News
24. August 2008

Volunteers for Obama (12): Debatte im TV

Catharina Wilhelm berichtet über den US-Wahlkampf aus Milwaukee/Wisconsin. Schluss: Das Kreuz und die Wahl

Politik und Kirche, wieder mal etwas, was in Amerika komplett anders ist als bei uns. Könnten Sie sich vorstellen, Pfarrer Fliege hätte seinerzeit zunächst Herausforderin Angela Merkel und anschließend den damaligen Kanzler Gerhard Schröder vor Publikum zu Themen befragt wie "In welchem Falle sollte man bereit sein, für Deutschland zu sterben?" oder auch "Gibt es das Böse per se?".

Undenkbar, nicht wahr? Nicht so in Amerika. Kürzlich interviewte der 54jährige TV-Pastor Reverend Rick Warren beide Kandidaten, allerdings strikt getrennt voneinander, nacheinander, sozusagen. Warren, Vorstand der viertgrößten Glaubensgemeinschaft der USA, wettert regelmäßig im Fernsehen gegen Armut oder auch AIDS und via Internet und hat nun insbesondere über den strittigen Punkt des Abtreibungsrechts den Weg zum Wahlkampf gefunden. Amerika habe die Wahl, sagte er, und es sei seine Aufgabe, den beiden Kontrahenten eine Plattform für ihre Statements zu wichtigen Themen zu bieten. Warren ist ein beliebter TV-Moderator, auch wenn viele ihm vorwerfen, er frage zu naiv oder wirke ein wenig schrullig.

CNN und der Republikaner-nahe Fox News Channel übertrugen die Gespräche live, ebenso konnte man via Webstream dabei sein. Warren nutzte die Gelegenheit kräftig für Eigen-PR: die beiden habe er persönlich via Handy eingeladen, sie seien sozusagen Freunde von ihm.

Zurück zur Frage, wann man denn mit Fug und Recht für sein Vaterland in den Tod ziehen dürfe oder solle. Beim Thema Abtreibung war die Anspannung Obamas zu spüren, er stotterte immer wieder und erinnerte in manchen Momenten sogar an Edmund Stoiber und seine "äähs". Frauen würden diese Entscheidung mit ihren Männern oder gar weiteren Familienmitgliedern sorgfältig abwägen, aber natürlich häufig auch das Gespräch mit ihrem Pfarrer sowie selbstverständlich mit ihrem Arzt suchen. Er betonte, er sei für die freie Entscheidungsmöglichkeit der Frauen und das bedeute nicht zugleich, dass er für Abtreibung sei. Die Kernfrage laute: wie kann man die Abtreibungsrate verringern? Während der Amtszeit von Präsident Bush wurden konstant jährlich 40 Millionen Abtreibungen vorgenommen, obwohl dieser sich so strikt dagegen positioniert habe. Schnell kam Obama aber wieder auf das beliebte Dauerthema "Healthsystem", also das Gesundheitswesen, zurück. Es sei wichtig, mehr Aufklärung zu betreiben oder auch das Adoptionsverfahren zu vereinfachen.

McCain wurde deutlicher und zeigte sich entschlossener als Obama: "Ich habe eine klare Pro-Life-Einstellung und vertrete diese seit Jahren im Kongress und im Senat. Und als Präsident wäre ich selbstverständlich ein Pro-Life-Präsident. Dazu stehe ich." Das Saalpublikum tobte vor Begeisterung.

Und am nächsten Tag waren die Interviews der beiden ein Riesenthema in den Zeitungen, den Coffeeshops, im Zug von Chicago nach Milwaukee, beim Dinner.

Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm

Die Autorin ist inzwischen wieder zurück in München. Die Event- und PR-Managerin volontierte in Milwaukee/Wisconsin bei den Democrats im Obama-Wahlkampf. Hier finden Sie alle 12 Teile der Serie mit Einblick in die amerikanische Wahlkampf-Seele und typische Milwaukee-Klassiker wie German Bratwurst, Braukunst, Steaks, Coffee und Eiscreme.