FOOD
28. September 2017

Stiftung Warentest Die meisten Milchprodukte überzeugen

Stiftung Warentest | Die meisten Milchprodukte überzeugen, Foto: stokkete / fotolia.com

Ein Liter gute Milch ist für Verbraucher schon ab 68 Cent zu haben. Wer auf Bioqualität Wert legt, zahlt etwas mehr als einen Euro pro Liter. Fast jede länger haltbare frische Vollmilch ist hygienisch aber unbedenklich, wie eine aktuelle Stichprobe der Stiftung Warentest zeigt.

14 von 18 Produkten wurden mit einem "Gut" bewertet, eines war "befriedigend", drei nur "ausreichend". Die gute Nachricht für Verbraucher: In keinem der Produkte fanden die Tester Keime, Schadstoffe oder Antibiotikarückstände. Die beste Bio-Milch kommt von Aldi Süd für 1,09 Euro, die konventionelle Variante von Aldi Süd/Nord ist ebenfalls "gut" und kostet 68 Cent, heißt es in der Zeitschrift "test" (Ausgabe 10/2017).

Ebenfalls auf den vorderen Plätzen: die Biomilch von Arla (1,39 Euro), die Frischmilch von Rewe (0,89 Cent) sowie die Biomilch von der Gläsernen Molkerei (1,19 Euro) und Dennree (1,09 Euro). Die Bioprodukte von Arla, der Gläsernen Molkerei, Dennree und Berchtesgadener Land überzeugen doppelt: Sie schneiden auch beim Engagement für Umwelt- und Tierschutz sowie fairen Erzeugerpreisen gut ab, die die Stiftung Warentest in einem weiteren Test bewertete.

Dass Bio nicht zwangsläufig gut sein muss, zeigen zwei Produkte im hinteren Testfeld: Sie bekamen nur ein "Ausreichend". Einmal wird ein leichter Kochgeschmack bemängelt, ein anderes Mal enthält die Milch sehr viel Jod: 52 Mikrogramm je 100 Milliliter. Erwachsenen rät die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, maximal 500 Mikrogramm täglich aufzunehmen. Das Zuviel an Jod können Verbraucher nicht erkennen. Eine hohe, dauerhafte Zufuhr kann bei Menschen, die vorbelastet sind, zu Schilddrüsenproblemen führen.

Ebenfalls kritisch sehen die Warentester die Werbeversprechen mancher Produkte: Ein Anbieter wirbt mit "ausschließlicher Verwendung von traditionellen Futterpflanzen". Das erweckt den Eindruck, die Kühe würden nichts anderes fressen. Tatsächlich bekommen die Tiere aber auch viel Kraftfutter. Auf einem anderen Etikett steht eine Kuh auf einer Wiese - auch das entspricht nicht der Realität. Die Höfe, die Milch für das Produkt liefern, halten die Tiere das ganze Jahr im Stall.
Getestet wurde nur länger haltbare frische Milch, die auch ESL-Milch heißt. ESL steht für Extended Shelf Life, frei übersetzt: Sie kann länger im Kühlregal bleiben und ist etwa drei Wochen genießbar. Hersteller erreichen die längere Haltbarkeit, indem sie Milch entweder hocherhitzen oder in ihre Bestandteile trennen und sowohl hocherhitzen als auch Keime durch Mikrofiltration entfernen.

In Maßen gesund und wichtig: So viel Milch sollte man trinken

Wer noch Kuhmilch trinkt, kann sich hier und da schon als Exot fühlen. Denn viele Menschen verzichten aus Angst vor Unverträglichkeiten darauf. Dabei sind die selten und Milch ist nach wie vor der beste Kalziumlieferant - vor allem für Kinder.
Sie soll dick machen und außerdem für den Menschen eigentlich unverträglich sein: Die gute alte Kuhmilch hat momentan einen schweren Stand. Dabei können die meisten Menschen Milch sehr gut verdauen. Und vor allem Kinder brauchen sie dringend für den Knochenbau.

"Milch ist ein sehr wertvolles Nahrungsmittel", betont Prof. Berthold Koletzko, Leiter der Abteilung Stoffwechsel und Ernährung am Dr. v. Haunerschen Kinderspital der Münchner Uniklinik. Milch enthält hochwertiges Eiweiß und vor allem Kalzium, das der Körper sehr gut verarbeiten kann. Er braucht es, damit die Knochen stabil bleiben. Ganz besonders für Menschen, die auf Fleisch und Fisch verzichten, ist Milch ein wichtiger Nährstofflieferant. Ob die Milch vom Discounter oder aus einer Biomolkerei kommt, ist nicht so entscheidend, wie ein aktueller Test der Stiftung Warentest zeigt.

Für Kinder sind Milch und Milchprodukte immer ein entscheidendes Grundnahrungsmittel. Im ersten Lebensjahr sollen sie allerdings nur Muttermilch oder spezielle Säuglingsnahrung bekommen. "Im zweiten Lebensjahr können Kinder ein bis zwei Tassen Milch pro Tag trinken", sagt Koletzko. Danach darf es auch etwas mehr oder weniger sein - "da sind wir nicht mehr ganz so streng."
Wichtig ist dem Experten: "Wenn wir von Milch sprechen, dann meinen wir die Milch von Säugetieren." Hafermilch oder andere künstliche Erzeugnisse enthalten weder die gleichen Eiweiße noch das Kalzium, das der Körper besonders gut verarbeiten kann.

So gesund Milch ist - wie bei allen Nahrungsmitteln kommt es auch hier auf das richtige Maß an. "Es gibt regelrechte Milkoholics", sagt Koletzko. "Die trinken einen halben Liter pro Tag und mehr." Das sei bei einem gesunden Erwachsenen nicht nötig, sondern habe eher Nachteile. "Insgesamt nehmen diese Menschen häufig zu viele Kalorien zu sich." Außerdem enthält Milch viele gesättigte Fettsäuren, von denen die Deutschen im Schnitt ohnehin zu viel zu sich nehmen.

Außerdem verträgt nicht jeder Mensch große Mengen des in der Milch enthaltenen Milchzuckers Laktose. Im ursprünglichen Bauplan des Menschen war Milch nur vorgesehen, um eine gesunde Entwicklung bis ins Grundschulalter zu gewährleisten. Erwachsene vertrugen Milch damals nicht. Das änderte sich, als der Mensch anfing, Landwirtschaft zu betreiben, erklärt Koletzko.

"Es war ganz offensichtlich ein so großer Vorteil, Milch von anderen Säugetieren zu vertragen, dass sich die entsprechenden Gene schnell durchgesetzt haben." Heute vertragen ungefähr 70 Prozent der Europäer Milchzucker auch im Erwachsenenalter.

Wer Laktose nicht so gut verdauen kann, muss aber in der Regel auch nicht komplett darauf verzichten. "Eine Kugel Eis etwa kann jeder essen", sagt Koletzko. Laktoseintolerante sollten jedoch Maß halten, um ihren Darm nicht zu sehr zu belasten. Ob jemand laktoseintolerant ist, kann ein Arzt leicht feststellen. dpa