WEIN
07. August 2010

Stiftung Juliusspital übernimmt Vogelsburg

Die Stiftung Juliusspital in Würzburg, die Deutschlands zweitgrößtes Weingut betreibt, übernimmt die Vogelsburg oberhalb von Volkach in Franken - das Weingut der Augustinerschwestern gilt als das älteste in Deutschland

Bisher wird die Klosteranlage samt Kirche, Konventbau, Gaststätte, Garten und Weinberg von der Gemeinschaft der Augustinusschwestern betrieben. Allerdings leben nur noch fünf Schwestern im Alter zwischen 67 und 84 Jahren in dem idyllischen Anwesen an der Mainschleife - Nachwuchs ist nicht in Sicht. Das Juliusspital wird die Vogelsburg von 2011 an bewirtschaften, wie die Stiftung mitteilte. Nur die Weinlese will die Organisation bereits in diesem Herbst übernehmen.

Ein Kaufpreis für die fünf Hektar große Anlage wurde nicht genannt. Die Schwestern dürfen bis zu ihrem Tod auf der Burg wohnen. Sollte eine der Frauen pflegebedürftig sein, werde sich die Stiftung um die Betroffene kümmern. Die Augustinusschwestern haben seit 1957 ein geistiges Zentrum auf der Vogelsburg, seit 1964 gehört ihnen die Anlage. Dort machten sie sich insbesondere als Vorreiterinnen für Öko-Wein einen Namen.

Jährlich erwirtschaften die Schwestern und ihre gut 15 Mitarbeiter rund 75 Hektoliter Wein. Da ist zwar für einen Berufswinzer nur wenig, aber die Schwestern waren bisher enorm gefordert. So verzichten die «Winzerinnen» nicht nur auf Herbizide und Insektizide, sondern auch auf schwere Maschinen, um den Boden der Weinberge zu schonen.

Das Traditionsweingut Juliusspital gehört zur gleichnamigen Stiftung und wurde 1576 gegründet. Mit mehr als 170 Hektar ist es bundesweit das zweitgrößte Weingut. Die Stiftung beschäftigt etwa 1200 Menschen.

Für die langfristige Nutzung der Vogelsburg soll in nächster Zeit ein Konzept erarbeitet werden. Die Anlage wird zudem saniert. «Die Weinberge der Lage Vogelsburger Pforte mit einer Fläche von zwei Hektar werden wir ökologisch in Eigenregie bewirtschaften», sagte Oberpflegamtsdirektor Walter Herberth vom Juliusspital laut Mitteilung. Die Beschäftigten sollen ihre Jobs behalten.

Ökologischer Weinbau der Augustinusschwestern

Die Stiftung Juliusspital

Die Stiftung Juliusspital in Würzburg ist deutschlandweit vor allem durch ihr 1576 gegründetes Weingut bekannt. Mit 172 Hektar in allen Weinlagen Frankens betreibt die Organisation das zweitgrößte Weingut bundesweit. Die Stiftung ist aber auch in anderen Bereichen aktiv. Seit 1576 erfüllt sie nach eigenen Angaben den Auftrag des Stifters Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn (1545-1617), alte, kranke und notleidende Menschen zu betreuen.

Im Krankenhaus Juliusspital in Würzburg gibt es dafür 365 Betten. Hinzu kommt ein Senioren- und Pflegeheim mit 150 Plätzen, eine psychosoziale Beratungsstelle für Menschen mit Epilepsie und ein ambulanter palliativmedizinischer Dienst. Seit 2005 leistet die Stiftung auch ambulante Palliativbetreuung an Patienten, die zu Hause versorgt werden können. Mit der Kirche St. Kilian stellt das Juliusspital eine eigene Pfarrei dar.

Zur Stiftung gehören darüber hinaus ein Forstbetrieb mit 3300 Hektar Wald und drei landwirtschaftliche Höfe mit 1050 Hektar Anbaufläche. Insgesamt sind bei dem Unternehmen etwa 1200 Menschen beschäftigt. dpa