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27. August 2015

Stiftung Warentest Gourmet-Öle sind oft mangelhaft

Foto: Stiftung Warentest

Test Gourmet-Öle: Fast jedes zweite ist mangelhaft - Interview mit Expertin

Ob Leinöl, Walnuss- oder Traubenkernöle: In den Regalen der Supermärkte und Bioläden stehen inzwischen oft etliche sogenannte Gourmet-Öle. Als Standardöle für warme und kalte Speisen eignen sich aber eher die Klassiker - Oliven- und Rapsöl, rät die Stiftung Warentest.

Gute Gourmet-Öle hätten allerdings besondere Aromen und könnten damit für Abwechslung sorgen. Der Test der Gourmet-Öle fiel aber ernüchternd aus: Von 25 Produkten wurden 11 als «mangelhaft» bewertet («test»-Ausgabe September 2015).

In einem Walnussöl fanden die Tester zwei kritische Weichmacher, in einem anderen ungesunde Transfettsäuren – jeweils in hohen Gehalten. Ein Sesamöl enthielt Xylole, Ethylbenzol und Toluol – Lösemittel, die bisher in keinem der vielen Speiseöl-Tests der Stiftung Warentest nachgewiesen wurden. Zwei Leinöle hätten wegen zu hoher Gehalte an krebserregenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) gar nicht verkauft werden dürfen.

Besonders die 3 getesteten Traubenkernöle fielen durch, keines davon können die Experten empfehlen. Bei den Sesam-, Walnuss- und Arganölen schnitten immerhin jeweils zwei «gut» ab. Von sechs Leinölen bekam eines die Note «gut».

Gerade bei solchen Produkten habe der Verbraucher kaum Anhaltspunkte, ein gutes Produkt zu finden, sagt Armin Valet, Lebensmittelexperte bei der Verbraucherzentrale Hamburg. «Aus gesundheitlichen Aspekten sind solche Gourmet-Öle nicht nötig», meint Valet. Sie bringen aber geschmackliche Abwechslung in die Küche - beispielsweise Sesamöl ist gut erhitzbar und passt vor allem zu asiatischen Gerichten.

Auch der Experte sagt aber: Schlichtes Rapsöl ist sehr gut, wenn man ein geschmacksneutrales Öl braucht. «Es ist wegen der Zusammensetzung der Fettsäuren sehr gesund.» Ein Speiseöl gilt besonders dann als gesund, wenn es möglich wenige gesättigte Fettsäuren enthält. GW/dpa

Drei Fragen an Dr. Birgit Rehlender, Projektleiterin für Lebensmitteluntersuchungen bei Stiftung Warentest

11 von 25 Gourmet-Ölen sind „mangelhaft“. Wie schätzen Sie die Ergebnisse des Tests ein?

Gravierende Fehler in Geruch und Geschmack stellen wir regelmäßig bei Lebensmitteln fest, so auch bei vier Gourmet-Ölen. Das ist nicht neu. Doch bei keinem der vielen Öltests, die die Stiftung Warentest schon durchgeführt hat, gab es so viele schadstoffbelastete Produkte. Dabei handelt es sich um viele verschiedene Schadstoffe, die konventionelle Öle genauso belasten wie Bioöle.

Wie gefährlich sind die nachgewiesenen Schadstoffe?

Die nachgewiesenen Stoffe haben unterschiedliche Gefährdungspotenziale: Vom negativen Einfluss auf den Fettstoffwechsel bis zu wahrscheinlich krebserregend reicht die Bandbreite. Wir fanden unter anderem polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, von denen viele krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend wirken. In zwei Leinölen überschritten die Belastungen sogar die zulässigen Höchstgehalte, so dass diese beiden Produkte nicht hätten verkauft werden dürfen. Wir wiesen Stoffe nach, die bei der Raffination entstehen können. Sie werden als möglicherweise bzw. wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Aber auch aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, die als potenziell krebserregend gelten, haben wir gefunden. Selbst Phthalat-Weichmacher, die die Fruchtbarkeit beeinträchtigen und das Kind im Mutterleib schädigen können, wiesen wir nach. Sie sind für Materialien, die mit Produkten wie Speiseöl in Kontakt kommen, seit 2007 verboten. Daneben waren zum ersten Mal bei einem Öltest auch kritische Lösemittel nachweisbar.

Wie kommt es, dass auch sechs Bio-Produkte, davon zwei wegen polyzyklischer aromatischer Kohlenwasserstoffe (PAK), schlecht abschneiden?

Vier Bioöle sind sensorisch mangelhaft und fallen deshalb durch. Die festgestellten Geruchs- und Geschmacksfehler sind kein Phänomen, das nur bei konventionell hergestellten Produkten auftreten kann. Das Gleiche gilt für die Schadstoffbelastungen. PAK können zum Beispiel über die Umwelt, etwa durch Autoabgase, aber auch durch unsachgemäße Trocknung der Saat in die Öle gelangen. Sie machen vor kontrolliert ökologisch angebauten Pflanzen nicht halt.