliche Note, die fachgerechte Zubereitung und den Geschmack, aber auch um das Preis-Leistungs-Verhältnis. dpa

Sterne-Restaurants in Berlin

Markus Semmler

Restaurants mit zwei Michelin-Sternen:

«Facil» (Tiergarten)

«Fischers Fritz» (Mitte)

«Lorenz Adlon Esszimmer» (Mitte)

«Reinstoff» (Mitte)

«Tim Raue» (Kreuzberg)

Zweiter Stern neu dazugekommen: «Horvath» (Kreuzberg)

Restaurants mit einem Michelin-Stern:

«5 Cinco» (Tiergarten)

«First Floor» (Charlottenburg)

«Frühsammers Restaurant» (Wilmersdorf)

«Hugos» (Tiergarten)

«Les Solistes» (Charlottenburg)

«Pauly Saal» (Mitte)

«Rutz» (Mitte)

«Skykitchen» (Prenzlauer Berg)

«Vau» (Mitte)

Ein Stern neu verliehen:

«Bandol sur Mer» (Mitte)

«Bieberbau» (Wilmersdorf)

«Markus Semmler» (Wilmersdorf, Fotos)

«Nobelhart & Schmutzig» (Kreuzberg)

«Richard» (Kreuzberg)