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25. November 2008

VDP-Weinlese-Bilanz 2008

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Die Weinlese 2008 ist zu Ende und die Prädikatsweingüter ziehen ein erstes Fazit. Der Weinherbst 2008 verlief nicht unproblematisch, verlangte von Winzern und Kellermeistern viel Fingerspitzengefühl und vor allem Nerven aus Stahl. Nur wer bis zum Schluss die Witterung ausgenutzt hat, konnte überdurchschnittliche Qualitäten in den Keller bringen.

Die VDP-Winzer der verschiedenen Weinbauregionen liefern ein recht homogenes Stimmenbild zum Jahrgang, lediglich in den südlichen Anbaugebieten stuft man den Jahrgang etwas höher ein, als im Rest der Republik. Die Winzer sind sich darin einig, dass es ein leicht überdurchschnittlicher Jahrgang ist: doch die edelsüße Spitze ist rar. Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen sind im Jahrgang 2008 selten zu finden.

Der neue Jahrgang hat vor allem im Weinberg seinen Winzern einiges abverlangt. Während der Sommermonate musste, bedingt durch die Witterung, viel Handarbeit in die Weinberge investiert werden. Die ertragsreduzierenden Maßnahmen, beginnend beim Rebschnitt über die Reduzierung der Trieb- und Traubenzahl bis zur Entblätterung, wurden am Ende belohnt. Die physiologische Reife trat vor allem in den nördlichen Anbaugebieten spät ein, so dass die Lese von den Winzern an Mosel, Saar und Ruwer, im Rheingau und an der Nahe bis weit in den November gezogen wurde.

Wirtschaftlich gesehen, wird 2008 ein Jahrgang sein, der sich am Markt gut positionieren lässt. Der erste Eindruck der 2008er ist vielversprechend: facettenreich, dicht, komplex, hocharomatisch und das alles bei moderaten Alkoholwerten.

Im Vergleich zu anderen Jahrgängen nennen die Winzer meist das Jahr 2004 mit langer Reifezeit, feiner Fruchtsäure und intensivem Aroma.

Fazit: Reife Trauben mussten die Winzer im Jahr 2008 der Natur abringen. Intensive Handarbeit im Weinberg war der einzige Weg, um Top-Qualitäten sicher zu stellen. Außerdem musste, wer in diesem Jahr hohe Qualitäten einholen wollte auch ein hohes Risiko eingehen. Geduld und konsequente Wetterbeobachtung waren das A und O für vielversprechende Moste.

Einen ersten Eindruck der jungen Weine wird es im kommenden Frühjahr geben: auf der ProWein in Düsseldorf (29.-31. März 2009) und auf der Mainzer Weinbörse (26.-27. April 2009). www.vdp.de.

DIE KOMMENTARE DER WINZER:

Der 2008er kann zweifellos mit seinen Vorgängern mithalten. Wir sind sehr zufrieden. (Adeneuer, Ahr)

2008 ist ein guter Jahrgang. Lediglich die edelsüßen Spitzen für den ausländischen Markt fehlen. (Toni Jost, Mittelrhein)

Wir dürfen einen Jahrgang mit klarer Lagentypizität erwarten: die Einzellagen werden schmeckbar sein. (Heymann-Löwenstein, Mosel)

Die späten Sorten und guten Lagen sind die Gewinner auch dieses Jahrgangs. (Kruger-Rumpf, Nahe)

Intensive Weinbergsvorbereitungen waren in diesem Jahr das A und O. (Wittmann, Rheinhessen)

2008, die entspannteste Weinlese, die ich bisher erlebt habe (Wagner-Stempel, Rheinhessen)

Ich würde den 2008er zwischen dem 2002er und 2004er einordnen: der 02er war süßer, der 04er war reifer. Der 2008er liegt in der Mitte. (Battenfeld-Spanier, Rheinhessen)

2008: ein verflixtes Jahr, ein Kämpferjahr, ein gutes Jahr. (St. Antony, Rheinhessen)

Der regenreiche September ließ eine mühsame Lese befürchten, doch der Oktober, mit seinen kalten Nächten, erhielt die Trauben der späten Sorten (Rieslinge, Burgunder) gesund und ließ sie mit der nötigen Geduld doch ihre volle physiologische Reife erreichen. (A. Christmann, Pfalz)

Der Jahrgang 2008 machte es uns nicht leicht, er verlangte uns eine äußerst aufwendige Vorlese ab. Eigentlich hatten wir gedacht, dass es durch die Veränderung des Klimas keine Jahrgänge mehr gibt, in denen man um jedes Grad Oechsle ringen muss. (Ökonomierat Rebholz, Pfalz)

Bei den Grossen Gewächsen werden wir mindestens die Qualität von 2007 erreichen. (Dr. Wehrheim, Pfalz)

Die guten Qualitäten haben wir uns in diesem Jahr hart erarbeiten müssen. Niemals zuvor wurde so selektiv und gestaffelt gelesen wie in diesem Jahr. Bereits am 15. September hat das Geduldspiel begonnen. (Bürgerspital zum Hl. Geist, Franken)

