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03. August 2009

Wasserverbrauch und Wassersparen

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht auch Nachteile im Wassersparen, der BUND hält Wassersparen für richtig

Wer traut sich noch, beim Zähneputzen das Wasser laufen zu lassen oder täglich ausgiebig zu baden? Steigende Wasserkosten sind für manchen Verbraucher die eine Sache. Mittlerweile ist Wassersparen für viele Deutsche aber auch aus Gründen des Umweltschutzes selbstverständlich. Der seit Jahren sinkende Wasserverbrauch hat allerdings auch Kritiker.    

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin vertritt die Ansicht, dass ein weiter sinkender Verbrauch mehr Probleme als Nutzen schafft: Das Abwasser fließe schlechter ab, die Kanäle würden verrotten. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Berlin dagegen hält Wassersparen für richtig.    

«Wir haben in Deutschland zwar derzeit kein Wasserproblem», räumt der Naturschützer Rüdiger Rosenthal ein. «Aber wir haben auch nicht das Geld, um das Abwassersystem umfassend zu sanieren.» Der schonende Umgang mit Wasser bleibe daher richtig. Denn je weniger der Mensch in den Naturhaushalt eingreife, desto besser sei es für die Umwelt. Außerdem spreche der in Deutschland zu erwartende Klimawandel gegen einen bedenkenlosen Wasserverbrauch.

Dieses Argument unterstützt eine neue Studie zum «Wasser- Fußabdruck» durch den World Wildlife Fund (WWF): Die Kennzahl berücksichtigt nicht nur den individuellen Verbrauch, sondern auch das bei der Lebensmittelherstellung und in Industriegütern enthaltene «virtuelle Wasser», teilt die Umweltstiftung mit Deutschlandsitz in Frankfurt/Main mit. Im Ergebnis kommt jeder Deutsche demnach auf einen täglichen Wasser-Abdruck von 5288 Liter - das entspricht etwa 25 Badewannenfüllungen. Der WWF mahnt daher Umstellungen in den Produktionsprozessen an. Neben den Privathaushalten hätten Industrie und der Agrarsektor den größten Anteil an der Summe.

Der direkte individuelle Wasserverbrauch sei dagegen rückläufig. Nach Angaben des BDEW sank der durchschnittliche Verbrauch pro Einwohner in Deutschland zwischen 1990 und 2005 um rund 15 Prozent. Während die Einwohner von Barcelona täglich mehr als 400 Liter pro Kopf verbrauchten, lag der Verbrauch der Deutschen im Jahr 2008 bei 123 Litern, erläutert Verbandssprecher Jan Ulland. Der Durchschnittswert der EU-Mitgliedstaaten liege bei mehr als 200 Litern.

«Mit dem geringen Verbrauch haben viele Wasserbetriebe mittlerweile handfeste Probleme», bestätigt auch Bodo Weigert vom Kompetenzzentrum Wasser in Berlin, einem internationalen Zentrum für Wasserforschung. Die kilometerlangen Rohrsysteme der Kanalisation würden nicht mehr hinreichend durchspült. Es fließe zu wenig Wasser und zu langsam. Daher kämpften die Wasserversorger in vielen Regionen Deutschlands bereits mit maroden Rohren und Abwasserkanälen. Üblen Gerüchen und Ablagerungen versuchten die Wasserbetriebe mit zusätzlichen Spülungen gegenzusteuern. Immer mehr Rohre müssten immer früher ersetzt werden. Das führe zu höheren Kosten, die an die Verbraucher weitergegeben werden müssten.

Dennoch ist der Trend zum Wassersparen in den Köpfen der Verbraucher schon seit Jahren verankert. Und dementsprechend stellen die Sanitärhersteller ihr Angebot darauf ein. Jens Wischmann von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS) in Bonn bestätigt, dass die Verbraucher Geld sparen wollen und deshalb sparsame Geräte weiter verbessert werden. Großes Sparpotenzial liege nach wie vor im Bad. Für die Körperhygiene wird am meisten Wasser verbraucht: Bei einem Mal Baden fließen nach Angaben des VDS durchschnittlich 120 Liter Wasser, bei einer Dusche zwischen 40 und 60 Liter. Für Essen und Trinken ist der Wert niedriger: Täglich verbraucht jeder Deutsche dafür nur 5 Liter. (Stephanie Hoenig/dpa)