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14. August 2008

Volunteers for Obama (6): Canvassing

Catharina Wilhelm berichtet über den Obama-Wahlkampf aus Milwaukee/Wisconsin. Heute: Klingeln für Obama

Ja, ich habe es getan. Obwohl, eigentlich war es auch nicht das erste Mal. Im zarten Alter von 13 oder 14 Jahren bin ich schon mal von Tür zu Tür gezogen und habe geklingelt. Damals habe ich mich an einer blechernen Büchse festgehalten und an einer Menge kleiner Plastikwäscheklammern mit der Aufschrift Caritas, für die ich als brave Klosterschülerin Münchens legendärem Promivorort Grünwald bebettelte (als Franz Beckenbauer und Heinz Rühmann noch dort wohnten). Mit recht unterschiedlichem Erfolg. Aber das ist eine andere Geschichte.

Diesmal ist alles anders. Keine Zäune vor den Gärten, keine Namensschilder an den Klingeln, zumeist muss man auch klopfen, um sich bemerkbar zu machen. An jeder Haustür haben wir ein kleines flaues Gefühl in der Magengrube, es könne ein Hund auf einen losgelassen werden, jemand könne versuchen, uns in eine ausführliche politische Debatte rund um lokal unrund gelaufene Themen verwickeln zu wollen und das natürlich versehen mit einer gewissen Erregung, die den ohnehin schwer verständlichen Dialekt zu einer Art Lippenlesen werden lassen könnte. Im schlimmsten Fall könnten wir ja sogar Bekanntschaft machen mit einer Smith Wesson oder einem ähnlichen Modell, Charlton Heston hatte viele Anhänger, wie man weiß. Kann ich das meinem 15jährigen Patenkind wirklich antun? Okay, we gotta get this experience!

Canvassing bedeutet nichts anderes als das Bemühen einer Partei, während des Wahlkampfs ihre treuen und möglichen Wähler zu identifizieren, um sie weiter kontinuierlich mit Informationen auf dem Laufenden zu halten und schließlich zum tatsächlichen Gang an die Wahlurne zu bewegen.

Also los: allen Mut und das Klemmbrett mit der Namensliste in die Hand genommen, die zu besuchenden Häuser wurden vorab bei einer ersten telefonischen Umfrage von den republikanischen Adressen ausgesiebt. Wenn tatsächlich jemand zuhause ist (schließlich sind auch hierzulande gerade Schulferien), holt man als nächstes die Bestätigung des Namens seines Gegenübers ein ("Are you Steven X, well, how is your day today?"), stellt sich artig als "Volunteer at the Barack Obama Campaign for Change" vor und dann dies Frage aller Fragen: "Wissen Sie schon, wen Sie wählen werden?".

Bei der gewünschten Antwort folgt zunächst große Begeisterungsbekundung und Dank und dann die Folgefrage, ob man sich denn auch vorstellen könne, als Volunteer selbst ein wenig Hand anzulegen: bei der Pflege der Datenbank oder als Helfer bei der Eröffnung eines neuen Büros. Sollte das Gegenüber noch gänzlich unentschlossen sein (und das sind nicht wenige, gerade die Mitdreißigerinnen zeigen sich zögerlich), überreichen wir einen Folder über Obama und zu seinem politischen Programm und laden ein, an der Eröffnung des neuen Büros am 15. August teilzunehmen.

Ist niemand zuhause, hinterlässt man den Folder und die Einladung, aber nicht im Briefkasten, denn das ist zumindest in Wauwatosa (einem Stadtteil Milwaukees, Wauwatosa heißt "Glühwürmchen" auf indianisch und in der Tat wimmelt es hier allabendlich nur so von ihnen) verboten. Der worst case: hinter der ein oder anderen Türe zeigt sich doch manch ein zumeist recht unfreundlicher republikanischer Kopf und lässt uns deutlich wissen, dass er uns in die Abteilung "ahnungsloses und ignorantes Gesindel" einordnet.

Alle Ergebnisse werden feinsäuberlich eingetragen in Listen und dem Büro wieder übergeben. Damit dieses dann den nächsten Schritt veranlassen kann.

Der folgt allerdings frühestens nächste Woche. Am kommenden Wochenende findet nämlich die Tagung der Democrats in Denver statt und bis dahin fragen sich nun alle, wer dann wohl zum möglichen Vize ernannt werden wird. Am liebsten sähe man hier wohl den Senator Joe Biden aus Iowa. Kennt den schon jemand von Ihnen? Ich nicht. Mal sehen.

Habe ich schon erwähnt, dass der Name "Barack" in Deutschland immer wieder falsch ausgesprochen wird? Es heißt nämlich keineswegs Bärräck, sondern vielmehr Barahk. Wir wiederholen: Barahk. Gut so, vielen Dank!

Ach ja, noch eine kleine kulinarisch-politische Randbemerkung: Pommes frites wurden ja seit langen Jahren hierzulande French Fries genannt. Als Frankreich sich weigerte, den Irakkrieg zu unterstützen, schlug Amerika zurück, einen so renitenten Bündnispartner muss man ja wohl nicht weiter in Sachen Food-PR unterstützen. Folglich beschloss man, die French Fries umzubenennen in Freedom Fries.

Noch Fragen? Eine Bitte also an alle mitlesenden Kochbuchautoren und Foodjournalisten: ab heute heißt es also auch "Creme freedomaise" statt Creme bavaroise und wir sprechen auch nicht mehr von Florentinern, sondern von Freedominern oder lassen wir es. Ändert sich ja vielleicht ohnehin wieder, ab November.

Freiheitsliebende Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm