News
13. Januar 2008

Über den Steinmetz und Winzer Karl-Friedrich Aust

Auch Alfred Biolek war schon bei ihm. Ein Besuch in Radebeul von Honza Klein ...

Es gibt nur wenige Berufe bei denen etwas für die Ewigkeit oder doch zumindest für Jahrhunderte geschaffen wird. Steinmetz ist vielleicht ein solcher. Der Radebeuler Karl-Friedrich Aust ist Steinmetz. Oder besser gesagt er war es. Nun stellt Aust ein eher schnell vergängliches Produkt her. Er ist Winzer. Doch der Reihe nach.

Aufgewachsen ist der heute 29jährige unterhalb des Lustschlosses August des Starken in Radebeul. Seine Eltern hatten in den Siebzigern das alte Meinholdsche Weinhaus aus dem 17. Jahrhundert gekauft. Meinhold war Hofbuchdrucker beim Sachsenkönig. Die Verbindung zum Königshaus blieb in der Familie. Austs Vater arbeitete in der DDR als Zwingerbaumeister. Doch nicht gleich trat Karl-Friedrich seine Nachfolge an. Am Weinberg aufgewachsen ging er nach dem Schulabschluss in die USA. Er machte ein Praktikum auf einem Weingut. 'Keine gute Zeit', erinnert er sich heute.

Also doch Steinmetz. So begann er eine Lehre an der Dombauhütte in Köln, wohnte sogar beim Dombaumeister, restaurierte Figuren und Steine. Eine Arbeit, die sicherlich Jahrhunderte überdauern wird. Als die Dombauhütte die Restaurierung der Dresdner Frauenkirche unterstützte, war natürlich auch Karl-Friedrich Aust dabei. 'Ich kann heute genau sagen, den und den Stein habe ich behauen', erzählt er nicht ohne Stolz. Sein jungenhaftes Gesicht strahlt dann noch ein bisschen mehr. Auch diese Arbeit an der Kirche hoffentlich wieder ein Werk für Jahrhunderte.

Doch zum Familiensitz in Radebeul gehörten eben auch Weinberge. Als 1992 der Vater starb, stellte sich die Frage: Was wird? Aust und seine beiden Geschwister entschieden: 'Wir bleiben!' Seine Schwester ist Malerin, sein Bruder Kunstschmied. Und er selbst? Er entschied sich für den Wein. Dabei half ein Anruf von Georg Prinz zur Lippe, der im Elbtal auf Schloss Proschwitz seinen Wein macht. Es standen Weinberge zum Verkauf und Prinz zur Lippe, der von dem jungen Mann angetan war, drängte ihn geradezu, diese zu kaufen. Sie würden gut zu seinen Lagen passen. Aus den 0,6 Hektar, die der Vater hatte, wurden fünf Hektar. Im nächsten Jahr kommen übrigens weitere Lagen dazu.

So ist Aust nun ganz Weinbauer. Meist ganz allein ist er zwischen seinen Reben bei der Arbeit. Nur zur Ernte kommen Helfer. 'Das ist dann ein Fest und oft wird mehr Wein getrunken, als wenn ich die Helfer bezahlt hätte', lacht er. Doch Geld, Gewinn ist ihm nicht so wichtig. Das Wort 'Ruhe' benutzt er oft und 'Lebensqualität'. Ein Handy besitzt er nicht. 'So bin ich im Weinberg ganz ungestört, kann mich ganz um die Reben kümmern.' Es ist die Landschaft die ihn hier im Elbtal gehalten hat, die Möglichkeit selbst zu gestalten. Die Arbeit am Berg ist ihm Genugtuung. 'Natürlich will ich einen guten Wein machen', sagt er.

Aber der Weg dahin ist mir genauso wichtig. Er mag das Handwerk dabei. Insofern sind seine zwei Berufe doch nicht so weit voneinander entfernt. Nur dass eben der Wein doch sehr vergänglich ist. 10.000 Flaschen bekommen pro Jahr den Korken mit dem Siegel Aust. Im nächsten Jahr sollen es gut 35.000 werden. In Berlin bieten die Restaurants 'Vau', 'Zander' und die 'Weinbar Rutz' seine Weine, aber auch das Kempinski Taschenbergpalais in Dresden verwöhnt seine Gäste damit und selbst nach Hiddensee wird geliefert. Per Internet kann man ebenfalls seinen Weinkeller bestücken: www.weingut-aust.de.

Seit August 2006 gibt es nun auch direkt bei ihm auf dem Hof seine edlen Tropfen. Zu Preisen von 8,50 bis 18,50 Euro. Mit einem kleinen Fest eröffnete Karl-Friedrich Aust den Weinladen. Unter dem riesigen Walnussbaum, dem Ahorn und der Esskastanie versammelten sich Nachbarn und Freunde. Alfred Biolek war extra gekommen. Im 'Vau' in Berlin hat er den Winzer kennen gelernt. Seitdem sind sie Freunde. Biolek, bekennender Freund des deutschen Weins, ist begeistert. 'Die Landschaft hier im Elbtal ist wunderschön und die Weine von Aust sind hervorragend.'

In seinem kleinen Geschäft bietet Aust mehr als nur seine eigenen Weine. Sieben Weingüter der Region hat er ausgewählt, deren Wein er mit anbietet. Schließlich ist Aust auch im Vorstand des sächsischen Weinbauverbandes. Es geht ihm um mehr als seine Weinberge. 'Wein ist nicht nur ein Produkt, es ist ein Stück Kultur', meint er. Selbst trink er übrigens gern Tee und einst hat er auch eine Zauberschule besucht. Mit Zauberei hat sein jetziges Tun indes nichts gemein. Es ist ein Handwerk. Wie im 12. Jahrhundert als im Elbtal ein Bischof die ersten Weinstöcke setzte. Wein also doch auch irgendwie ein Stück Ewigkeit. Text und Fotos: Honza Klein 

vote for this blog!