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14. Januar 2008

Was macht der Winzer?

In den Weinbergen wurde es in den letzten Tagen wieder lebendig. Die Winterruhe für die Winzer ist vorbei. Jetzt ist die ideale Zeit die Reben zu schneiden, denn die größten Fröste sind vorüber ...

In allen Anbaugebieten nutzen die Winzer die sogenannte 'Saftruhe' um ihre Weinstöcke zu stutzen. Durch die Einlagerung von Mineralstoffen in die Zellen schaffen es die Reben Temperaturen bis zu minus 20 Grad problemlos zu überstehen.

Wie die Reben geschnitten werden, hängt von der sogenannten Erziehungsart ab. Hier unterscheiden wir in Deutschland im Wesentlichen zwischen der Drahtrahmen- und der Einzelpfahl-Erziehung. Letztere ist vorwiegend an Mosel, Saar und Ruwer anzutreffen. Das Prinzip des Rebschnitts ist jedoch immer das gleiche. Die Reben werden bis auf ein oder zwei Triebe bzw. Ruten, wie es im Fachjargon heißt, zurückgeschnitten.

Hier wählt der Winzer gesunde, möglichst nah am Stamm befindliche Ruten aus die im Vorjahr gewachsen sind. Man muss wissen, dass nur die einjährigen Triebe fruchtbar sind und Trauben tragen! Je nach Erziehungsart differiert dann der Stockaufbau und die Ruten werden dementsprechend unterschiedlich lang gelassen, damit sie im Frühjahr angebunden werden können.

Der Rebschnitt ist die wichtigste Arbeit im Jahr, um die Menge und auch die Qualität der Trauben zu beeinflussen, die im Herbst geerntet werden. Denn je länger die Ruten sind bzw. je mehr von ihnen stehen gelassen werden, desto mehr Trauben produziert der Rebstock und desto höher wird der Ertrag. Da es eine gewisse Menge-Güte-Relation gibt, die besagt, dass die Reben bei hohen Erträgen, je nach Rebsorte, geringere Qualitäten hervorbringt, gilt es durch den Rebschnitt die optimale Erntemenge zu bestimmen.

Der Winzer kann sich dabei an der Richtgröße 'Augen pro m²' orientieren, die u.a. von den staatlichen Beratungsstellen empfohlen werden. Dahinter verbirgt sich die Anzahl der Knospen einer Rute und der Standraum in Quadratmetern, der einem Rebstock zur Verfügung steht. Beim Riesling und den Burgundersorten zum Beispiel empfehlen die Fachleute eine Rute mit ca. sechs Augen pro Quadratmeter anzuschneiden. Dementsprechend sorgfältig muss der Rebschnitt durchgeführt werden. Jeden einzelnen Stock, und davon gibt es etwa 5.000 pro Hektar, muss der Winzer bei stellenweise frostigen Temperaturen individuell in Handarbeit mit Schere und Holzsäge zurückschneiden. Auch wenn es neben den herkömmlichen Rebscheren mittlerweile pneumatische und elektrische Scheren gibt, dauert es dennoch etwa 70-100 Stunden um ein Hektar Reben zu schneiden. Dies entspricht ca. 25-30 % der gesamten Arbeitszeit im Weinberg.

Aus arbeitsökonomischen Gründen gehen jedoch mittlerweile viele Betriebe dazu über, dass eine Fachkraft die Reben lediglich vorschneidet und die Ruten, die später angebunden werden, auswählt und einkürzt. Ende Februar können dann Aushilfskräfte den Abschnitt aus dem Drahtrahmen entfernen. Diese überschüssigen Ruten werden anschließend klein gehächselt und bilden so eine wertvolle natürliche Nährstoffquelle für die Reben. (DWI)

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