Wein
01. Mai 2009

Wein aus Sachsen und Saale-Unstrut: Der Jahrgang 2008

Die 74 besten Weine der Jungweinprobe 2009 der Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut, verkostet von Norbert Pobbig (Herausgeber Berliner Weinführer)

Auf der diesjährigen gemeinsamen Jungweinprobe der Anbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut am 17. April 2009 standen in Weinböhla 180 Weine und Sekt zur Verkostung. Norbert Pobbig, Herausgeber des Berliner Weinführers, hat 148 Proben degustiert und für die Wein & Gourmetwelten 74 gute und sehr gute Weine beschrieben.

Aufgrund des frühen Entwicklungsstadiums der Weine hat der Autor auf die Vergabe von Punkten verzichtet und sich auf die Weinbeurteilung konzentriert. Der Berliner Weinführer beschäftigt sich seit Jahren intensiv mit den beiden Anbaugebieten und hat eine besondere Kompetenz für Weine und Weingüter aus Sachsen und Saale-Unstrut entwickelt. (Zum Berliner Weinführer online).

Die Weißweine:

1: 2008er Gutedel, Dorndorfer Rappental, QbA trocken, Gleinaer Weingut Böhme: Gutedel in seiner besten Form. Toll die Balance von Kraft und Leichtigkeit. Feinfruchtig, ausgewogen, mittellang.

2: 2008er Gutedel, Kaatschener Dachsberg, QbA, trocken, Thüringer Weingut Zahn: Ein kraftvoller Gutedel, ausgewogen im Süße-Säure-Verhältnis, einige Substanz.

3. 2008er Elbling, Schloss Proschwitz, QbA, trocken: Ein Unikat, Elbling von der Elbe! Dezente Frucht im Bukett, frisch im Auftakt, Säure und Restzucker sind gut aufeinander abgestimmt. Ein guter Tischwein.

4: 2008er Goldriesling, Sachsen, QbA, trocken, Weinbau Steffen Loose: Ein guter Vertreter dieser sächsischen autochthonen Sorte. Sehr angenehm leichter und süffiger Wein mit fruchtigem Bukett. Geschacklich trocken. Die feine Säure sorgt für Frische.

5: 2008er Goldriesling, Sachsen, QbA, trocken, Schloss Wackerbarth, Radebeul: Sein feinfruchtiges Bukett gefällt gut. Ein leichter spritziger Wein, ideal für die Terrasse oder als Aperitif.

6: 2008er Goldriesling, Radebeul, QbA, trocken, Weingut DREI HERREN: Dieser Goldriesling überzeugt mit einem expressiven Bukett. Er ist geschmacklich ausgewogen, hat praktisch keinen Restzucker und überzeugt sensorisch jedoch durch eine feine Fruchtsüße und gute Länge.

7: 2008er Silvaner, Naumburger Sonneck, QbA, trocken, Winzerhof Gussek: Ein frischer angenehmer Wein mit leicht grasigen Noten. Er ist mittellang und offenbart im nuancenreichen Abgang sein Entwicklungspotential. Kann aber auch schon in der beginnenden Spargelsaison auf den Tisch.

8: 2008 Müller-Thurgau, Sachsen, QbA, trocken, Schloss Wackerbarth: Ein Wein für (fast) alle Generationen. Er ist rund und ausgewogen, leicht, süffig und gefällig. Frucht, Süße und Säure sind zwar auf mainstream balanciert, aber das sehr gekonnt.

9: 2008er Müller-Thurgau, Meißner Spaargebirge, QbA, trocken, Weingut Vincenz Richter: Der Wein ist nicht nur sehr jung, er präsentierte sich auch so. Dennoch sind unter dem hefigen Schleier gute Anlagen erkennbar. Der Müller hat Körper und Struktur bis in den mittellangen Abgang. Gern ab Juli wieder.

10: 2008 Müller-Thurgau, Schloss Proschwitz, QbA, trocken, Weingut Schloss Proschwitz: Einem animierenden Bukett folgt ein frisch fruchtiger Auftakt im Mund. Feine Süße und frische Säure harmonieren bis in den mittellangen Abgang.

11. 2008er Müller-Thurgau, Werderaner Wachtelberg, QbA, halbtrocken, Weinbau Dr. Lindicke: Der halbtrockene Müller vom Werderaner Wachtelberg ist seit einigen Jahren zuverlässig. Ein angenehm leichter süffiger Wein, dessen etwas höherer Restzucker in gutem Verhältnis zur frischen Säure steht.

12: 2008er Müller-Thurgau, Freyburger Mühlberg, QbA, trocken, Gleinaer Weingut Böhme: Ein sortentypischer Müller mit fruchtigem, leicht muskatwürzigem Bukett, mundauskleidend im Antrunk und absolut stimmig bis in den mittellangen Abgang.

13: 2008er Müller-Thurgau, Sächsischer Landwein, trocken, Weinbau Frédéric Fourré: Dieser Müller fällt aus der Reihe. Zur Frucht kommen rauchige Noten wie von Schinken und Speck.Er ist mit 0,1 g/l Restzucker sehr trocken, aber dank reifem Traubenmaterials verfügt er über einige Substanz, die ihn zu einem guten Speisenbegleiter macht.

