REISE
01. Januar 2010

Tourismus im Schwarzwald

Reise und Tourismus: Schwarzwald reagiert auf Wetterwandel

Dauerregen in der Urlaubszeit, grüne Pisten im Winter: Die Tourismusmanager im Schwarzwald wollen sich stärker als bisher auf das unbeständige Wetter und damit auch auf die Folgen des Klimawandels einrichten. «Es geht darum, dass wir unabhängiger vom Wetter werden», sagte der Geschäftsführer der Hochschwarzwald-Tourismus-Gesellschaft, Thorsten Rudolph, in Hinterzarten.

Attraktionen, die nicht abhängig sind von der Witterung, sollen ausgebaut werden. Zudem würden Pisten und Loipen verstärkt künstlich beschneit. Damit werde auch künftig Wintersport ermöglicht.

In den Gebieten für Touristen gebe es ein Umdenken, sagte Rudolph. «Das Konzept von früher funktioniert nicht mehr. Wir können uns nicht mehr einzig und allein auf das Wetter verlassen.» Der Tourismus müsse sich auf die Klimaveränderungen und auf Wetterumschwünge einstellen. «Der Wettergott soll nicht alleine bestimmen können, ob der Urlaub im Schwarzwald ein Erfolg wird oder buchstäblich ins Wasser fällt.»

«Auch wenn derzeit viel von Klimawandel und Erderwärmung gesprochen wird: Im Hochschwarzwald wird es auch zukünftig weiße Winter und damit Möglichkeiten zum Wintersport geben», sagte Rudolph.

«Allerdings werden wir mehr Anstrengungen unternehmen müssen, um in den touristischen Zentren genügend Schnee zu garantieren.» So werde die künstliche Beschneiung einen höheren Stellenwert bekommen. Nur mit Schneekanonen könne sichergestellt werden, dass Skifahrer und Rodler auf ihre Kosten kämen. Dies betreffe vor allem das Gebiet rund um den Feldberg im Südschwarzwald, der als wichtigste Wintersportregion in Baden-Württemberg gilt. Mit Kunstschnee bekomme dieses Gebiet eine größere touristische Bedeutung.

«Völlig unabhängig vom Klimawandel ist unser Bestreben, stärker als bisher für Witterungsschwankungen gerüstet zu sein, für Schlechtwetterphasen und jahreszeitlich untypisches Wetter», sagte der Tourismusmanager. Daher werde in Titisee-Neustadt (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) derzeit ein ganzjährig nutzbares Erlebnisbad gebaut. Es soll Ende 2010 eröffnet werden.

«Zudem arbeiten wir intensiv daran, unser kulturelles und unser Veranstaltungsangebot deutlich auszubauen.» Darin würden auch die Museen und andere Einrichtungen eingebunden. Weiterer Schwerpunkt seien sportliche Aktivitäten, für die Angebote erarbeitet würden.

«Wir wollen uns besser vernetzen», sagte Rudolph. So sei eine «Hochschwarzwald-Card» geplant, die voraussichtlich zum 1. November 2010 starte. Die Idee: Touristen können mit der Karte kostenlos zahlreiche Attraktionen nutzen. «Damit haben sie eine große Auswahl, auch in Zeiten, wenn das Wetter nicht mitspielt.» Die Karte sollen die Touristen kostenlos erhalten. Finanziert werde sie durch die örtlichen Übernachtungsanbieter.

«Ich denke, dass wir für die Zukunft gut aufgestellt sind», sagte Rudolph. Es gebe einen starken Trend, dass Urlauber anspruchsvoller würden und kurzfristiger buchten. «Wir können dieser Entwicklung nur mit einem guten und umfangreichen Angebot begegnen. Die schöne Landschaft alleine, verbunden mit der Hoffnung auf gutes Wetter, reicht nicht mehr.» (Jürgen Ruf, dpa)

Schwarzwald-Tourismus

Der Schwarzwald ist mit 29 Millionen Übernachtungen und 6,5 Millionen Gästeankünften jährlich eines der bedeutendsten Urlaubsgebiete in Deutschland. Weltweit gehört er zu den bekanntesten Tourismusregionen. Eines der touristischen Zentren ist der Hochschwarzwald. Zu den dortigen Highlights gehören der Titisee und der Feldberg, die auch viele Tagestouristen anziehen. Die vor einem Jahr gegründete Hochschwarzwald-Tourismus-Gesellschaft mit Sitz in Hinterzarten (Kreis Breisgau-Hochschwarzwald) vertritt zehn Städte und Gemeinden, die jährlich 2,8 Millionen Übernachtungen verzeichnen. www.schwarzwald-tourismus.info