Restaurants
18. Juni 2008

Tim Raue: Sein Reich in Mitte (1/Gabriele)

gabriele/adlon-collection

Wir eröffnen die Tim Raue Festspiele in Berlin. Kein Koch in Deutschland hat derzeit einen vergleichbaren Lauf, dreht ein so großes kulinarisches Rad wie der ehemalige Kreuzberger. Heute Abend eröffnet mit einer Celebrity-Party von Anna Maria Jagdfeld sein Restaurant MA auf der Rückseite des Adlon. Am 23. Juni folgt die offizielle Eröffnung des Zweispänners MA und uma. Anlass genug, um in einer Serie alle neuen Restaurants des Jean Georges Vongerichten von Berlin (so der Vergleich des Gault Millau Magazins) vorzustellen. Teil 1: Das Gabriele

Das Gabriele legte die lächerlichste Eröffnung der Hauptstadt hin und, daran nahtlos anschließend, einen haarsträubenden Niedergang. Hier prallten Unfähigkeit und Größenwahn mit einer Wucht aufeinander, wie es nur in Berlin passieren kann. Ganz Deutschland lachte über den überteuerten Pomp und seinen händeküssenden Patron, der plötzlich in einer Nacht und Nebel Aktion wieder verschwunden war.

Schwamm drüber. Seit wenigen Wochen gehört das Gabriele zum Tim Raue Imperium. Imperium ist der korrekte Begriff, Raue als Culinary Director hat sein Reich auf der Rückseite des Hotels Adlon unter seinen ehemaligen Sous-Chefs aufgeteilt. Jetzt zahlen sich seine Erfahrungen als Gang-Leader in Kreuzberg aus. Das schafft die benötigten Nerven aus Stahl.

Sein ehemaliger Sous-Chef Björn Panek kocht heute im Gabriele. Und wie er kocht: kreativ, souverän aromatisch, wunderbar frisch und leicht, es ist ein großer Spaß die einzelnen Gänge an sich vorbeiziehen zu sehen.

Etwa die Erbsenravioli mit Minzöl, wildem Spargel und einem rohen Wachteleigelb. Die grünen und gelben Töne sind reine Meditation, in Anmut liegt das Gericht vor dem Gast auf dem Teller, pure Glückseeligkeit, Aromen voller Finesse. Die Komposition vom Kabeljau mit Basilikum-Tagliolini, Weißweinbutter und warmem Ricotta erklingt wie ein Renaissance-Konzert.

Der Drachenkopf mit Eintopf von Fenchel, Paprika und Safran ist raffinierte Wellness-Küche. Das in Spargelbrühe gegarte lombardische Huhn mit sauren Rübchen, Burratakäse und Limonenschale ein Gesamtkunstwerk, kaum irgendwo besser zu bekommen.

Oder das spektakuläre Dessert mit Gianduja-Cannoli, Birne, Birnensorbet, Basilikum und einem Schuss italienischen Biers, das Panek keck mit Showeffekt in den Teller gießt. Probieren Sie so viel Mini-Gerichte wie möglich, bei mir war kein missratenes dabei.

So macht auch das mondäne 40er Jahre Ambiente von Anna Maria Jagdfeld einen Sinn, vorher passte der Gesamteindruck nicht. Nun herrscht Harmonie zwischen Küche, Service und Interior.

Vom Start weg ist das Gabriele das beste italienische Restaurant der Hauptstadt.

Teil 2 am Freitag: Das Felix

(Gabriele, vier Gänge 62 Euro, Di-Sa 18.30-23 Uhr, Behrenstraße 72, +49 (0)30 2062 8610, www.gabriele-restaurant.de