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11. August 2008

Volunteers for Obama (3): Alterra, Coffee to enjoy

Catharina Wilhelm volontiert in Milwaukee/Wisconsin bei den Democrats im Obama-Wahlkampf. Heute: Die Alternative zu Starbucks heißt Alterra

Es fällt auf: im Gegensatz zu anderen Städten findet man Milwaukee mit seinen gut 600.000 Einwohnern nicht an jeder Straßenecke eine Starbucks-Filiale. Doch, natürlich, es gibt sie, auch in großen Märkten wie Target. Aber man erlebt Kunden in ihnen, die ein wenig hilflos anmuten: was bedeutet die Bechergröße "Venti", was ist ein Frappuccino und warum muss das alles so süß sein?

Viele kennen das nicht. Und sie wollen es auch nicht. Sie gehen nämlich seit Jahren zu einer der kleinen Röstereien, die es hier noch gibt. Oder eben wieder gibt. Weil die Bewohner ihre Liebe für die Aromen der unterschiedlichen Kaffeesorten entdeckt haben. Und weil diese eben nicht überall zugedeckt werden von Sirupsorten aller Art. Der Coffee-Held der Stadt heißt seit 1994 Alterra (www.alterracoffee.com.

 Und bis auf den Bull Frog (einen Minzsirup-haltigen Mokka) versteht man auf Anhieb, was man dort ordert und dann genießen kann. Geröstet wird zum Teil vor Ort. Die Coffeeshops sind immer in historischen Gebäuden untergebracht, Alterra hat es sich zum Ziel gemacht, die alten "Cream Brick Houses", also die für Milwaukee typischen aus cremefarbenen Ziegeln erbauten Häuser, zu erhalten. Die Karte mit der Getränkeauswahl ist mit per Hand auf die Tafeln geschrieben, dazu gibt es fotokopierte Handzettel, das wirkt so persönlich, wie es gemeint ist.

Unsere erste Alterra-Erfahrung machen wir unten am See, Lakeside genannt. See ist gut, der Lake Michigan wirkt auf uns wie ein Meer. Ein langer Sandstrand, einfach nur Wasser am Horizont. Da wird auch der Bodensee schnell zum nett gemeinten Baggersee.

Seit 2001 hat Alterra auch eine eigene Bäckerei gegründet und deren Produkte wollen wir zum Frühstück testen. Eine Apfelzimtrolle und Granola-Müsli mit Joghurt sind unser Begehr. Die Rolle ist köstlich: die Apfelstücke beleben den süßen Teig, der Zimt lässt uns trotz der tropischen Temperaturen bei hoher Luftfeuchtigkeit kurz an Weihnachten denken. Das Granola ist umwerfend crunchy und zugleich angenehm fruchtig mit seinen Cranberry-Stückchen. Die einzige Enttäuschung: der Naturjoghurt ist gesüßt. Wie alle Naturjoghurts hierzulande. Warum auch immer, als könne man nicht als Süßer-Naturjoghurt-Liebhaber seinem säuerlichen Basisprodukt einfach das Süßungsmittel zufügen. Ich denke darüber nach, eine "Free Joghurt"-Bewegung zu gründen. Nicht mal bei "Outpost", einer Organic Food-Supermarktkette gelingt es uns, das Objekt unserer Begierde zu entdecken. Die einzige Alternative: Naturjoghurt aus Ziegenmilch. Und das mag ja nun auch nicht jeder.

Chiara trinkt Chai-Tee, sehr würzig, sehr angenehm, nur leider zu intensiv gesüßt. Schade. Mein Cappuccino hingegen hat es wahrlich verdient, so genannt zu werden. Italienischer könnte er nicht sein, und da ist die gefühlte Italienerin in mir doch mehr als kritisch. Perfetto, Alterra! Wir kommen wieder. Gleich am nächsten Tag.

Und Tracey, unsere sehr aktiv veranlagte Gastgeberin, wird versuchen, uns zu einem Gespräch mit den Gründern zu vermitteln.

Coffee-Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm