01. Januar 2008

Von der Schwierigkeit, im Ausland kulinarische Traditionen zu pflegen

Ich weiß nicht, was Sie am Silvesterabend gegessen haben, in meiner Familie hat Karpfen Tradition und deshalb habe ich für den Silvesterabend meine New Yorker Freunde zu Karpfen eingeladen ...

“Carp? Can you eat that?” war die erstaunte Reaktion. Bekannt waren sie ihnen nur als kleine Zierfische aus dem Aquarium, aber auf dem Teller?

“Eine Delikatesse!” antwortete ich. “Wartet es mal ab!”

Vielleicht hätte ich mich ein bisschen umhören sollen, bevor ich solche Versprechungen machte, denn in der großen Fischabteilung von Whole Foods, einer Kette von hervorragenden Bio-Supermärkten, schüttelte der Verkäufer nur naserümpfend den Kopf: “Sorry, we don’t sell carp. Next in line please… “.

Ich telefonierte mit zwölf oder dreizehn Delikatessengeschäften – nichts zu machen – Karpfen wurde nirgendwo verkauft. Früher hätte ich mich wahrscheinlich gleich auf den Weg nach Yorkville in der Upper East Side gemacht. Dort in 86th Street gab es neben vielen kleinen Läden mit europäischen Waren, das Bremen House, wo man deutsche Lebensmittel von Pfanni Knödeln und Hertawurst bis zu frisch gebackenem deutschen Sauerteigbrot in Wagenradgröße kaufen konnte.

Aber das gibt es leider nicht mehr, heute ist dieses Viertel, das seit Anfang des 20. Jh. von Emigranten geprägt wurde, eine gefragte Wohngegend, die ihren “Alte Welt Charme” längst verloren hat.

Als ich gerade verzagt erkennen musste, dass es in New York eben doch nicht alles gibt, was es gibt, erzählte mir meine Putzfrau Selena aus Polen, dass ihr Mann in diesem wie in den vergangenen zwölf Jahren den Silvesterkarpfen zubereiten würde.

Karpfen? Wo habt ihr denn Karpfen her?”

“Den kaufen wir im polnischen Fischgeschäft in Bayonne!”

Also doch! Amerika ist immer noch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Auch wenn ich eine Stunde hin und eine Stunde zurück fahren musste. Ich habe ihn nach einem besonders feinen Rezept, dass mir mein Freund Otto Koch mal verraten hat, zubereitet.

Man sollte eben nicht zu früh aufgeben – manchmal kommen die Lösungen ganz von selbst auf einen zu.

In diesem Sinne ein gutes neues Jahr!

Gabi

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