30. August 2009

Südafrikas Big Apple: WM-Metropole Johannesburg

Neue Kolumne Südafrika 2010 mit Hotels, Restaurants und Wein: Die besten Tipps zum WM-Trip

Im «Gramadoelas» hat Elton John mit Vergnügen gegessen. Catherine Deneuve hat den Wein gelobt. Auch Bill Clinton war in dem auf afrikanische Gerichte spezialisierten Johannesburger Gourmet-Restaurant gern zu Gast. Genau wie Denzel Washington, David Bowie oder Harry Belafonte. Kann es da noch etwas geben, das den Wirt Brian Shalkoff aus der Ruhe bringt? Einen Mann, der schon für Königin Elizabeth II. Gin-Tonic gemixt und eine «lebende Legende» wie Nelson Mandela bedient hat? «Natürlich», sagt Brian. «Die Fußball-Weltmeisterschaft, wir können sie kaum erwarten.»    

«We can't wait» steht in Johannesburg auf Riesenpostern und immer wieder der WM-Slogan «Ke Nako» - «Es ist an der Zeit!». Nach Jahren des Niedergangs, der Apathie und der Angst vor gewalttätigen Kriminellen ist Südafrikas Metropole aus dem Albtraum der ersten chaotischen Jahre nach dem Ende der Apartheid erwacht. Wachgeküsst wurde die größte Stadt südlich von Kairo nicht zuletzt durch die Entscheidung des Fußball-Weltverbandes, Südafrika mit der Ausrichtung der WM vom 11. Juni bis zum 11. Juli 2010 zu betrauen.    

«Schon vorher ging es in Jozi, wie wir Johannesburg gern liebevoll nennen, langsam wieder aufwärts», sagt Henri Vergon. Der Wahl-Johannesburger aus Frankreich betreibt die angesagte Galerie «Afranova» mit Werken zeitgenössischer afrikanischer Künstler. Und das mitten im einst heruntergekommenen Zentrumsviertel Newtown. Heute glänzt es wieder mit Restaurants, Museen, Theatern und Galerien. «Ohne die WM-Entscheidung würde es hier wohl immer noch trübe aussehen.»    

Die Aussicht, Gastgeber des Weltsportereignisses zu sein, hat die Bemühungen von Bürgern, Geschäftsleuten, Behörden und auch der 2001 geschaffenen Metro-Polizeitruppe um die Wiederbelebung des Johannesburger Zentrums beflügelt. Die Ergebnisse sind nicht mehr zu übersehen. Selbst das fast vollständig in die teuren Vorstädte ausgewichene Nacht-Entertainment kehrt langsam an angestammte Plätze zurück. Beliebt ist wieder Newtons Go Go Bar mit ihren alternativen Live-Bands. Und in der Roka Lounge lauschen Fans aller Hautfarben und Altersgruppen bis zum Morgen südafrikanischen Jazz-Stars wie dem Trompeter Marcus Wyatt und seiner Band.    

«Als 2004 die FIFA-Entscheidung fiel, lagen wir uns vor Freude in den Armen», erinnert sich Nkhensani Manganyi. Die schwarze Modemacherin, die heute mit ihrem Label «Stoned Cherrie» zu den erfolgreichsten Unternehmerinnen des Landes zählt, gilt vielen als das Gesicht des neuen Johannesburg: Schön, klug, freundlich, optimistisch und selbstbewusst. «Ke Nako», sagt auch Johannesburgs Mode-Queen. Dabei sei ja wohl klar, dass sich für Geschäftsleute mit der WM neben Sportbegeisterung auch Gewinnstreben verbindet. «Zwischen den Spielen werden die Fans hoffentlich nicht nur auf Elefantenpirsch gehen, sondern auch unsere Shopping Center erobern - und meine Boutiquen entdecken.»    

In den vergangenen Jahren ist die Zahl südafrikanischer Modemacher immer größer geworden. Anfangs seien sie in Paris oder London noch als «Copy Cats» belächelt worden, sagt Lucilla Booyzen, Direktorin der jährlichen South African Fashion Week. «Doch inzwischen wird die Kreativität unserer Designer, die oft aus dem Mangel an Möglichkeiten geboren wurde, weithin anerkannt.»       

Egal ob Designerstücke oder Stangenware, nirgendwo auf dem «Schwarzen Kontinent» lässt es sich ausgiebiger und meist auch preiswerter einkaufen als in Südafrikas Konsumtempeln. Allen voran Johannesburgs moderne Shopping Malls: das Design Quarter im Stadteil Fourways etwa oder Melrose Arch, die neueste dieser gewaltigen Städte in der Stadt mit Geschäften, Hotels und erstklassiger Gastronomie. Ganz zu schweigen von der exklusiven Sandton City am Nelson Mandela Square im Edelviertel Sandton.       

Es sind Orte wie von einer anderen Welt. Zwar immer noch innerhalb des Autobahnknäuels gelegen, das die Megapolis Johannesburg umringt und durchzieht, aber jenseits von Afrika. Nicht selten mit Türstehern in feinen Anzügen und Zylinderhüten. In Sandton City führen reiche Damen ihre neueste Garderobe aus, manche in Begleitung ihrer Schoßhündchen. Restaurants bieten Champagner und Weine vom Kap. Austern und Hummer, Speisen aus nahezu aller Herren Länder.    

Ein paar Straßen weiter fallen Autohäuser ins Auge, in denen schwarze Angestellte unablässig jede Staubflocke von Lamborghinis und Rolls-Royce-Limousinen wegwedeln. Ein Anblick, der eher noch an Ölscheichtümer denken lässt als an Johannesburgs Partnerstadt New York. Selbst der «Big Apple» kann nicht mit so mondänen Edelkarossen-Tempeln aufwarten wie Südafrikas Hochhaus-Metropolis.    

Doch auch ein Ausflug nach Soweto sollte unbedingt zum Programm gehören. Hier fügen sich Impressionen aus Jozis Luxuswelt mit Eindrücken des ärmlichen Lebens von Millionen zu einem besseren Verständnis des aufstrebenden Nach-Apartheid-Südafrikas mit seinen gewaltigen sozialen Probleme zusammen.

Verfehlen kann man Johannesburgs «South Western Township» (Soweto) schon deshalb nicht, weil über dem Areal, in dem sich Slums mit fast schon gut-bürgerlichen Vierteln abwechseln, ein riesiger Heißluft-Fußball schwebt. Die beste Vorbereitung ist auf dem Weg dorthin ein Besuch des großartig gestalteten Apartheid-Museums.    

Entstanden als Massenquartier für die Arbeiter in Johannesburgs Goldminen, war Soweto Schauplatz einiger der wichtigsten tragischen, aber auch triumphalen Ereignisse im Kampf gegen das Rassistenregime. Das Denkmal und Museum für den zwölfjährigen Hector Pieterson, der 1963 bei einer Demonstration erschossen wurde, gehört dazu. Und auch ein Abstecher in die Vilakazi Street, die einzige Straße der Welt, in der gleich zwei spätere Friedensnobelpreisträger gewohnt haben - Nelson Mandela und Desmond Tutu.

Am besten lässt sich Soweto bei einer geführten Tour erkunden - auf Fahrrädern. Der junge Südafrikaner Lebo Malepa hat das Konzept mit seiner schwedischen Lebensgefährtin Maria Westlund entwickelt. Sie waren die ersten, die in Soweto eine Herberge für Rucksack-Touristen eröffneten. Vor «Lebo's Backpackers» starten täglich Radtouren. Begegnungen mit echten Sowetanern, Essen und Trinken in einer der früher illegalen Shebeen-Kneipen sind inklusive. Auch da heißt es immer wieder «Ke Nako», denn mit der WM verbinden auch die Menschen in den Armenvierteln Hoffnungen.    

Nicht weit von Soweto entfernt liegt Soccer City, das mit 95 000 Plätzen eigens für die WM gebaute größte Fußballstadion Afrikas, dessen Architektur manche an den «größten Kochtopf des Kontinents» erinnert. Und mitten in Soweto erwartet am Walter Sisulu Square eine «Public Viewing Area» Besucher aus dem Ausland. «Die sind hier ganz sicher», sagt Lebo. Das glaubt auch Vishnu Naidoo. Doch allein auf die Gastfreundschaft seiner Landsleute will sich der für die Sicherheit während der WM zuständige Chefinspektor nicht verlassen. Es sei klar, dass Kriminelle die WM nutzen möchten um zuzulangen. «Aber darauf sind wir vorbereitet», sagt Naidoo.    

Er verweist darauf, dass 41 000 eigens geschulte Polizisten Südafrikas WM-Städte sichern werden. Die meisten sind in Johannesburg im Einsatz. Millionen wurden zudem für moderne Sicherheitstechnik ausgegeben, von Überwachungskameras in den Straßen bis hin zu neuen Hubschraubern. «Wir tun alles dafür, dass jeder unseren "Big Apple" angstfrei genießen kann», sagt Naidoo. (dpa)

Johannesburg, die Wirtschafts- und Kulturmetropole Südafrikas:

ANREISE UND FORMALITÄTEN: Täglich Nonstopflüge von South African Airways, Lufthansa und weiteren Gesellschaften zu Johannesburgs Airport OR Tambo. EU-Bürger erhalten am Airport kostenlos ein drei Monate gültiges Touristenvisum.    

VERKEHR: Der öffentliche Nahverkehr ist noch unterentwickelt. Besucher sind in der Regel auf Mietwagen oder Taxis angewiesen.    

KLIMA UND REISEZEIT: Im Sommer (November bis Februar) bis 25 Grad. Trotz gelegentlichem Regen geringe Luftfeuchtigkeit. Im Winter (Juli und August) sonnig und trocken, selten über 18 Grad, Nachtfrost. Die Fußball-WM fällt in den Winter.       

GELD: 1 Euro entspricht 11,05 Rand (Stand August 2009). Bargeld am Automaten mit EC-Karte. Kreditkarten werden weithin akzeptiert.

INFORMATIONEN: South African Tourism, Friedensstraße 6-10, 60311 Frankfurt (Kostenloses Tel.: 0800/118 91 18).   www.southafricantourism.de

Kolumne Südafrika 2010