Beer & Brau
02. Februar 2019

Supersommer Bierdurst kaum gestiegen

Trotz eines superheißen Sommers haben die deutschen Brauereien 2018 kaum mehr Bier verkauft. Wichtige Manager stimmen die Branche auf harte Zeiten ein. Hoffnung machen aber einstmalige Nischenprodukte.

Von Christian Ebner

Auf den ersten Blick scheint es dem deutschen Bier und seinen Brauern bestens zu gehen: Immer mehr Braustätten und Biersorten, erfolgreiche Innovationen und nun auch noch eine Absatzsteigerung gegen den langjährigen Trend. Seit Donnerstag ist es amtlich: Die deutschen Brauereien haben 2018 mit rund 94 Millionen Hektolitern mehr Bier verkauft als im Jahr zuvor, wie das Statistische Bundesamt berichtet. Allerdings betrug die Steigerung bei eigentlich optimalen Bedingungen eines heißen und trockenen Sommers mit Fußball-WM nur bescheidene 0,5 Prozent - und das gegenüber 2017, dem bislang schwächsten Jahr in der Geschichte der Brauwirtschaft.

«Viel Lärm um (fast) nichts», kommentierte dann auch der Chef der größten deutschen Braugruppe verfrühte Jubelmeldungen. «Wenn es der deutschen Brauwirtschaft nicht gelingt, unter Idealbedingungen eine bessere Marktperformance abzuliefern, lässt das nichts Gutes für die kommenden Jahre ahnen», erklärte der Sprecher der Radeberger-Geschäftsleitung, Niels Lorenz, in Frankfurt. Die Probleme wie Überkapazitäten, massiver Investitionsdruck und zu viele Sonderangebote seien nach wie vor ungelöst, erinnerte der Manager aus der Oetker-Gruppe vor einigen Tagen seine Kollegen.

Ins gleiche Horn bläst am Donnerstag Veltins-Chef Michael Huber. Schon jetzt sei sichtbar, dass einzelne Premium-Marken nicht mehr in der Lage seien, Preiserhöhungen durchzusetzen, erklärt der Generalbevollmächtigte der zuletzt erfolgreichen Großbrauerei aus dem Sauerland. Die betroffenen Marken würden im Handel gnadenlos herunter gepreist. Kleine und mittlere Betriebe stünden unter enormen Kosten- und Absatzdruck. Selbst Übernahmen kämen kaum voran, beobachtet Huber: «Es stehen seit Monaten respektable Brauereien mit langer Tradition und Braukapazitäten von rund drei Millionen Hektolitern zum Verkauf, ohne dass sie erkennbar begehrt sind und in neue Besitzerhände wechseln. Noch zu Jahrzehntbeginn wäre diese Situation undenkbar gewesen.»

Der Bundesstatistik zufolge war die Absatzentwicklung für Bier im Vorjahr nicht einheitlich. Während der Export in die EU (-2,8 Prozent) rückläufig war, stiegen die Mengen für Drittländer außerhalb der EU (+3,9 Prozent) und für das Inland (+0,6 Prozent). Der heimische Markt ist mit einem Mengenanteil von knapp 83 Prozent nach wie vor entscheidend für die deutsche Braubranche.

Nach Recherchen des Branchendienstes «Inside» haben sich aber auch die führenden Bier-Marken sehr unterschiedlich entwickelt. Marktführer Krombacher wuchs 2018 ebenso kräftig wie Veltins, Warsteiner und Paulaner, während Marken wie Hasseröder oder Radeberger massive Absatzverluste hinnehmen mussten. Der Radeberger-Konzern als Ganzes wies gleichwohl ein Absatzplus von 2 Prozent aus und steigerte seinen Umsatz auch mit Zukäufen um 12 Prozent auf 2,2 Milliarden Euro.

Langfristig hält in Deutschland aber der Trend zu einem geringeren Bierkonsum an, schon die Zahlen aus dem Jahr 2016 wurden 2018 nicht mehr erreicht. Bekannte Gründe für den sinkenden Pro-Kopf-Verbrauch sind das steigende Durchschnittsalter der Bevölkerung und ein aus Gesundheitsaspekten allgemein reduzierter Alkoholkonsum.

Die zunehmend beliebteren alkoholfreien Sorten werden in der Steuerstatistik nicht erfasst und geben dem Deutschen Brauerbund Anlass zum Optimismus. Alkoholfreie Biere und Biermischgetränke hätten sich 2018 besser entwickelt als die steuerpflichtigen Sorten mit Alkohol. Zähle man sie hinzu, habe der Absatz im Jahr 2018 um 1,0 Prozent zugelegt, erklärt der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauer-Bundes, Holger Eichele, in Berlin. Die Nachfrage habe selbst optimistische Prognosen übertroffen und sich dank des Sommers sensationell entwickelt. Der Verband rechne mittelfristig mit einer Steigerung des Marktanteils von jetzt 7 auf 10 Prozent. Mittlerweile gebe es in Deutschland rund 500 verschiedene alkoholfreie Marken. An dem Boom wollen auch die Beschäftigten teilhaben: Ihre Gewerkschaft NGG verlangt Lohnerhöhungen zwischen 6 und 6,5 Prozent.

Auch der Brauerbund weist auf Kostendruck und Preiskampf hin, sieht aber auch positive Entwicklungen. So werde die Zahl der derzeit rund 1500 Brauereien in Deutschland weiter steigen - dank Craft-Beer-Boom und Gaststättenbrauereien. Aktuell gebe es in Deutschland mehr als 6000 verschiedene Biermarken, zu denen jede Woche mindestens ein neues Bier hinzukomme. dpa