NEWS
19. Februar 2015

Verbraucherschutz Apfelwein mit Zusatzstoffen

Wirbel um hessischen Apfelwein nach Beanstandungen von Kontrolleuren - Wie hessisch ist der Äppelwoi? update: Verbände hoffen auf Apfelbaum-Besitzer

Von Carolin Eckenfels

Kein Getränk ist hessischer als der Apfelwein. Ein durch und durch regionales Produkt - glaubt der Hesse. Doch dann kontrolliert die Lebensmittelaufsicht die drei größten Apfelweinkeltereien im Land und stößt auf Unregelmäßigkeiten. Es geht um fehlende Angaben auf Etiketten und vor allem die Frage: Wie viel «einheimische» Äpfel müssen in Hessens Nationalgetränk stecken?

Bei den im vergangenen Jahr vorgenommenen Kontrollen fanden die Experten laut Verbraucherschutzministerium unter anderem den Zusatzstoff Zuckercouleur, der nicht deklariert war. Bemängelt wurde außerdem ein aus Sicht des Ministeriums zu geringer Anteil von Hessen-Äpfel. Mehr als die Hälfte sollten es schon sein, findet man in Wiesbaden. «Gerade bei regional so wichtigen Produkten wie dem hessischen Apfelwein ist es von herausragender Bedeutung, dass die Verbraucherinnen und Verbraucher sich auf die Herkunft des Produkts verlassen können.»

Man bemühe sich, so viele Äpfel aus der Region wie möglich zu bekommen, heißt es bei den betroffenen Keltereien Heil, Wilhelm Höhl und Possmann. «Allerdings stehen aufgrund von jährlichen Erntemengenschwankungen nicht immer genügend hessische Äpfel zur Verfügung, um mehr als 50 Prozent zu erreichen.» Entsprechend sei man mit dem Land uneins über den Mindestanteil. Bis zur Klärung wollen die Firmen freiwillig mehr als 50 Prozent heimisches Obst verarbeiten. Auch auf die anderen Beanstandungen habe man reagiert und umfassende Konsequenzen gezogen.

«Hessischer Apfelwein» ist ein Produkt mit «geschützter geografischer Angabe». Klingt nach Region pur, doch laut Definition muss nur mindestens eine von drei Produktionsstufen - Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung - im Herkunftsgebiet stattfinden. Fürs «Stöffche» gilt zudem: Die Vergärung, die Klärung sowie das Abfüllen muss hierzulande passieren, wie Steffen Ball vom Verband der Hessischen Apfelwein- und Fruchtsaft-Keltereien erklärt.

Er begrüße die Diskussion um den «Äppler»: «Weil das die Sinne schärft für das Problem, dass zu wenig Äpfel aus Hessen von den Wiesen in die Keltereien gebracht werden.» Also müsse zugekauft werden, wenn die Ernte nicht ausreiche. «Das haben wir auch nie bestritten.»

Fünf bis sechs Liter Apfelwein im Jahr trinkt jeder Hesse nach Schätzungen des Verbandes. Bundesweit am meisten wird der «Äppler» in der Region zwischen Kassel und Mannheim getrunken, mit einem klaren Schwerpunkt im Rhein-Main-Gebiet. Dort zitterte man wohl auch besonders, als im vergangenen Jahr der «Äppelwoi» schon einmal für Schlagzeilen sorgte: Befürchtungen machten die Runde, wonach der Bembel - der traditionelle Apfelweinkrug - wegen einer neuen EU-Verordnung verschwinden könnte. Die Angelegenheit ist mittlerweile geklärt und es bleibt alles beim Alten.

Der neue «Äppler»-Fall wird dagegen wohl noch eine Weile die Beteiligten beschäftigen - und die Justiz. Wegen möglicher Verstöße gegen das Marken- und Lebensmittelrecht wurden nach Angaben des Ministeriums die zuständigen Staatsanwaltschaften eingeschaltet. dpa

Verbände hoffen auf Apfelbaum-Besitzer

Nach dem Aufruhr um das «Stöffche» hofft die Apfelweinbranche auf mehr Engagement der Apfelbaum-Besitzer für das hessische Nationalgetränk. «Die Keltereien haben das Problem, dass sie nicht genügend Ware aus der Region bekommen», sagte der Geschäftsführer des Verbands der Apfelwein-Keltereien in Heusenstamm (Kreis Offenbach), Steffen Ball.

Die gleiche Meinung vertrat auch Peter Häfner von der Vereinigung der Äpfelweinwirte in Frankfurt: "Die Keltereien sind händeringend auf der Suche nach Leuten, die ihnen Äpfel bringen».

In Hessen werden jedes Jahr bei weitem nicht alle Äpfel gepflückt, sie verfaulen an den Bäumen. Dabei zahlten Keltereien zwischen 10 und 13 Euro pro Doppelzentner Äpfel, sagte Ball. «Aber hier gibt es auch ein Nachwuchsproblem. Die meisten Leute, die Äpfel bringen, sind schon älter. Und Jüngere kommen nicht nach.» Einen Imageschaden oder gar einen Umsatzrückgang durch den jüngsten Wirbel befürchten die beiden nicht. dpa