Honza Klein unterwegs
15. Dezember 2012

Türkei ist das neue Mallorca

fotos-honza

Konkurrenz für das 17. Bundesland

Mallorca wird ja mitunter als das 17. deutsche Bundesland tituliert. Nicht umsonst stellte beispielsweise alltours seine neuen Sommerkataloge für die Saison 2013 auf der Baleareninsel vor. Immerhin zählt das Island zu den beliebtesten Reisezielen. Davon zeugt auch das Engagement der TUI beim Mallorcamarathon. Und für alltours ist die Insel so wichtig, dass man nun verstärkt auf eigene Hotels setzt.

Doch mindestens im Herbst und Winter bekommt die nur zwei Flugstunden entfernte Insel Konkurrenz: von der anderen Seite des Mittelmeeres. "In dieser Zeit sind die Luxushotels in unserer Region fest in deutscher Hand", sagt Sururi Corabatir. Er ist Chef der Hotelvereinigung an der türkischen Riviera. Mehr als jeder zweite Hotelgast käme in den Monaten November bis Dezember aus Deutschland.

Im Dezember seinen es sogar fast 60 Prozent, so Corabatir. Mildes Klima und unschlagbare Preise sind wohl die Hauptargumente dafür. So ist eine Woche All-Inclusive im Fünf-Sterne-Hotel mit Flug bereits ab um die 300 Euro zu haben. Dafür wird es schwierig, im kalten Daheim den Kühlschrank zu füllen und die Heizung zu starten. So ist denn auch das Durchschnittsalter eher jenseits der 60 bei den Gästen.

Manche bleiben zwei, andere sogar bis zu neun Wochen. Wieder andere brechen gleich ganz ihre Zelte zwischen Hamburg, Berlin und München ab und ziehen ganz in den Süden. Vor allem in der Gegen um Alanya - südlich von Antalya - gibt es inzwischen eine regelrechte deutsche Gemeinde. Auf etwa 10.000 ist die Zahl in den vergangen Jahren angestiegen. Immerhin gut 300 Sonnentage scheinen das Hauptargument zu sein.

Und eben die im Verhältnis geringen Lebenshaltungskosten. Dazu findet man in der Region alles was man benötigt. Gehört doch gerade auch Antalya zu einer der am stärksten wachsenden Städte der Türkei. Von 90.000 Einwohner 1989 ist die Zahl inzwischen auf 1,1 Millionen angestiegen.

Ein Grund dafür sind sicherlich die vielen Arbeitsplätze im Tourismus, der zu den Haupteinahmequellen gehört. Hotels entstehen praktisch über Nacht. So wurde etwa das Royal Alhambra Palace mit seinen 579 Zimmern, Poolanlagen, Restaurants und Bars in nur acht Monaten an den Strand gestellt. Unweit davon kann man eine Reise durch die Welt unternehmen: Venedig, der Kreml, die Titanic oder der Topkapi standen Pate für Themenhotels. Sicherlich Geschmackssache aber der Erfolg scheint den Machern Recht zu geben.

Gerade plant die Rixos-Hotelgruppe den Bau einer Art Disneyland. Dafür müssen die Hotelgäste dann jedoch ihr Hotel verlassen. Dies wird sicherlich vor allem für Urlauber mit Kindern im Sommer interessant. "Ansonsten bleiben die meisten Gäste fast die gesamt zeit im Hotel", erzählt mir einer der mit altours zusammen arbeitenden Incoming-Reiseagentur.

"Obwohl wir durchaus viel zu bieten haben", fügt er hinzu. So etwa Ausflüge ins nicht weit entfernte Taurus-Gebirge. Fast unberührte Natur, wilde Schluchten, Geschichte auf den Spuren Paulus, historische Stadtanlagen und für abenteuerlustige Rafting- oder Jeep-Touren. Ich entschied mich übrigens für den Jeep, weil im Herbst die Flüsse doch schon deutlich kühl sind.

Im Sommer indes ist dies eine willkommene Abkühlung und auch für Familien geeignet. "Aber leider nehmen nur etwa 20 Prozent der Gäste unsere Angebote an", erzählt der Reiseprofi. Lieber liegen die Gäste am Pool, entspannen im Spa-Bereich oder nutzen die gastronomischen All-Inclusive-Angebote. Das nimmt so mancher dann wohl doch ein wenig zu erst, wie ich an der einen oder anderen Bar schon am Nachmittag beobachten konnte.

So gibt es in einigen Hotels sogar ein sogenanntes Super-All-Inclusiv. Heißt: 24 Stunden ist alles möglich. Übrigens auch die alltuors-eigene Hotelgruppe allsun ist inzwischen an der türkischen Riviera zu finden. Dies ist vor allem in Sommer für viele deutsche Urlauber von Bedeutung. Denn dann kommen auch viele Gäste aus Moskau, Kiev oder Minsk.

Da habe man das eine oder andere mal schlechte Erfahrungen gemacht, heißt es bei alltours. Mit den eigenen Hotels könne man das nun besser steuern. Dies gelte auch für die Kanaren und Mallorca. Jetzt im Winter indes ist dies obsolet. Man spricht Deutsch. Übrigens auch in den Hotels und den in der Regel ringsherum angesiedelten Shoppingcentern, die natürlich nur echte Chanel- oder Louis Vuitton- Taschen, Rolex- oder Breitling-Uhren anbieten.

Nicht mal vier Flugstunden entfernt liegt diese Winter-Urlaubs-Sonnenparadies. Und wer mag, kann sogar in die Berge zum Ski-Fahren und später wieder an den Strand. Für mich war es der zweite Aufenthalt - sicherlich nicht der letzte.

Ich bin dann mal wieder unterwegs

Euer Honza