RESTAURANTS
01. Januar 2010

Uma und Umatoo: Raue ist kein Ducasse

Das Restaurant Umatoo im Berliner Quartier 206 zeigt, wie ein Bistro-Konzept schiefgehen kann, das nur auf Merchandising aufbaut. Schließlich ist Tim Raue weder Ducasse noch Jean-Georges Vongerichten

Angelegt ist das Umatoo als große Marketing-Aktion für das Restaurant Uma auf der Rückseite des Hotel Adlon, das Uma ist dort Teil der sogenannten Adlon Holding. Wer die riesigen Rolltreppen im Quartier 206 herunterfährt, dem fallen sofort die einnehmenden Pferde-Motive ins Auge. Hier hat mit dem Umatoo eine Zweigstelle des Uma eröffnet.

Der erste Gedanke: ein genialer Schachzug. Auf den 2. Blick: Geht es dem Uma so schlecht?

Oder soll mit dem Umatoo, wo bisher ein schlichtes Cafe war, das Quartier 206 belebt werden. Auffallend ist oftmals die Leere im Quartier, die bedrückend wirken kann. Gefüllt ist das Quartier eigentlich nur zu der Stoßzeit mittags und dann auch nur an solchen Tagen wie kurz vor Silvester.

Allein das Cellini am Auto-Schrott-Turm ist bis auf den letzten Platz belegt. Das ist ein gelungener Schachzug von Jo Laggner, der das Cafe kürzlich übernommen hat. Und Raue hat das Cafe mitten im Quartier abbekommen. Unter den Rolltreppen. Die schlechteste Lage.

Das Umatoo liegt im übertragenen Sinn zwischen den Stühlen, nicht Fisch nicht Fleisch. Menschen ziehen vorbei und glotzen, manche so unverblümt, dass man glaubt, sie wollten einem das Essen vom Teller stehlen.

Das ist das große Manko des Umatoo: Der Gast sitzt im Durchzug eines großen Kaufhauses. Trotz der luxuriösen Läden drumherum wirkt das ebenso stylische Umatoo billig.

Das Personal ist gut geschult, aufmerksam und schnell. Auch das Essen wirkt sehr gut. Die Saucen verdecken allerdings die Qualität der Produkte. Das Beef Filet Tataki ist ansprechend, auch wenn die Sauce etwas dick aufgetragen ist. Das Lemon Huhn kommt eher langweilig, wirkt wie abgestanden. Der Hamachi (Yellowtail/Makrele) ist ausgezeichnet und ohne Tadel, wunderbar in der Kombination mit dem Daikon, dem gelben Rettich.

Aber ein Hauch von Uma? Nein. Ein Aufguss eben, too. Wie beim Kintopp der Remake. Nichts zu spüren von genialen Filialen-Jongleuren wie Ducasse oder Robuchon, wie Boulud oder Vongerichten. Auf der Karte werden zwar die beschriebenen Gerichte als Signatur Dishes geführt, aber diese Klasse hat Raue (noch) nicht.

Er müsste sich fragen ob er sie jemals haben wird, bevor er sich auf solches Merchandising einlässt. Raue ist nicht berühmt, sondern gerade mal Hoffnungsträger auf 2 Sterne und wenn er so weiter macht, ruiniert er diesen Ruf, bevor es ihm etwas einbringen könnte.

In der neuen Cantina der Tausend Bar habe ich deutlich besser gegessen. Dazu demnächst mehr.

umatoo, Friedrichstraße 71, Souterrain, 030/2094-6351