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10. August 2008

Volunteers for Obama (2): Jobs

Catharina Wilhelm volontiert in Milwaukee/Wisconsin bei den Democrats im Obama-Wahlkampf. Heute: Die ersten Jobs im Wahlkampfbüro

"Welcome at the Barack Obama campaign for Change"! Mit diesen Worten wird begrüßt, wer das Büro der Democrats in der Appleton Avenue im nördlichen Milwaukee besucht. Außen wie innen ist es überraschend unscheinbar: die spärliche Dekoration beschränkt sich auf einige weiße und blaue Luftballons an der Decke der ehemaligen Bankfiliale, in den großen Fensterfronten hängen zwei gedruckte Plakate "I'm for Barack" und einige eher unbeholfen wirkende, handgefertigte mit Aufschriften wie "Obama 08" oder "Time for Change" und zwei Bleistiftzeichnungen mit Obamas Konterfei.

Mike und Greg, zwei feste Mitarbeiter der Obama-Kampagne koordinieren dort die freiwilligen Helfer. Erstaunlich, wen man hier antrifft: ältere Frauen sind es zumeist, aber eben auch der ein oder andere Mann mittleren Alters. Alle Hautfarben sind vertreten, schwarz überwiegt naturgemäß in diesem District. Manche scheinen Dauergäste zu sein, andere sind das erste Mal dabei und kündigen aber begeistert ihre Rückkehr für den kommenden Tag an.

Unsere Aufgaben starten recht banal: wir müssen die Ergebnisse der Telefonlisten in die Datenbank eingeben. Abertausende von registrierten Wahlberechtigten gibt es in diesem Bezirk, sie alle werden angerufen. Von den Volunteers. Nach zwei Stunden "fill out the form" hat man Mitleid mit unseren Augen und traut uns mehr zu: Chiara soll ein Countdown-Plakat "87 Days till Change" malen, ich lade per Telefon Leute zur Eröffnung eines weiteren Büros am 15. August ein. Man gibt mir ein Skript, an dem ich mich inhaltlich orientieren kann, nervös bin ich aber dennoch, als ich zum ersten Mal keinen Anrufbeantworter am Ohr habe, sondern einen Menschen. Was, wenn tiefer gehende Fragen kommen, wenn mein Gegenüber eine politische Diskussion mit mir führen will, wie lang kann ich dem mit meinem geringen Wissen standhalten?

Wann lüfte ich das Geheimnis, dass ich ein Volunteer from Germany bin und wie wird die Reaktion darauf sein? Ich habe schließlich kaum Ahnung vor der lokalen Politik, von den Missständen vor Ort, von den Politikern in diesem Wahlkreis und deren Wohltaten oder Machenschaften. Nach den ersten Telefonaten atme ich entspannt auf: nur ein älterer Grantler hat mich angepflaumt, wo solle er denn dort sein Auto parken, das möge ich ihm doch bitte mal verraten. Er wird zurückgerufen werden, man nimmt diese Fragen ernst und versucht alles, um die Leute zur Teilnahme an der Wahl zu bewegen. Andere sagen gerne zu und bieten an, vorab bei der Dekoration zu helfen. Und manche machen sich die Mühe, einem genau die Gründe darzulegen. Stolz präsentieren wir zwei Stunden später die Ergebnisse unserer Arbeit, alle sind begeistert.

Und wir werden nun ein richtig cremiges Eis genießen, rich and creamy, wenn wir das Oder-Procedere überstehen, ohne vor all den Fragen nach den Extras zu kapitulieren.

Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm