27. August 2008

VDP Große Gewächse, der Jahrgang 2007: Mosel und Mittelrhein (1)

Bei der Vorpremiere der Ersten Lage/Große Gewächse des VDP in Wiesbaden gab es am 25. und 26. August 260 Weine zu verkosten. Im Vorfeld wurden Vorschusslorbeeren für den 07er Jahrgang verteilt, er wurde als ganz großes Jahr tituliert. Was ich verkosten durfte, rechtfertigt diese Euphorie allerdings nicht in dem Maße. Heute: Mosel und Mittelrhein, der Superstar ist das bio-dynamische Weingut Clemens Busch

2007 ist in der Tat ein sehr gutes Jahr mit ausgezeichneten Weinen in der Spitze, aber kein Jahrhundert-Jahrgang.

Natürlich setzt er sich deutlich von 2006 ab, das man rückblickend als klein und schwach bezeichnen muss (ginge es zu weit, den Jahrgang zum Teil gar als misslungen zu bezeichnen?). Die Euphorie für 2007 scheint vor allem für die Gutsrieslinge und die Rest- und Edelsüßen zu gelten, gerade Gutsrieslinge, Kabinette und Spätlesen sind in der Breite ausgezeichnet.

Aber schon im Vergleich zu den Großen Gewächsen 2005 steht 007 nicht als der übergroße Bruder da. Vielleicht hatten viele Winzer Angst, ihre Trauben länger hängen zu lassen, Angst davor, dass wieder ein Teil überreifer und verfaulter Trauben mit dabei sind, so wie es 2006 der Fall war, vor allem in der Pfalz. Vielleicht wurden 2007 daher die großen trockenen Weine teilweise zu früh geerntet.

Speziell im Rheingau haben einige Winzer verhältnismäßig früh geerntet, diese Weine haben zum Teil grüne Töne und sind damit aber auch erfreulich erfrischend! Sehr gut schnitt wieder einmal die Nahe ab, die Mosel kann gut mithalten. Und auch der Mittelrhein begeistert!

Dieses Jahr habe ich die Weine, die eigentlich kein GG sind, deutlicher nach unten gewertet. Für mich sollte ein GG 90 Punkte oder mehr haben, meinetwegen auch noch 89. Alles andere mag zwar ein schöner Wein sein, hat aber unter Großen Gewächsen nichts zu suchen!

Die Flights sind durchnummeriert von 1 bis 49 (meist 6er Flights), was hier fehlt, hat Niko nicht geschafft. Ich verkoste in der originalen Katalog-Reihenfolge, daher beziehen sich einige Bemerkungen auf den jeweiligen Vorwein.

MOSEL:

1. Altenberg, von Othegraven: würzig, gelbe Frucht, mineral, animierend, tolle Nase, komplex 90-91

Gottesfuss, Reichsgraf von Kesselstatt: verhalten, resche Säure, direkt, 88-89 Scharzhofberger, Reichsgraf von Kesselstatt: fruchtbetont, gelb, runde Sache 90-91+

Nies'chen, Reichsgraf von Kesselstatt: frucht, klar, säurebetont, etwas Bitterkeit im Abgang, 89

Hofberg, Grans-Fassian: Grapefruit, kurz, fast plump 83-84

Goldtröpfchen, Reichsgraf von Kesselstatt: reife Frucht, Schmelz, bitter 88

2. Josephshöfer, Reichsgraf von Kesselstatt: Grapefruit, schöner Bitterhauch, 89-90

Domprobst, S. A. Prüm: würzig, Stoff, lang, 91+

Sonnenuhr, Reichsgraf von Kesselstatt: Säurespiel, etwas kurz, 88-89

Würzgarten, Dr. Loosen: dunkel, mineralisch, etwas mehr Spiel wäre schön 89

Treppchen, Dr. Loosen: mineral, bitte mehr Komplexität 86-88

3. Marienburg, Clemens Busch: klar, komplex, steht wie eine Plastik, reine Würze, Stoff, lang 91-92+

Marienburg Rothenpfad, Clemens Busch: klar, hell, rein, klingend, satter Glockensound, würziger Schmelz 92-93+

Uhlen "Laubach", Heymann-Löwenstein: dunkle Würze, 89-90

Uhlen "Blaufüßer Lay", Heymann-Löwenstein: weiche Finesse, mineralisch, lang, 90+

Röttgen, Heymann-Löwenstein: Kraft, Stoff, Druck, sehr lang, Schmelz, 91-92+

MITTELRHEIN

4. Hamm "Mandelstein", Matthias Müller: Würze, orientalische gelbe Früchte, Safran, voll und rund 89/90+

St. Jost, Ratzenberger: Druck, Stoff, Fülle, Würze, direkt 90-91 Wolfshöhle, Ratzenberger: gelbe Würze, Schwarzwurzeln, Stoff, 90-91+

Posten, Bastian: ein Hauch von Drops, frisch, klar, 89-90

Hahn, Toni Jost-Hahnenhof: zupackend, kräftige Säure, knackig, 90+

Bernstein, Lanius-Knab: Würze, schönes Säurespiel, 90+

Oelsberg, Lanius-Knab: Schmelz, ölig, guter Abgang, 91

 

Grüße, Niko

Es folgt der Rheingau (und mehr zur aktuellen VDP-Kampagne, siehe Foto)

 

Die Teilnehmerzahl bei der Vorpremiere erreichte ihre Kapazitätsgrenze. Erstmals kommen 392 Weine aus Ersten Lagen zum 1. September 2008 in den Markt. 30% mehr VDP-Weingüter, 143 an der Zahl, haben sich an die Erzeugung der Flaggschiff-Weine der Prädikatsweingüter, ob trockene Grosse Gewächse oder feinfruchtige Prädikatsweine aus Ersten Lagen, gewagt.

Die offizielle Premiere ERSTE LAGE ist am 6. September am Potsdamer Platz in Berlin und am 28. September in Kloster Eberbach, Rheingau.

Mit mehr als 1.1 Mio. Flaschen ERSTE LAGE des Jahrgangs 2007 (Rotwein 2004-2006) erreicht die Erzeugung zum ersten Mal 3 % der VDP-Gesamterzeugung von 35 Mio. Flaschen und gar 9 % Anteil am Gesamtumsatz (310 Mio. Euro). Generell bewirtschaften die 200 VDP-Weingüter 4000 ha und damit ca. 4% der deutschen Weinberge. Die Klassifikation eines Weinbergs wird durch das Symbol hinter jedem Lagennamen auf dem Etikett ausgedrückt. Dieses Logo findet sich hochgestellt hinter jedem Lagennamen als trademark.

Die trockenen Weine werden als GG bezeichnet, die fruchtsüßen Weine tragen die traditionellen Prädikate.

Die Fotos zeigen die neue Image-Kampagne des VDP: So wirbt der VDP in seinen Broschüren Die Weinelite hat einen Vogel. (mit freundlicher Genehmigung des VDP)