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20. Januar 2016

Urlauber trotzen dem Terror Touristenzahl weltweit auf Rekordhöhe

Die Zahl der Auslandsurlauber steigt nach Angaben der UN-Tourismusorganisation (UNWTO) seit Jahren auf immer neue Rekordwerte - Deutschland-Tourismus weiter auf Rekordkurs - Eiffelturm zieht im Terrorjahr 2015 weniger Touristen an

Internationale Konflikte und Terrorgefahren halten Urlauber in weiten Teilen der Welt nicht von Reisen ins Ausland ab. Die Zahl der Auslandstouristen stieg 2015 im Vergleich zum Vorjahr weltweit um 4,4 Prozent auf den Rekordwert von fast 1,2 Milliarden. Damit habe die Reisebranche bereits im sechsten Jahr in Folge ein Wachstum von über vier Prozent erzielt, teilte die UN-Tourismusorganisation (UNWTO) in Madrid in ihrer Jahresbilanz mit. Für dieses Jahr sei ein Wachstum von etwa 3,5 bis 4,5 Prozent zu erwarten.

Zu den jüngsten Anschlägen von Islamisten auf touristische Einrichtungen betonte der UNWTO-Generalsekretär Taleb Rifai: «Was immer geschieht, die Auswirkungen werden stets nur kurzfristiger Natur sein. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben Terroranschläge für den Tourismus mittel- und langfristig keine größeren Folgen.» Die Urlauberbranche erhole sich rasch nach solchen Attacken.

Die UNWTO äußerte sich jedoch besorgt darüber, dass einzelne Staaten aufgrund der Terrorgefahr Reiseeinschränkungen verhängen könnten. Damit würden die betroffenen Länder in zweifacher Hinsicht zu Opfern, sagte Rifai. Zuerst würden sie von Terroranschlägen erschüttert und anschließend international isoliert. Die Sicherheit könne auch mit anderen Mitteln gewährleistet werden. «Der Terrorismus ist eine weltweite Bedrohung», betonte der UNWTO-Generalsekretär. Er könne nicht von einzelnen Staaten, sondern nur von der internationalen Gemeinschaft bekämpft werden.

Nach Angaben der Organisation verdoppelte sich in den vergangenen 20 Jahren weltweit die Zahl der Touristen. 2015 verzeichneten Europa, Asien und der Pazifik-Raum sowie Nord- und Südamerika mit einem Plus von jeweils ungefähr 5,0 Prozent die höchsten Zuwachsraten. Allein in Afrika ging die Touristenzahl im Vergleich zum Vorjahr um etwa drei Prozent zurück. Dies führte die UNWTO vor allem auf einen starken Rückgang im Norden des Kontinents zurück.

Die UN-Organisation geht davon aus, dass mit den Touristenzahlen auch die Einnahmen der Branche gestiegen sind. Dafür lägen für 2015 allerdings noch keine verlässlichen Statistiken vor, betonte die UNWTO. Sie warnte davor, aufgrund des Flüchtlingszustroms in Europa das Schengener Abkommen über die Aufhebung von Grenzkontrollen auszuhebeln. «Dieses Abkommen hat den Europäern viele Vorteile gebracht», betonte der UNWTO-Generalsekretär. «Es darf nicht geopfert werden.»

Die UNWTO zählt als Touristen alle Reisenden, die wenigstens eine Nacht im Ausland verbringen. Nach ihren Angaben hat die Branche weltweit direkt und indirekt einen Anteil von fast zehn Prozent am BIP (Bruttoinlandsprodukt) und stellt neun Prozent der Arbeitsplätze. dpa

Eiffelturm zieht im Terrorjahr 2015 weniger Touristen an

Frankreichs Touristenmagnet Eiffelturm hat im von Terror geprägten Jahr 2015 weniger Besucher anlocken können. Gut 6,9 Millionen Menschen kamen zum international bekannten Pariser Wahrzeichen. Das waren etwa 180 000 Touristen weniger als im Rekordjahr 2014. Bis zu den jüngsten Pariser Terroranschlägen im November hatte die Betreibergesellschaft noch ein Plus gemessen. Auch Hotels, Restaurants oder Fluggesellschaften berichteten anschließend von teils deutlichen Umsatzrückgängen.

Deutschland-Tourismus weiter auf Rekordkurs

Mit einem Übernachtungsplus im November hat der Deutschland-Tourismus seinen Rekordkurs fortgesetzt. Die Hotels und Pensionen mit mindestens zehn Betten registrierten 28,3 Millionen Übernachtungen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das waren 4 Prozent mehr als im November 2014. Die Zahl der ausländischen Gäste erhöhte sich mit plus 7 Prozent auf 5,2 Millionen überdurchschnittlich.

Damit bleibt das deutsche Tourismusgeschäft auf dem Weg zum sechsten Jahresrekord in Folge. Nach elf Monaten lag die Zahl der registrierten Übernachtungen bei knapp 410 Millionen und damit drei Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Für das Gesamtjahr rechnet das Bundesamt mit dem neuen Rekordwert von 436 Millionen Übernachtungen.