Lifestyle
24. Oktober 2016

Tipps zum Kauf von Weingläsern Das perfekte Weinglas

Foto Zwiesel Kristallglas

Beim Wein zählt der Duft ebenso wie sein Geschmack. Daher konzentrieren Weingläser die Aromen und sorgen dafür, dass sie in die Nase ziehen. Wer Spaß an feinen Nuancen guter Weine hat, findet auch Spaß an Gläsern für Kenner.

Von Juliane Matthey

Rotweingläser sind eher groß, Weißweingläser eher klein - soweit das kleine Weinglas-Einmaleins. Aber trinkt man Bordeaux aus einem anderen Glas als Barolo? Sind Omas Sektschalen noch zeitgemäß? Und ist der teure Geburtstagswein zu schade für die dickwandigen Deko-Gläser? Mit einigen Expertentipps ist es gar nicht schwer, die Orientierung zu behalten.

Tipps zum Kauf von Weingläsern Foto Zwiesel Kristallglas

Fest steht: Mit dem falschen Glas kann man sich auch den besten Wein verderben. "Aus einem Zahnputzbecher schmeckt ein guter Wein längst nicht so gut wie aus einem ordentlichen Glas", findet Peer F. Holm, Vizepräsident der Sommelier-Union Deutschland aus Sankt Augustin bei Bonn. Darin könne der Wein sich nicht entfalten, der Geruch sich nicht entwickeln.

Aber was macht ein gutes Glas aus? Zunächst sollte es bauchig, trichterförmig und dünnwandig sein. Durch die bauchige Form werden die Aromen konzentriert, so dass man sie besser wahrnimmt, erklärt Ernst Büscher, Pressesprecher des Deutschen Weininstituts in Bodenheim (Rheinland-Pfalz). Wenn man aus einem dünnwandigen Glas trinkt, spitzt man demnach automatisch die Lippen, so dass der Wein von vorne über die ganze Zunge fließt und der Geruch beim Schlucken über den Rachenraum wieder in die Nase gelangt. "Das, was man beim Wein zu schmecken glaubt, riecht man eigentlich", betont Büscher.

Ein Weinglas sollte nicht zu klein ausfallen. Denn man sollte dem Wein immer genug Luft zum Atmen und Schwenken lassen - und daher das Glas nur zu einem Drittel füllen, so Holm. Den lange beliebten Römerkelch, der meist randvoll serviert wurde, halten Weinkenner wie Büscher für ein Unding. "Darin konnte man gar nichts riechen."

Auch der Stiel des Glases spielt eine Rolle: "Er sollte so lang sein, dass man es bequem mit Zeige-, Mittelfinger und Daumen halten kann", erläutert Gerhard Frank vom Glashersteller Zwiesel Kristallglas. Das vermeide, dass die Hand den Wein erwärmt und die Finger Fettflecken hinterlassen.

Neben den grundlegenden Charakteristika kann man zwischen zahlreichen Sorten von Weingläsern unterscheiden. Davon sollte man sich aber nicht verunsichern lassen: Für den Durchschnittstrinker reicht nach Ansicht der Experten je ein Satz Rotwein-, Weißwein- und Sektgläser. Laut Sommelier Holm tut es sogar ein mittelgroßes Glas für beides, Weiß- und Rotwein.

Rotweingläser zeichnet in erster Linie aus, dass sie größer als Weißweingläser sind - die Aromen haben darin mehr Raum, sich zu entfalten. Grundsätzlich kann man zwei Kategorien unterscheiden: das Burgunder- und Bordeauxglas. Letzteres ist schmaler und höher - für tanninreiche Weine, denn viele Gerbstoffe benötigen einen "hohen Duftkamin", wie Büscher erklärt. Die Gläser eignen sich laut Frank gut für junge Bordeauxweine sowie für Rioja und Chianti.

Burgundergläser sind runder und bauchiger. Durch die relativ große Öffnung wird der Wein großflächig in der ganzen Mundhöhle aufgenommen, erklärt Frank. Diese Gläser eignen sich für tanninarme Weine wie Burgunder und Beaujolais. Für schwere Rotweine wie reifen Burgunder, alte Barolos und kräftige Syrahs empfiehlt Frank dickbauchige Gläser mit großer Öffnung. Büscher würde indes schwere Syrahs und Blaufränkische aus einem Bordeauxglas trinken. "Die Unterscheidung ist eher etwas für ambitionierte Weintrinker", räumt er ein. "Aber es macht Spaß, verschiedene Gläser auszuprobieren und die Unterschiede zu schmecken."

Weißweingläser sind aus zwei Gründen kleiner als Rotweingläser: Zum einen, weil Weißwein gekühlt getrunken wird und er sich im kleinen Glas langsamer erwärmt. Zudem sind die Aromen filigraner als bei Rotwein. "In einem zu großen Glas verlieren sie sich", sagt Büscher.

Jenseits des Alltagsgebrauchs kann man nach Ansicht von Sommelier Holm zwischen kleinen Gläsern für leichte Weißweine wie Riesling oder Grünen Veltliner und großen Gläsern für üppigere Weißweine wie Chardonnay oder Sauvignon Blanc unterscheiden. Leichte Weißweine brauchen ein kleines, schmales Glas, das Duft und Frucht konzentriert, erklärt Frank. Üppigere Weißweine brauchen mehr Luft, um ihre Aromen zu entfalten."

Tipps zum Kauf von Weingläsern | Das perfekte Weinglas Foto Zwiesel Kristallglas

Gläser für Dessertwein sind noch einmal kleiner als Weißweingläser. "Süße und edelsüße Weine werden in der Regel in kleinen Mengen konsumiert", begründet das Sommelier Holm. Zudem sie werden auch sie gekühlt getrunken, und die konzentrierten Aromen würden einen in einem zu großen Glas geradezu erschlagen. Laut Glasexperte Frank kann sich bei einem kleinen Dessertweinglas der Geschmack auf der Zungenspitze konzentrieren, die hohe Restsüße wird so nicht betont. Beispiele für solche Weine sind Vin Santo, Tokajer, Sauternes oder Beerenauslese.

Bei Sektgläsern ist die in Deutschland typischerweise genutzte Form die leicht trompetenförmige Flöte. Ideal sei die aber nicht, sagt Holm: "Der Sekt kann sich nicht entfalten, man kann ihn nicht riechen." Besser sei ein tulpenförmiger Kelch. Frank ergänzt, in tulpenförmigen, dünnwandigen und relativ hohen Gläsern baue sich zudem der Schaum gut auf. Die früher beliebten flachen Champagnerschalen eignen sich nach Expertenmeinung nicht.

Ein Weinglas sollte man nicht direkt nutzen, wenn es aus dem Schrank kommt - gerade aus einem alten Holzschrank. "Dann schmeckt der Wein auch nach Großmutters Schrank", sagt Peer F. Holm von der Sommelier-Union Deutschland. Es wird besser erst mit Wasser ausgespült. Eine Alternative ist laut Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut das Avinieren, das Ausschwenken mit einem Schluck Wein, den man weggießt. dpa