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17. August 2008

Volunteers for Obama (9): Veterans

Catharina Wilhelm berichtet über den Obama-Wahlkampf aus Milwaukee/Wisconsin. Heute: Lincolns Vision der "Soldier Homes"

Abraham Lincoln hatte ein besonderes Auge auf seine Truppen und insbesondere auch auf die Rückkehrer aus den Kriegsgebieten des "Civil War". Dass die körperlich Versehrten besonderer Pflege bedurften, lag auf der Hand, Lincoln hatte aber auch ein Herz für diejenigen, die mental mit dem im Feld erlebten Ereignissen und Eindrücken nicht klar kamen. So entschied er am 3. März 1865, dass alle, die nicht unmittelbar nach Hause zurück kehren konnten, Stätten als vorübergehende Heimat zur Wiedereingliederung und Erholung finden sollten und ließ einige "Soldier Homes" errichten, die bis zu 300.000 potentiellen Veteranen Platz bieten sollten. 1873 wurden sie umbenannt in "National Home for Disabled Volunteer Soldiers", 1930 in "Veterans Administration (VA)".

Die Areale lagen etwas außerhalb der Städte und waren weitläufig, so dass neben einer exzellenten medizinischen Versorgung auch ausreichend Raum für Spaziergänge und sportliche Betätigung an der frischen Luft gegeben war, ein kleiner See mit Schwänen, kurzum: eine parkähnliche Landschaft. Zudem gab es ein kulturelles Zentrum für die Unterhaltung am Abend, ein Casino mit gesunder Kost und selbstverständlich alle weiteren administrativen Einrichtungen, die man auch in einem Krankenhauskomplex vorfinden würde. So auch ab 1867 in Milwaukee, wo heute noch zwei Originalgebäude aus der Zeit zu sehen sind sowie bis 1921 weiter hinzugekommene Häuser. 1933 wurde schließlich in unmittelbarer Nachbarschaft auch das Krankenhaus errichtet. Vor einigen Jahren wurden nun die Einrichtungen stillgelegt, da der Staat nicht mehr bereit war, die finanziellen Ressourcen aufzubringen.

Nun hat sich eine Gruppe privater Investoren zusammen gefunden, die die zum Teil baufälligen Gebäude restaurieren will, als erstes Projekt wurde die hübsche weiße Kapelle in Angriff genommen, da sie wiederum als beliebter Ort für Hochzeiten und Taufen weitere Spendengelder einspielen könnte. Die Relevanz für die VAs wäre nach wie vor gegeben: die Zahl der im Irak stationierten Soldaten, die Suizid begangen, liegt höher als die der Zahl der dort im Einsatz Gefallenen. Und ungefähr 35 bis 40 Prozent aller Veteranen sind obdachlos und finden weder Beschäftigung noch Wohnung, da sie die psychischen Eindrücke und körperlichen Verletzungen aus ihren Einsatzzeiten in Vietnam, Korea, Kuwait, Afghanistan oder im Irak nie wirklich verarbeiten und bewältigen konnten.

Direkt neben dem VA-Areal in Milwaukee liegt der Friedhof der Veteranen, natürlich ist er deutlich kleiner als der berühmte in Arlington, aber dennoch hält man auch hier den Atem an, wenn man die Anzahl der in Reih und Glied stehenden marmornen weißen Grabsteine sieht.

Präsident Lincoln selbst verlebte bis zu seinem Tod mit seiner Familie die Sommermonate auf dem Gelände des Soldier Homes in Washington, DC.

Grüße aus Milwaukee

Catharina Wilhelm