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24. Januar 2014

Veggie World zeigt vegane Trends

Veganer, Flexitarier, Pescetarier und Co: Vom veganen Stoffschuh bis zum Tofuschnitzel - der Vegan-Report

Auf der Messe Veggie World in den Wiesbadener Rhein-Main-Hallen können sich Besucher vom heutigen Freitag (10 Uhr) an bis einschließlich Sonntag über die neuesten Trends aus der fleischlosen Welt informieren. 80 Aussteller zeigen Produkte aus den Sparten Ernährung, Mode und Kosmetik. Vorträge und Koch-Shows ergänzen das Programm.

«Wir rechnen mit 20 000 Besuchern», sagt die Sprecherin des Vegetarierbundes (Vebu) Stephanie Stragies. Der Vegetarierbund ist Träger der Messe und vertritt die Interessen der Vegetarier und Veganer in Deutschland. Laut Vebu gibt es bundesweit sieben Millionen Vegetarier, 800 000 von ihnen leben vegan.

Veganer, Pescetarier und Co

Viele Menschen lehnen den Verzehr von Fleisch aus ethischen Gründen ab: Sie sind gegen das Töten und die nicht artgerechte Haltung von Tieren. Andere essen aus gesundheitlichen oder religiösen Gründen kein Fleisch. Es gibt auch flexible Esser - und Menschen, die auf Fallobst schwören. Beispiele und Begriffe für das Ernährungsverhalten:

OVO-LAKTO-VEGETARIER essen weder Fisch noch Fleisch. Sie verzichten zum Beispiel auch auf Gelatine, essen aber Produkte von lebenden Tieren wie Milch und Honig.

LAKTO-VEGETARIER meiden Fleisch, Fisch und zusätzlich auch Eier.

OVO-VEGETARIER verzichten auf Fleisch und Fisch sowie Milch- und Milchprodukte.

PESCETARIER essen kein Fleisch, aber Fisch.

VEGANER leben ohne tierische Produkte. Das gilt nicht nur für die Ernährung. Sie verzichten beispielsweise auch auf Leder und Wolle.

FRUTARIER wollen, dass Pflanzen nicht oder möglichst wenig geschädigt werden. Sie essen vor allem Fallobst und Nüsse.

FLEXITARIER sind Gelegenheitsvegetarier, die Wert auf gesundes Essen legen, Fleisch oder Fisch aber nicht kontinuierlich meiden.

Veganer leben ohne Fleisch, Milch, Eier und Leder

Veganer haben sich für ein Leben ohne Tierprodukte entschieden. Das Wort «vegan» prägte der Brite Donald Watson, der 1944 die Vegan Society gründete. Ihre Anhänger lehnen Fleisch und Produkte wie Milch, Eier und Honig ebenso ab wie Lebensmittel mit tierischen Inhaltsstoffen (etwa Gelatine).

Zudem verzichten sie auf Kleidung aus Pelz, Leder, Seide und Wolle. Auch Pinsel mit Borsten, Musikinstrumente mit Darmsaiten oder Knochenleim werden abgelehnt.

Veganer sind auch keine «Insektenkiller»: Die Vegane Gesellschaft Deutschland rät, Kleinstlebewesen vorsichtig lebend zu fangen und in die Freiheit zu entlassen. Einer aktuellen Studie zufolge lebt ein Prozent der Bundesbürger ausschließlich vegan.

Veganer Metzger liegt mit Fleischverzicht voll im Trend

In Frankfurt hat sich ein Metzger-Meister vom Wurstkonsum losgesagt:

Michael Spahn hat schon viele Schnitzel gegessen in seinem Leben. Der 52-Jährige ist seit 1986 Metzger-Meister, er lebt vom Verkauf von Schinken und Wurst. Nun bietet er zusätzlich Produkte ohne tierische Bestandteile an. Zwischen Fleischsalat und Grillsteaks liegen in seiner Theke Rouladen aus Soja, Wurst aus Tofu und Braten aus Weizeneiweiß. Doch das ist noch nicht alles: Metzger Spahn hat selbst aufgehört, Fleisch zu essen. Er ist Veganer geworden.

