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22. August 2008

Stuart Pigotts kleiner genialer Weinführer 2009

Weinjournalist Stuart Pigott präsentiert in seinem neuen Weinführer aufregende Neuentdeckungen mit viel Trinkfreude. Banal und arrogant war gestern!

Ich gebe zu, ich fand den Weinführer in seinen ersten Ausgaben ein wenig zu banal, zu arrogant und zu poppig. Aus der Perspektive meiner nun erworbenen Wein-Altersweisheit gesehen, ist er heute der praktischste Taschenführer überhaupt.

Heute will sich keiner mehr Bordeaux leisten, auf Marmelade und Wein mit Korken hat sowieso keiner mehr Lust. Und die Bio-Weine kommen auch nicht zu kurz!

Die Ausgabe 2009 bietet viel Neues: Endlich ein gutes Cover. Ein rotz-frecher Pigott schaut aus dem Buch wie aus dem Magazin Weingourmet. Und es gibt Preisträger, dessen Weine wirklich den Nerv treffen. (9,90 Euro, 192 Seiten, Scherz, www.fischerverlage.de/

Hier die Preisträger, denen Stuart gestern im Berliner Admirals-Palast die Urkunden überreichte:

Der Party-Weißwein des Jahres (unter 5 Euro): Riesling trocken vom Weingut Riffel (Rheinhessen)

Der Party-Rotwein des Jahres (unter 5 Euro): Martin Tesch (Nahe) mit seinem Spätburgunder (und dem witzigen Tankstellen-Etikett), leicht rauchig, fruchtig und vor allem beschwingt, schönes Zeug, konnte ich den ganzen Abend durchtrinken (genau wie seinen Riesling unplugged)

Der Rosé-Sieger: ein süffiger Muskattrollinger Rose von Kusterer (Württemberg), der zwar trocken, aber mir etwas zu aromatisiert wirkte, das heißt, mehr als ein kleines, aber leckeres Gläschen war nicht drin.

Die Weißwein-Innovation des Jahres: der Krone-Riesling trocken von Eva Fricke, einer Bremerin in Lorch/Rheingau: sehr vielschichtig, viel Potenzial und Tiefe

Zum ersten Mal: Stuart Pigotts kleiner genialer Weinpreis ging ans Weingut Müllen (Mosel), der Trarbacher Hühnerberg Spätlese trocken kam "genial epochal" (Hendrik Canis) rüber, würzig, und mit komplexen Schmelz, Kompliment, ein Klasse-Wein!

Einzig an Stuarts Weingesetzen muss ich mich reiben. Er sagt: Beim Wein gibt es keine Relation zwischen Preis und Qualität. Niko meint: Blödsinn, streichen!

Natürlich ist ein Wein, der per Hand gelesen wurde, der in neuem Holz ausgebaut wurde, der einen besseren Kork oder Schrauber hat oder aus einer Steillage kommt oder biodynamisch hergestellt wurde, selbstverständlich teurer.

Hier zählt das Handwerk und das ist arbeitsintensiv! Selbstverständlich ist ein Wein in der Regel für 6 oder 9 Euro deutlich besser als der für 1,99. Alles andere ist Humbug, Schwachsinn, Ketzerei! Der schöne Vogelgesang ist zwar immateriell, nicht aber das Wein-Handwerk!

Die Ausnahmen sind allerdings Weine weit jenseits von 50 oder 100 Euro, da wird natürlich Marketing, Mythos, Seltenheit und Prestige mitbezahlt. Und natürlich gibt es in dieser Preisklasse eine ganze Menge schlechter Weine! Aber wer fährt schon im Lada von Berlin nach München, wenn er im Audi Cabrio sitzen kann.

Und? Buch kaufen, Preisträger-Weine trinken, Spaß haben. Nix anderes will auch Pigott, und damit liegt er weit vorne!

Grüße, Niko