Reise
15. September 2009

Urlaub bei Mallorcas Mönchen

Einst suchten nur Einsiedler und Mönche die Einsamkeit der Berge auf Mallorca. Heute bieten viele Klöster auch Urlaubern die Gelegenheit, viel Ruhe und Erholung sowie unübertreffliche Ausblicke auf die Mittelmeerinsel zu genießen

Dass Palmas Partytrubel auf dem gleichen Eiland zu Hause ist, erscheint aus der Perspektive der alten Gotteshäuser dann oft kaum vorstellbar. Die Einsamkeit hat allerdings ihren Preis: Die Serpentinenstraße auf den 330 Meter hohen Puig de Maria bei Pollença wird immer enger, bis es nur noch zu Fuß steil bergauf geht - das schließt Massentourismus von vornherein aus.

Nach etwa 20 Minuten in der Berglandschaft tauchen dann die massiven Steinmauern und der mit Efeu überwucherte Eingang der kleinen Anlage aus dem 14. Jahrhundert auf. Das Kloster mit seiner kleinen Kapelle und einem Wehrturm beherbergte im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Mönchs- und Nonnenorden.

Im Innenhof genießen einige Tagesausflügler den Ausblick über die nördlichen Ausläufer des Tramuntana-Gebirges und die Bucht von Pollença mit dem Cap de Formentor. Aus der Klosterküche zieht Paella-Duft herüber. Viele Mallorquiner kommen am Wochenende nur wegen der Paellas von Toni auf den Klosterberg. Zusammen mit seiner Frau Cati betreibt er - im Auftrag der Kirche - das 1988 von den letzten Augustinernonnen verlassene Kloster als eine Art Hotel.

Ein paar Gäste bleiben über Nacht, sitzen im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Nonnen, und genießen ein Glas Rotwein vor dem großen Kamin. Das Knistern des Feuerholzes schallt durch den Saal. Durch die hohen Fenster sieht man die Dörfer und Touristenorte, die sich wie kleine Lichterketten an der Küste entlang schlängeln. Ein Gefühl der Ruhe und völligen Abgeschiedenheit macht sich breit. Die Klosterzellen sind sehr klein und spartanisch eingerichtet. Es gibt nur Gemeinschaftsbäder im Flur, Handtücher müssen mitgebracht werden. Zimmerservice, Telefon und Fernseher sind nicht vorhanden.

In der Ferne ist die Halbinsel von Alcúdia zu sehen. Dort steht, umgeben von Pinienwäldern, ein weiteres Kloster: die Ermita de la Victoria. Über Jahrhunderte wurde die Kirche mit ihrer Marienstatue aus dem 13. Jahrhundert immer wieder von Piraten überfallen, weshalb die Eremiten die Einsiedelei in eine regelrechte Trutzburg verwandelt haben. Heute kommen nur noch Wanderer und Ruhe suchende Urlauber in die abgelegene Wallfahrtskirche. Über der Kapelle wurden auf zwei Etagen zwölf kleine, aber komfortable Zimmer für Gäste hergerichtet.

Versorgen müssen sich die «Eremiten auf Zeit» selber - nur das Frühstück wird serviert. Abends, wenn die letzten Kirchenbesucher verschwunden sind, wird es still. Nur noch das Zwitschern der Vögel ist zu hören. Einige Gäste nutzen die Ruhe zum Meditieren und für Yoga-Übungen. Andere setzen sich auf den Kirchplatz und genießen den Sonnenuntergang mit dem Blick auf die Bucht von Pollença. Dann wird es dunkel und einsam im dichten Pinienwald, bis am Morgen die ersten Wandergruppen eintreffen. Von der Kirche aus führen Wege auf den 400 Meter hohen Gipfel Talaja d'Alcúdia, von dem aus der Blick bis zu den Steilklippen von Formentor und nach Menorca reicht. Ein weiterer, recht anspruchsvoller Wanderweg führt zum traumhaft leeren Strand Platjes des Coll Baix, der nur zu Fuß oder per Boot erreichbar ist.

Ähnlich schwer, aber mit dem Auto zu erreichen ist das ehemalige Santuari Sant Salvador bei Felanitx. Es stammt aus dem 14. Jahrhundert und thront auf einem Felsen. Wegen der fünf Kilometer langen Serpentinenstrecke mit einer Steigung von fast sieben Prozent ist das Kloster besonders beliebt bei masochistisch veranlagten Radsportlern. Wer es auf den 510 Meter hohen Berg schafft, wird von einer großen Christus-Statue empfangen und mit Ausblicken auf die Südostküste belohnt. Die modern eingerichteten Zimmer erinnern kaum noch an die Mönchszellen und bieten ebenfalls Postkarten-Ausblicke.

Die Gästezimmer im Kloster Nostra Senyora de Cura bei Randa sind ähnlich modern eingerichtet. Hier kommt der Besucher auch noch mit dem Ordensleben in Kontakt: Vier Franziskaner-Mönche leben im Kloster und sind keineswegs kontaktscheu. Bis vor wenigen Jahren bereitete Prior Jaime sogar persönlich für die Gäste das Frühstück vor. Die letzten Ordensbrüder sind allerdings in die Jahre gekommen. «Wir konnten nicht mehr den ganzen Betrieb aufrechterhalten, deshalb haben wir einen Hotelier von der Insel damit beauftragt, die Herberge und das Restaurant für uns zu leiten», erzählt der 73-jährige Jaime.

Heute kümmern sich die Mönche um den Souvenir-Shop, sie zeigen das Klostermuseum und stehen den Besuchern für alle Fragen zur Verfügung. Besonderen Kontakt haben sie natürlich zu denjenigen, die hier übernachten: Wenn alle Tagesbesucher wieder bergab in die Urlaubsorte gefahren sind, bleibt hier oben auf dem 548 Meter hohen Tafelberg von Randa, der nördlich von Llucmayor liegt, viel Zeit zum Plaudern.

Die Gastfreundschaft der Mönche hat im Kloster Nostra Senyora de Cura eine lange Tradition. 1945 errichteten sie für Asthma-Kranke eine Heilanstalt. «Hier oben herrscht immer ein leichter Wind, es ist trocken und mindestens vier Grad frischer als unten an der Küste. Das tut den Menschen mit bronchialen Erkrankungen sehr gut», erklärt Ordensbruder José Mendez. Im Innenhof werden heute auch Meditations- und Malkurse angeboten. «Auch viele Studenten nutzen hier die absolute Ruhe, um sich auf wichtige Klausuren vorzubereiten.»

Wo heute das Kloster steht, zog sich der Philosoph und Theologe Ramon Llull bereits Mitte des 13. Jahrhunderts als Einsiedler zurück, bevor er als Missionar in die Welt zog. Auf dem Tafelberg von Randa verfasste er mehr als 27 000 Seiten seiner Texte über Philosophie und Religion. Llull gilt als Vater der katalanischen Sprache.

Die letzten Tagesausflügler verlassen das Kloster, Ruhe kehrt ein. Franziskanermönch Emilio streift durch den Innenhof und schaut auf die Bucht von Palma. Die untergehende Sonne taucht die balearische Hauptstadt in ein sanftes Rot.

Kontrastreicher ist der Unterschied zwischen Tag und Abend wohl nur noch im Kloster Lluc bei Escorca, dem bekanntesten Kloster Mallorcas. Mit Souvenirgeschäften, Restaurants, einer Apotheke und einem Geldautomaten herrscht hier tagsüber schon fast stressiger Wallfahrtsbetrieb. Das Bildnis der schwarzen Jungfrau von Lluc zieht im Sommer täglich mehrere Tausend Besucher an. Sobald die letzten Touristenbusse abgefahren sind, kann man aber ganz alleine durch die Klostergänge ziehen und auf den Steinstufen zum Mysterienkreuz gehen.

Würden die Ordensbrüder nicht um 19.00 Uhr ihre Zellen verlassen, um zur Abendmesse in die Basilika zu kommen, hätte man die schwarze Madonna ganz für sich alleine. Bevor es in die mit Bad und Fernseher eingerichtete Mönchszelle geht, sollte aber auch noch Zeit für einen Abendspaziergang in der Umgebung des Klosters sein - das Tramuntana-Gebirge gehört den wenigen Gästen dann ganz alleine.

Im Südwesten der Gebirgskette können Urlauber zwischen Sòller und Deià im Son Bleda unterkommen. Das ehemalige Kloster aus dem 12. Jahrhundert stand beinahe 40 Jahre lang leer, bis zwei Kölner es kauften und zu einem exklusiven Landhotel herausputzten. Mandel-, Oliven- und Zitronenbäume umgeben das alte Gebäude. Aus dem Kräutergarten steigt der Duft von Lavendel, Rosmarin und Thymian hoch. Im Sommer finden auf der riesigen Terrasse Kerzenlicht-Abende mit klassischer Livemusik und Gedichten von Rainer Maria Rilke statt, der jahrelang im nahe gelegenen Valldemossa lebte und dichtete.

Nicht minder exklusiv geht es im Convent de la Missio inmitten der quirligen Altstadt von Palma de Mallorca zu. Das Klostergebäude aus dem 17. Jahrhundert grenzt an die gleichnamige Klosterkirche. Das minimalistisch eingerichtete Designhotel ist immer noch ein Hort der Ruhe - nur dass sich im Speisesaal heute eine Kunstgalerie befindet, in der Kapelle ein Konferenzsaal und in der Küche kein Mönch in schwarzer Kutte mehr kocht, sondern der Sternekoch Marc Fosh.

Viel bescheidener geht es in der Einsiedlerei Castell d'Alaró zu. Hier gibt es kein Restaurant, und die Einsiedlerei ist nur zu Fuß zu erreichen. Dafür aber bietet die Herberge neben den alten Burgruinen in 822 Metern Höhe Blicke bis nach Palma. Fast auf jeder Bergspitze im Hinterland Mallorcas gibt es solche abgeschiedenen, romantisch schönen Klöster und Einsiedeleien, in denen Urlauber die schönsten Ausblicke der Insel in Ruhe genießen können. (Manuel Meyer, dpa)

Klosterhotels auf Mallorca

ANREISE: Air Berlin, Lufthansa, Condor, Tuifly, Germanwings, Ryanair und Easyjet fliegen von verschiedenen deutschen Flughäfen aus zum Teil mehrmals am Tag nach Mallorca. Die Klöster und Einsiedeleien auf der Insel sind am besten mit einem Mietwagen zu erreichen.

KLÖSTER: Puig de María (Tel. von Deutschland: 0034/971/18 41 32, Hostatgeria Ermita de la Victòria, Alcúdia (Tel.: 0034/971/54 99 12, www.lavictoriahotel.com; Kloster Sant Salvador, Felanitx (Tel.: 0034/971/51 52 60, www.santsalvadorhotel.com; Santuari Nostra Senyora de Cura, Randa (Tel.: 0034/971/12 02 60, www.santuariodecura.com; Kloster Lluc, Escorca (Tel.: 0034/971/87 15 25, www.lluc.net; Son Bleda, Sòller (Tel.: 0034/971/63 34 68, www.sonbleda.com; Castell d'Alaró (Tel: 0034/971/18 21 12); Convent de la Missio, Palma de Mallorca (Tel.: 0034/971/22 73 47, www.conventdelamissio.com

ÜBERNACHTUNGSPREISE: Die Preise reichen von 12 Euro für ein Doppelzimmer im Castell d'Alaró über 52,50 Euro für ein Zimmer mit Frühstück im Santuari Nostra Senyora de Cura bis zu 210 Euro pro Zimmer und Nacht im Convent de la Missio in Palma de Malorca.

SPRACHE: Spanisch. Deutsch wird auf Mallorca oft gut verstanden.

WÄHRUNG: In Spanien wird mit dem Euro bezahlt.

INFORMATIONEN: Spanisches Fremdenverkehrsamt, Myliusstraße 14, 60323 Frankfurt (Tel.: 069/72 50 38, 06123/991 34), www.spain.info