Damit verzichtet er auch auf Eier, Milch und alle daraus hergestellten Produkte wie Joghurt, Butter und Quark. Ausschlaggebend sei ein Arzt-Besuch gewesen, bei dem ein stark überhöhter Cholesterinwert diagnostiziert wurde, berichtet Spahn. Schon vor Jahren hat er seine Metzgerei in Frankfurt auf «bio» umgestellt - der Tiere wegen, wie er sagt.

Unbändige Lust auf Fleisch habe ihn seit seiner Ernährungsumstellung im September noch nicht überfallen, sagt Spahn. Selbst an Weihnachten sei er mit Soja-Rouladen vollauf zufrieden gewesen. An seiner Theke gingen die hausgemachten fleischfreien Produkte weg wie warme Semmeln, sagt der Metzger. Es gebe zwar Veganer, die seinen Laden nicht betreten wollten und von der Tür aus ihre Bestellung hinein riefen - doch das Geschäft brumme.

Spahn liegt mit seinem erweiterten Angebot im Trend. Allein in Frankfurt haben in den vergangenen Jahren vier rein vegane Restaurants und Imbissläden, ein Café mit tierfreiem Kuchen und ein Supermarkt für Veganer aufgemacht. Noch rasanter wächst das Segment in Berlin, dort gibt es inzwischen eine Auswahl von mehr als 20 Läden mit rein pflanzlichem Essen und mehrere spezielle Supermärkte.

Ein ähnliches Bild bietet sich laut Sebastian Zösch vom Vegetarierbund (Vebu) in vielen Städten bundesweit. Auch die herkömmlichen Supermärkte weiteten ihr Angebot an Tofu-Bratwürsten und veganen Fertigburgern kontinuierlich aus, die Zahl der neu veröffentlichten Kochbücher für tierfreies Essen schnellte laut Zösch vergangenes Jahr auf mehr als 50. Mit seinem Buch «Vegan for fit» gelang dem veganen Vorzeigesportler Attila Hildmann 2013 ein bestens verkaufter Ratgeber.

Begonnen habe der Trend mit dem Buch «Tiere essen» von Jonathan Safran Foer, das 2010 auf Deutsch erschien und die Methoden der Massentierhaltung anprangerte, sagt Zösch. Das Thema sei erstmals breit diskutiert worden. Inzwischen hätten auch viele kritische Ernährungswissenschaftler ihren Widerstand gegen die rein pflanzliche Ernährungsweise aufgegeben.

Mit der Verfügbarkeit veganer Lebensmittel steige nun die Zahl der Menschen, die darauf zurückgreifen, sagt Zösch, der sich ebenfalls vegan ernährt: «Früher musste man ganz stark überzeugt sein, heute ist das anders.» 800 000 Veganer gibt es nach seiner Schätzung derzeit in Deutschland, mit stark steigender Tendenz.

Die boomende Szene trifft sich an diesem Wochenende im Rhein-Main-Gebiet auf der Messe «VeggieWorld» in Wiesbaden zu Vorträgen und Kochshows. Der Vegetarierbund rechnet als Veranstalter wie schon in den vergangenen Jahren mit einem Ansturm vor allem auf die veganen Produkte, darunter auch Schuhe und andere Kleidungsstücke.

Auch Metzger Spahn setzt auf sein tierfreies Angebot als Umsatztreiber. Sein herkömmliches Angebot will er aufrechterhalten und plant für seine veganen Kundschaft die Eröffnung eines eigenen Imbisses. Einen Versandhandel betreibt er bereits. Auch seiner neuen Überzeugung will Spahn treubleiben: «Ich fühle mich jetzt so gut, das geht gar nicht mehr anders.» dpa