Unterm Strich sind wir hochzufrieden mit dem 2008er, wenn wir auch ca. 15% Einbußen zum Vorjahr, zugunsten bester Qualität hinnehmen mussten (mind. 2 Erntedurchgänge waren nötig). Dank des ausgewogenen Wasserhaushalts im Sommer, erwarten wir extraktreiche Weine, etwas weniger fruchtbetont als der 2007er. (Aldinger, Württemberg)

Geduld, Geduld, Geduld! Wer die hatte, wurde belohnt. (Schloss Proschwitz, Sachsen)

Wir werden viel Spaß mit den Weißen haben. Ich erwarte sehr frische Weine mit angenehm grünen Aromen. (Graf Adelmann, Württemberg)

Die guten Lagen konnten dieses Jahr zeigen, was sie können, und brachten überdurchschnittliche Qualitäten. (Burg Ravensburg, Baden)

Endlich mal wieder eine Oktoberlese! (Bercher, Baden)

Der Vegetationsverlauf

Bis auf wenige Ausnahmen verlief der Austrieb im normalen Zeitraum (früher: Sachsen, Rheinhessen, später: Baden, Württemberg). Ein vergleichbar heterogenes Bild bot sich anschließend bei der Blüte: Pfalz, Rheinhessen und Franken meldeten eine frühe Blüte, einige hundert Kilometer weiter südlich in Baden beobachteten die Winzer eine eher schlechte und spät einsetzende Blüte. Bemerkenswert an der diesjährigen Blüte und als entscheidend für die weitere Traubenentwicklung, ist die z. T. lange, verzettelte Blütephase von 3 Wochen hervorzuheben. Bedingt durch das unbeständige Wetter geriet die Blüte in einigen Gebieten immer wieder ins Stocken, mit dem Ergebnis, dass sich am Ende Trauben unterschiedlichster Reifegrade (von grün, über goldgelb bis edelfaul) am Stock befanden, die vorab zur Vermeidung späterer Fehltöne und zur Qualitätssicherung sorgfältiger Selektion, einer sogenannten Vorlese bedurften.

Der Sonne-Wolken-Mix der Sommermonate sorgte für ein konstantes und zügiges Traubenwachstum und schaffte beste Bedingungen für den kommenden Jahrgang. Einzig lokale Unwetter brachten Schäden, die zu Ernteausfällen und Krankheitsdruck führten. Lediglich Württemberg, Franken und die Nahe meldeten leichten Trockenstress vor allem bei sehr jungen Anlagen. Abgesehen von diesen Ausnahmen bekamen die Reben alles, was sie für die Ausbildung extraktreicher und gesunder Trauben brauchten. Die Weinberge präsentierten sich Ende August über alle Weinbaugebiete hinweg in einem hervorragenden Zustand und waren der Entwicklung im Vergleich zum langjährigen Mittel um fast 2 Wochen voraus.

Der Sommer zeigte sich, wie bereits 2007, von einer nicht übermäßig sonnigen und eher unbeständigen Seite. Die Temperaturen lagen jedoch leicht über dem langjährigen Mittel. Der Juli war der achte zu warme Monat in Folge. Kein Sommer für Sonnenanbeter, aber gut für den Wein. Er bescherte den Trauben ein zügiges Wachstum, die jedoch durch einen zu Beginn regnerischen und schließlich sehr kühlen September leicht abgebremst wurde. Insgesamt wirkten sich die kühlen Nächte jedoch sehr positiv aus, konnten die Trauben dadurch doch der Fäulnis trotzen. Überdies bescherten sie dem Rotwein Farbe und dem Weißwein Frucht.

Ende September geriet man dort, wo Blüte und Reifebeginn um 3 Wochen vor der Norm gelegen hatten (z. B. südl. Rheinhessen, Rheinfront, Südpfalz, Mittelrhein, untere Nahe) bei bereits reifen Trauben in Zugzwang. Fäulnis (frühe Botrytis) machte sich breit. Die frühen Sorten (z. B. Müller-Thurgau, Kerner) mussten eingeholt, betroffene Riesling- und Burgunderparzellen mussten vorgelesen, die faulen Trauben entfernt werden. Ein entscheidender Arbeitsschritt im Hinblick auf Qualitätssicherung und -steigerung, Standard-Repertoire für die Winzer der Prädikatsweingüter. Diese hatten im Jahresverlauf einmal mehr ihre umfangreichen Hausaufgaben im Weinberg sorgfältig erledigt und damit ideale Voraussetzungen für einen erfolgreichen Weinherbst 2008 gelegt.

Die Prädikatsweingüter starteten mit kerngesunden Trauben in die Weinlese auch der später reifenden Sorten, wie Riesling, Spätburgunder und Silvaner. Der nicht goldene, jedoch mit goldenen Tagen durchsetzte Oktober ermöglichte eine bis zu 160 Tage lange Reifezeit am Stock, die den Trauben schließlich den letzten Reife-Schliff brachte. Der Oktober entpuppte sich für viele als Ernte Poker, gab es neben sonnigen Tagen, immer wieder kleinere Schauer. "Ein lang gezogener Herbst mit wechselhafter Witterung forderte uns sehr viel Fingerspitzengefühl und Geduld ab. Allein der letzte Hektar brauchte eine Woche um komplett abgeerntet zu werden, da immer wieder Niederschläge die Ernte verhinderten." (Weingut St. Antony, Rheinhessen)