11. Mai 2009

Vom Teetrinken zum Tee-Sommelier

Tee und Beruf: Jobs mit Leidenschaft in der Teebranche

Wer sein Geld mit Tee verdienen möchte, braucht zweierlei: eine kaufmännische Ausbildung und eine Leidenschaft für Tee. Viele machen sich mit Teefachgeschäften selbstständig, andere arbeiten in großen Teehäusern. Eher exotische Berufe sind die des Tea-Tasters und des Tee-Sommeliers.    

Astrid Siegmann hatte 13 Jahre lang mit einer Freundin drei Teegeschäfte geführt. Dann nahm sie ein Jobangebot als Fachhandelsberaterin des Teehauses Ronnefeldt in Frankfurt/Main an. Seitdem ist sie für etwa 130 Teefachgeschäfte in der Mitte Deutschlands zuständig. 50.000 Kilometer fährt sie pro Jahr, einen Tag in der Woche arbeitet sie in ihrem Büro zu Hause. «Ich bin für die Teegeschäfte so etwas wie eine kleine Unternehmensberatung», fasst sie ihre Aufgabe zusammen.    

Sie berät die Geschäftsinhaber zum Beispiel bei der Präsentation der Tees, bespricht Werbemöglichkeiten und bringt die neuesten Tee-Kreationen mit. Die Meinungen der Teeverkäufer darüber sind wichtig - das Feedback reicht Siegmann an ihren Arbeitgeber weiter. «Mein Vorteil ist, dass ich als ehemalige Inhaberin eines Teegeschäfts die Probleme der Kunden sehr gut kenne», erzählt die gelernte Industriekauffrau. Ein Problem sei, dass Tee in Deutschland vorwiegend in der kalten Jahreszeit getrunken wird. Viele der rund 2800 Geschäfte retten sich über den Sommer, indem sie auch Geschenkartikel oder Schokolade anbieten.    

«Insgesamt ist der Teeverbrauch in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht gestiegen», sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Teeverbands in Hamburg, Monika Beutgen. Rund 53 Liter Kräuter- und Früchtetee trinkt der Deutsche im Schnitt jährlich. Hinzu kommen gut 25 Liter Grün- und Schwarztee. Diesen Schnitt treiben die Ostfriesen nach oben - sie trinken mehr als zehnmal so viel Tee wie die übrigen Bundesbürger. Kräuter- und Früchte-Tees sind in Deutschland beliebt. Beim «echten» Tee, der von der Teepflanze gewonnen wird, bevorzugen die Deutschen den schwarzen.    

Zu den begeisterten Tee-Trinkern gehört Lars Völsch aus Worpswede in Niedersachsen. 120 bis 150 Tassen des Getränks gießt er jeden Tag auf, probiert es und spuckt es wieder aus. Er ist einer von bundesweit etwa 30 Tea-Tastern und entscheidet mit, welche neuen Teesorten in die Regale der Händler wandern. In seinem Job ist Völsch viel unterwegs. So fliegt er regelmäßig nach Indien, um dort Tee zu probieren. Dazu nimmt er Wasser aus Deutschland mit. «Mit Wasser aus Indien würde der Tee ganz anders schmecken», sagt der Kenner.    

Völsch machte wie die meisten seiner Kollegen eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann, allerdings in der Obst- und Gemüsebranche. Er wechselte in den Vertrieb eines Tee-Unternehmens und entwickelte sich dort zum Tee-Fachmann. Das ist 19 Jahre her, seitdem hat er unzählige Teesorten probiert. Auf seinem Schreibtisch steht jeden Tag eine Kanne Tee für ihn selbst, am liebsten trinkt er Oolong.    

Während er und seine Kollegen hauptberuflich ihr Geld verdienen, sieht das bei den Tee-Sommeliers anders aus. Seit 2007 bietet die TeeGschwendner-Akademie in Meckenheim bei Bonn zusammen mit der Industrie- und Handelskammer diese Qualifizierung an. «Teilnehmen können alle, die Spaß am Tee haben», erzählt Christiane Mandt von der Marketingabteilung des Teehauses TeeGschwendner. Das nächste Seminar beginnt jetzt im Mai. Bis einschließlich August verbringen die Teilnehmer jeden Monat drei Tage in der Akademie. Dort lernen sie unter anderem den Tea-Taster-Jargon, die Kunst des Tee-Mischens und die richtige Präsentation bei Vorträgen.    

Die Aufgabe der Tee-Sommeliers ist es, ihr Wissen weiterzugeben, zum Beispiel bei Volkshochschulen oder Informationsveranstaltungen. Bislang gibt es etwa 30 Tee-Sommeliers. «Wir kamen auf die Idee, weil unser Tea-Taster gar nicht so viele Vorträge halten kann, wie es Einladungen gibt», sagt Mandt. Die Teilnehmer an dem fast 1000 Euro teuren Seminar kommen aus ganz Deutschland.    

Gut mit Tee kennt sich auch Maru Winnacker aus Berlin aus, die Gründerin von «Seasons Tea». Sie bietet sehr hochpreisige Teesorten an, der teuerste kostet pro 25 Gramm fast 15 Euro. Der Verkauf der Luxus-Tees läuft gut, das Risiko hat sich für die 29-Jährige gelohnt. Vor drei Jahren hatte sie ihren gut bezahlten Job als «Regional Key Account Manager» bei einem internationalen Konzern gekündigt, um Tee zu verkaufen. Ein Freund hatte sie auf die Idee gebracht.

Die Anfänge waren bescheiden. Mit ihrem kleinen Auto fuhr sie zu den Feinkosthändlern in ganz Deutschland und bot ihre Tees mit klangvollen Namen wie Jasmine Silver Tips oder China Rose Tea an. Das sprach sich schnell herum, bald mussten wegen Platzmangels sogar in ihrer Wohnung die Pakete gestapelt werden. Maru Winnacker hat Erfolg in der Nische: «In Deutschland gibt es zwar viele Tees», sagt sie. Die Konkurrenz bei den luxuriösen Tees hält sich aber in Grenzen. (Sabine Maurer/dpa)