13. Juli 2010

Thomas Cook holt sich Öger Tours

Beim Geschäft mit dem Urlaub werden aus Hotelübernachtungen, Flügen und Betreuung Reisen zusammengefügt und vermarktet. Größe ist da wichtig - und so verleibt sich Thomas Cook nun Öger Tours ein: Das Ende einer Ära

Jahrzehntelang galt er als deutsch-türkischer Vorzeigeunternehmer: Jetzt verkauft Vural Öger seinen Türkeireiseveranstalter an den Branchenriesen Thomas Cook. "Sie können sicher sein, dass mir das nicht leicht gefallen ist", beteuerte der deutsch-türkische Hamburger, der zwischen 2004 und 2009 als SPD-Abgeordneter im Europarlament-Parlament saß, nach Abschluss des Geschäfts. Jetzt wird Öger Tours zu einer Schwestermarke von Neckermann Reisen, Condor und Bucher Last Minute.

Thomas Cook schlägt mit dem Geschäft zwei Fliegen mit einer Klappe: Der zweitgrößte Reiseveranstalter Europas stärkt seine Position auf dem wichtigen deutschen Markt. Zugleich weitet er sein Angebot in einem vielversprechenden Zielgebiet aus. "Die Türkei ist eine der bedeutendsten Destinationen in der ganzen Gruppe", schwärmt der Deutschland-Chef von Thomas Cook, Peter Fankhauser. Für die Deutschen gehöre das Land zu den Top-3 der Reiseziele.

Kein Wunder. Während sich Europa mit der Türkei noch schwertut, haben die Europäer den Urlaub an der Grenze von Orient und Okzident längst liebgewonnen. Alleine aus Deutschland reisten im vergangenen Jahr 4,5 Millionen Menschen in die Türkei, zehn Prozent mehr als zwei Jahre zuvor. Vor allem die All-Inclusive-Angebote großer Ferienhotels haben es den Urlaubern angetan.

Zu dem Wachstum habe Öger Tours einen großen Teil beigetragen, lobt der Deutsche Reiseverband (DRV). Vural Öger hatte vor mehr als 40 Jahren angefangen, in Deutschland Flüge für türkische Gastarbeiter anzubieten. 1982 gründete er das Unternehmen Öger Tours als Spezialist für Pauschalreisen in die Türkei. Alleine im vergangenen Jahr zählte das Unternehmen 400.000 Reisende.

Für Thomas Cook soll sich der Zukauf schnell lohnen. Etwa 30 Millionen Euro gibt das Unternehmen für den Veranstalter aus, rund acht Millionen Euro soll das im Jahr an Ersparnissen bringen. Die Einsparungen kommen unter anderem durch den gemeinsamen Einkauf von Flügen oder Hotelübernachtungen. Hoffnungen setzt das Unternehmen auch auf seinen Ferienflieger Condor, denn die Gäste von Öger Tours sollen künftig verstärkt mit dessen Flugzeugen fliegen.

Die Folgen für die Kundschaft sind nicht so leicht abzusehen. Zwar könnten sich die Preise erhöhen, wenn die harte Konkurrenz unter den Anbietern abnimmt. Andererseits kann ein Veranstalter bei großen Abnahmemengen die Preise der Hotels drücken - und diesen Vorteil an die Verbraucher weitergeben.

Fusionen und Übernahmen haben in der Tourismus-Branche Tradition. So hat auch der heutige Thomas-Cook-Konzern viele Wurzeln. Im Kern geht das heutige Unternehmen geht auf den Versandhändler Josef Neckermann zurück. Er revolutionierte 1963 die deutsche Reiselandschaft, indem er in großen Mengen Hotelübernachtungen und Flüge kaufte, um durch Mengenrabatte die bisher üblichen Preise unterbieten zu können. Ende der 90er Jahre wurde Neckermann Reisen mit dem Ferienflieger Condor der Lufthansa verschmolzen, und ein integrierter Tourismuskonzern entstand.

Zu seinem heutigen Namen kam der Konzern erst vor neun Jahren durch einen Zukauf in Großbritannien: Er übernahm den traditionsreichen Reiseanbieter Thomas Cook, der bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Pauschalreise einführte, und übernahm dessen Namen. Im Jahr 2007übernahm Thomas Cook dann den britischen Veranstalter MyTravel und verlegte sogar seinen Hauptsitz nach London, wo das Unternehmen heute an der Börse gelistet ist.

Von seinem Traditionsstandort soll nun auch Öger Tours nicht weichen müssen. "Die Marke Öger Tours und die Zentrale in Hamburg bleiben in vollem Umfang erhalten", stellte der Unternehmer klar. Aus dem Reisegeschäft zieht sich der 68-jährige "Deutsche mit türkischem Herzen" nicht zurück. Der Fluganbieter Öger Türk Tur und die Veranstaltungsagentur Holiday Plan bleiben im Familienbesitz.

Zusammen mit Tochter Nina führt Öger weiter die Geschäfte in der Türkei. Auch auf den jetzt verkauften Pauschalreiseanbieter wird der Unternehmer weiterhin ein Auge haben: Als künftiges Aufsichtsratsmitglied der deutschen Thomas-Cook-Sparte ist er auch für die Kontrolle seines Lebenswerks Öger Tours zuständig. dpa