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20. Mai 2010

Tandoori Love - Bollywood in der Schweiz

Die Schweiz mit ihren schneebedeckten Berggipfeln ist beliebte Location für indische Kinoproduktionen. Im Mittelpunkt der skurrilen musikalischen Filmkomödie «Tandoori Love» des eidgenössischen Regisseurs und Autors Oliver Paulus stehen die Kellnerin Sonja und der Koch Rajah

Geplant war eigentlich alles ganz anders, Sonja (Lavinia Wilson), die im Gasthof zum Hirschen bedient, ist frisch verlobt in ihren Chef Markus und gerade dabei, das gemeinsame Heim einzurichten. Rajah (Vijay Raaz), ein wahrer Meister seines Fachs, soll ein indische Filmteam verköstigen und sich insbesondere um das leibliche Wohl der anspruchsvollen Hauptdarstellerin Priya kümmern.

Aber im Supermarkt beim Anblick der schönen Sonja vergisst Rajah alle seine Pflichten, für ihn ist es die ersehnte Liebe auf den ersten Blick, er fällt nieder auf die Knie, und es beginnt die erste musikalische Gesangs- und Tanzeinlage nach Bollywood-Manier - oder zumindest das, was der Regisseur damit verbindet. Die Angebetete ist eher verunsichert und reagiert recht kühl, es folgt ein langes, scheinbar aussichtloses Werben um Herz und Liebe der schönen Schweizerin.

Die Kombination Komik und Küche hat sich auf der Leinwand bewährt, hier wird sie leider vermischt mit den verschiedensten Stilelementen und Genres wie Musical, Heimatschnulze, Hindu Melodram und bäuerliche Burleske. Mit Bollywood oder einer europäischen Version davon, hat dieses bizarre Potpourri wenig zu tun, so sehr Oliver Paulus es auch anstreben mag. Trotzdem hat «Tandoori Love» als Film im Film manchmal durchaus seinen Charme, allein schon weil der Protagonist alles andere ist als der Prototyp des Indian Lovers.

Äußerlich ist er ziemlich unattraktiv, nur im Gegensatz zu dem eher geldgierigen wie verwöhnten Muttersöhnchen Markus, besitzt er jene Qualitäten, die eine Romanze von ihrem Helden erwarten kann: Mut, Entschlossenheit, Selbstlosigkeit und Stolz. Was die Zubereitung von Speisen angeht, ist Rajah zweifellos ein Zauberer, zu Recht glaubt er, das Herz einer Frau damit erobern zu können.

In ihrer Gegensätzlichkeit ergänzen sich Lavinia Wilson (Lulu und Jimi) und Vijay Raaz (American Daylight ) ausgezeichnet, wirken in ihren Gefühlen für einander glaubhaft. Statt am Set Schauspieler zu bekochen, lässt sich Rajah im Gasthof Zum Hirschen anheuern, was zunächst den Zorn der kauzigen, fremdenfeindlichen Stammgäste und vor allem der immer nörgelnden Mutter von Markus herausfordert; nichtsdestotrotz wird das ländliche Wirtshaus zum Geheimtipp und erfreut sich bald größter Beliebtheit.

Die verwegene tränenreiche wie blutige Filmgroteske ist vielleicht weniger ein Hommage an das indische Kino, als an die indische Küche. Was in Sekunden an Kreationen entsteht, ist wahrhaft unwiderstehlich auch dank der Kameraführung von Daniela Knapp. Ob Tomaten, Erdbeeren oder exotische Früchte, sie beginnen zu tanzen, haben ein bewegtes Eigenleben, bilden Ornamente, Skulpturen, werden zu wahrer Food Art. In «Tandoori Love» tanzt alles und alle zu Marcel Vaids Kompositionen, Küchenhilfen, Köche, Göttinnen, Bauern, Inder, Schweizer, talentiert oder unbegabt.

Oliver Paulus und sein Co-Autor Stefan Hillebrand, erprobtes Duo von gemeinsamen Projekten wie «Wir werden uns wiedersehn», schaffen es hier nicht, ihren Rhythmus zu finden zwischen Fantasie und Realität. Der permanente Wechsel zwischen artifiziellem fernöstlichem Kitsch und Schweizer Schrulligkeit, wirkt konstruiert und nicht provokativ.

Der Film spielt und kokettiert mit Eigenheiten, Vorurteilen und Identitäten dieser beiden so unterschiedlichen Welten, schreibt der Regisseur in seinen Anmerkungen zur Produktion, leider verliert am Ende sich die Gesellschaftskritik zwischen Stereotypen, Klischees und Klamauk. (Anna Grillet, dpa)