REISE
19. November 2009

Verwirrungen um Allgäu Airport Munich West

Der Flughafen Memmingen wird von der irischen Billigfluglinie Ryanair beworben, als läge er im Münchner Westen - und nicht ziemlich weit westlich von München. Jetzt baut die Gemeinde sogar ein Hofbräuhaus

«Munich West» liegt höher als Bayerns Landeshauptstadt. Der auf knapp 630 Meter gelegene Allgäu Airport ist Deutschlands höchstgelegener Verkehrsflughafen. Er hat der Gemeinde Memmingerberg im Unterallgäu beträchtliche Bekanntheit beschert. Der 2700-Einwohner-Ort am Rande der Stadt Memmingen wird von der irischen Billigfluglinie Ryanair beworben, als läge er im Münchner Westen - und nicht ziemlich weit westlich von München. Das sorgt immer wieder für Verwirrung.

Schließlich ist Memmingen mehr als 100 Kilometer von Bayerns Landeshauptstadt entfernt. Den Erfolg des Allgäu Airports schmälert dies jedoch nicht. Der Airport hat sich als Bayerns drittgrößter Verkehrsflughafen zu einer Drehscheibe im süddeutschen Raum entwickelt.

Wenig Freude kommt bei manchen Fluggästen auf, die nach «Munich West» fliegen und im Allgäu landen. Vor allem Taxifahrer bekommen den Ärger mancher Flugreisenden ab. «Es kommt immer wieder vor, dass Leute wie selbstverständlich in die Münchner Innenstadt gefahren werden wollen», erzählt Kathrin Kutter vom einem örtlichen Taxi-Unternehmen. «Ganz schlimm war es zur Zeit des Oktoberfests.» Die Gäste fallen buchstäblich aus allen Wolken, wenn sie die Entfernung und damit den Preis sowie die Zeit für eine reguläre Taxifahrt nach München erfahren: 180 Euro kostet es, und in Stoßzeiten dauert die Fahrt bis zu zwei Stunden.    

Mehr als 1,3 Millionen Passagiere wurden im Allgäu seit der Eröffnung des Airports im Juni 2007 gezählt. Die Erwartungen der Flughafen-Verantwortlichen seien weit übertroffen worden. «Wir wollten uns langsam etablieren, aber der Erfolg kam schneller als erwartet», sagt Ralf Schmid, Sprecher der Allgäu Airport Geschäftsführung. Die Fluggäste kommen aus ganz Bayern, dem angrenzenden Baden-Württemberg, aus Teilen Österreichs und der Schweiz.    

Neben dem Wirtschaftsstandort Schwaben profitiert vor allem der Tourismus. «Ein Flughafen ist ein Gästebringer», sagt Bernhard Joachim, Geschäftsführer des Tourismusverbands Allgäu Marketing. Zuwächse bei den Gästeankünften belegten dies. Mit Hilfe internationaler Flugverbindungen will die Tourismusregion nun gezielt auch auf ausländischen Märkten für sich werben.

Neben der Fluggesellschaft TUIfly, die 2007 den Linienflugbetrieb am Allgäu Airport aufgenommen hat, sind seit diesem Jahr Ryanair und eine ungarische Billigfluglinie im Allgäu stationiert. Auf dem Winterflugplan stehen neben den vier innerdeutschen Zielen Berlin, Hamburg, Bremen und Köln acht internationale Ziele in Süd- und Osteuropa, Großbritannien und Skandinavien. Mit 80 Flügen pro Woche haben sich die Flugbewegungen im Vergleich zum Vorjahres-Winter verdoppelt. Auch die Passagierzahl legte zu. Während der Flughafen 2008 noch rund 460 000 Passagiere verzeichnete, rechnet man für das laufende Jahr mit mehr als 700 000 Fluggästen.    

Durch seine Nähe zu Autobahnen und der Bahnverbindungen München-Zürich und Ulm-Oberstdorf verfügt der Allgäu Airport über günstige Verkehrsanbindungen. «Diese Verkehrsachsen sind eine wichtige Säule für unseren Erfolg», sagt Schmid. Außerdem sei der Flugplatz durch die kurzen Wege und ein übersichtliches Terminal bei Erst- und Wenigfliegern beliebt.

Memmingens Oberbürgermeister stört sich nicht an der Bezeichnung «Munich West». «München ist weltweit bekannt, da kann eine 40 000 Einwohner zählende Stadt wie Memmingen nicht mithalten», sagt Ivo Holzinger. Der Flughafen habe der Stadt viele neue Besucher gebracht. Den Gästen, die in Memmingen bisher das Hofbräuhaus vergeblich suchten, will Holzinger entgegenkommen. «Wenn die Leute bei uns nach bayerischer Gemütlichkeit fragen, dann wollen wir ihnen das mit einem Memminger Hofbräuhaus auch bieten.» Bis zum Sommer 2010 soll ein leer stehendes Gasthaus in der Memminger Altstadt entsprechend umgebaut werden. (Birgit Klimke, dpa)