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20. August 2008

Volunteers for Obama (11): Das neue Büro

Catharina Wilhelm berichtet über den Obama-Wahlkampf aus Milwaukee/Wisconsin. Heute: Das neue Obama-Büro

Endlich ist es soweit! Das neue "The Barack Obama-Campaign for Change"-Büro in West Allis feierte seine Eröffnung. Noch ist alles ein wenig provisorisch: telefoniert wird mit Mobiltelefonen via Flatrate, Büroleiter Greg hat sein Notebook dabei und die Stühle und Tische passen nicht wirklich zusammen, aber die Laune stimmt und alle packen mit an.

Wir sollen die Dekoration übernehmen und so blicken wir zunächst etwas ratlos auf je eine Packung weißer, blauer und roter Luftballons, Stifte in allen Aggregatszuständen, Dicken und Farben, zwei Rollen Klebeband, einen Packen Flipchartpapier und drei eher weihnachtlich anmutende Glitzersterngirlanden. Aber gut: wir nehmen die Herausforderung an und schnell sind die Luftballons aufgeblasen und beschriftet, Plakate gemalt und in die Fenster sowie an die Wände geklebt und die Girlanden ziehen schwungvolle Bahnen entlang der Decke. Schon kommen die ersten Gäste, manche bringen Häppchen und Snacks mit. Viele schauen direkt nach dem Job vorbei und sind recht businessmäßig aufgebrezelt, andere haben die komplette Familie im Schlepptau und schnell spielen einige Kinder mit Luftballons Volleyball. Jeder bekommt ein Namensschildchen, das macht es einfach familiärer und man kommt schnell ins Gespräch. Smalltalkerprobt ist man hierzulande einfach, da ist man wirklich viel unkomplizierter als bei uns in Deutschland.

Der Stadtteil ist eine harte Nuss, nicht gerade eine Hochburg der Wahlwilligen. Und schon haben sich die Abtreibungsgegner mit ihren provozierenden Riesenplakaten von Babyleichen vor der Eingangstüre aufgebaut. Freundliche Hinweise, sie hätten keine Demonstration angemeldet und seien also weder erwünscht noch legal hier, werden rüde unterbrochen. Der Ton wird schärfer, gerade die anwesenden Mütter finden es für ihre Kinder hier unzumutbar, dass die fünf Demonstranten sich blutverschmierte Babypuppen mit verstümmelten Gliedmaßen und herausgestochenen Augen um den Hals hängen, wahrhaft kein schöner Anblick.

Der Hintergrund: Barack Obama möchte den Frauen das Recht auf den Abbruch von Schwangerschaften zugestehen, nach strengen Indikationen, ähnlich wie bei uns. Das polarisiert bekanntermaßen. Als ich kurz das Geschehen betrachte, wird mir sofort mitgeteilt, dass Barack Obama mit Sadam Hussein gleichzusetzen sei. Warum, frage ich. Keine Antwort. Ich sei wohl der Obamania verfallen, es mache also ohnehin keinen Sinn, mit mir zu sprechen. Nachdem die Polizei gerufen wurde, ziehen die Obama-Gegner von dannen und so kann man sich wieder um andere Themen kümmern: wer wird wohl in Obamas Team berufen werden? Wird Hillary Clinton eine Rolle spielen oder wird sie sich zurückziehen? Mit welchen neuen Gerüchten und Unwahrheiten werden die Republikaner Obama attackieren? Heiße Debatten. Auf der anderen Seite: Stolz. Viel Stolz auf den Fortschritt beim Canvassing, bei der Generierung der Spenden, auf den Verkauf von Shirts und Buttons, viele Motive sind bereits vergriffen.

Zwei lokale Politikgrößen ergreifen das Wort, berichten von den bis dato erzielten Erfolgen und machen Mut für die kommenden Wochen und Monate. Dann schildert Büroleiter Greg Bach die Aufgaben für die Volunteers: es geht weiter mit Büroeröffnungen, in zwei Wochen werden dann ja die Team-Mitglieder von Barack Obama bekannt gegeben und für diesen Tag gilt es, TV-Parties zu organisieren, die Hausbesuche werden intensiviert werden, ebenso die Taktung der Telefonate erhöht, es gibt also jede Menge zu tun für die freiwilligen Helfer. Greg dankt allen, die sich einsetzen für die Obama-Kampagne und als er uns from Germany erwähnt, geht schon ein kleines Raunen durch den Raum. Und so müssen wir anschließend noch viele Fragen beantworten.

Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm