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12. September 2011

Teller statt Tonne

Aktion von Brot für die Welt, Slow Food Deutschland und dem Evangelischen Entwicklungsdienst

Nicht normgerecht, zu groß, zu klein, nicht schön genug: Aus diesen Gründen aussortierte Kartoffeln und anderes Gemüse mit optischen Mängeln sind die Zutaten für ein Demonstrations-Kochen am Samstag (17.9.) in Stuttgart. Die Veranstalter wollen nach Angaben vom Montag bei der bundesweiten Aktion «Teller statt Tonne - Aktion gegen Lebensmittelverschwendung» auf die Verwendbarkeit von Gemüse auch jenseits der Norm hinweisen.

Die Aktion wurde von Brot für die Welt, Slow Food Deutschland und dem Evangelischen Entwicklungsdienst ins Leben gerufen, um «die Konsequenzen unseres Ernährungs- und Wirtschaftsverhaltens in den Ländern der südlichen Erdhälfte aufzuzeigen», sagte Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland.

Jeder Bundesbürger werfe im Schnitt pro Jahr rund 250 Kilogramm Lebensmittel weg, obwohl diese noch gut seien. «Das ergibt zusammengerechnet rund 20 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr», sagte Carolin Callenius, Koordinatorin der Kampagne für Ernährungssicherheit für Brot für die Welt.

Im Rahmen der Aktion trafen sich auch Carlo Petrini, Gründer und internationaler Präsident von Slow Food, und Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner zum Gespräch. Beide sind sich einig, dass es angesichts der wachsenden Verschwendung großer Mengen von Nahrungsmitteln in Europa zu einem Umdenken und Umsteuern kommen müsse.

«Es ist Zeit für einen Bewusstseinswandel, der zu mehr Wertschätzung für unsere Lebensmittel führt. Wir leben in einer Überfluss- und Wegwerfgesellschaft. Angesichts des Hungers in der Welt, einer steigenden Weltbevölkerung, des dramatischen Klimawandels und begrenzter Ressourcen ist es dringend geboten, umzusteuern», erklärten Petrini und Aigner nach dem Gespräch in Berlin.

«Produzenten, Handel und Verbraucher - jeder kann seinen Beitrag dazu leisten». Noch gibt es keine genauen Zahlen, wie viele Lebensmittel in Deutschland tatsächlich auf dem Müll landen und an welchen Stellen besonders viel Abfall entsteht. Das Bundesverbraucherministerium wird deshalb Ende des Jahres erstmals eine von Wissenschaftlern erstellte "nationale Wegwerfstudie" vorlegen, die konkrete Zahlen liefern wird.

«Ich begrüße es, dass in Deutschland eine öffentliche Diskussion entstanden ist über die Wertschätzung von Lebensmitteln. Darauf werden wir aufbauen - gemeinsam mit engagierten Verbänden wie Slow Food und zahlreichen Expertengruppen, die bereits hervorragende Ansätze zur Abfallverringerung erarbeitet haben», sagte Bundesministerin Aigner.

«Es ist eine Frage der Prioritäten, und des besseren Dialogs zwischen Produzente und Verbrauchern, damit wir den wahren Wert unserer Lebensmittel wieder zu schätzen wissen,» so Petrini. GW/dpa