14: 2008er Müller-Thurgau, Naumburger Steinmeister, QbA, trocken, Weingut Herzer: Eine gute Referenz für einen frischen Müller. Der Wein präsentiert sich würzig-fruchtig im Bukett und am Gaumen. Er hat eine ausgewogene Süße-Säure-Balance.

15: 2008er Müller-Thurgau, Saale-Unstrut, QbA, trocken, Winzervereinigung Freyburg eG: Ein guter Wein für breite Konsumentenschichten. Stimmig, süffig, mag ich. Kann unkompliziert auf den Tisch.

16: 2008 Weißburgunder, Radebeuler Johannisberg, QbA, trocken, Weingut Hoflössnitz: Ein leichter Sommerwein mit dezentem Bukett und gutem Süße-Säure-Verhältnis. Appetitanregend und nach "mehr" schmeckend, leider aber (noch) etwas kurz.

17: 2008er Weißburgunder, Burgscheidunger Veitsgrube, QbA, trocken, Weingut Klaus Böhme: Ein junger Wein mit guten Anlagen. Er ist geprägt von Apfelduft und Zitrusnote im Geschmack sowie einem süßen Schwänzchen im mittellangen Nachhall. Dürfte sich noch gut entwickeln.

18: 2008er Weißburgunder, Freyburger Edelacker, Spätlese, trocken, Weingut Thürkind: Ein erfreulich alkoholarmer Weißburgunder, der trotzdem geschmacklich nichts vermissen lässt. Er hat eine apflige Frucht, ist gut balanciert und hält die kraftvolle Struktur bis in den recht langen Abgang. Dieser Wein wird sich weiter gut entwickeln.

19: 2008er Weißburgunder, Dorndorfer Rappental, Prädikatswein, Spätlese, trocken Weingut Klaus Böhme: Einer der Favoriten dieser Jungweinprobe und ein Kandidat für 16+/20 Punkten. Er hat ein animierendes Bukett nach Apfel, Aprikose und einem Tick Limette sowie dem charmanten Unterton frischer Hefe. Er ist sehr fein strukturiert, frisch, fruchtig, wunderbar lang und dezent nachklingend.

20: 2008er Weißburgunder, Gröster Steinberg, QbA, Weingut Thürkind: Wer Weißburgunder auch halbtrocken mag, liegt hier richtig. Die Säure hält den Wein frisch. Geschmacklich ist er ausgewogen und angenehm bis in den mittellangen Abgang.

21. 2008er Weißer Burgunder, Naumburger Steinmeister, Kabinett, trocken Weingut Herzer: Ein guter Weißburgunder Kabinett, der frische Saftigkeit, animierende Säure und feine Würzkomponenten miteinander verbindet. Ein Highlight der Jungweinprobe.

22. 2008er Weißburgunder "Edition", Großjenaer Blütengrund, Spätlese, trocken, Naumburger Wein und Sekt Manufaktur: Er zeigt sich enorm fruchtig schon im Bukett und hält diesen Eindruck vom Geschmacksauftakt bis in den Nachhall. Wie stabil zeigt sich der schon jetzt sehr offene und trinkanimierende Wein in einem halben Jahr?

23: 2008er Weißburgunder, Radebeul, QbA, Weingut Drei Herren: Spät- bzw. Auslesequalität im QbA-Mantel. Saftig-süße Ausgewogenheit. Der kräftige, substanzreiche Körper verspricht gutes Entwicklungspotential.

24: 2008er Weißburgunder, Saale-Unstrut, QbA, trocken, Winzervereinigung Freyburg eG: Dieser Weißburgunder ist ein Teil der insgesamt überzeugenden Kollektion der Winzervereinigung. Er ist dezent fruchtig, kräftig, körperreich, ausgewogen und sollte sich weiter gut entwickeln.

25: 2008er Weißburgunder, Freyburger Schweigenberg, Spätlese, trocken, Gleinaer Weingut Böhme: In seiner Jugendlichkeit zeigt der Wein Anlagen für eine hoffnungsvolle Karriere. Mit Luft öffnet sich die Furcht wie eine Blüte in der Morgensonne. Süße und Säure sind nahezu perfekt balanciert, absolut stimmig bis in den mittellangen Abgang.

26. 2008er Weisser Burgunder, Saale-Unstrut, QbA, trocken, Landesweingut Kloster Pforta: Mit diesem frischen Wein zeigt das Landesweingut, dass es keines Süßepolsters bedarf, um einen Weißburgunder viel Geschmack und Ausgewogenheit mitzugeben. Gute Spät- bzw. Auslesequalität mit Potential.

27: 2008er Weißburgunder, Kloster Heilig, Kreuz Meissen, Spätlese, trocken Weingut Schloss Proschwitz: Mit diesem kräftigen, gut proportionierten Weißburgunder gibt Prinz zur Lippe einen ersten Fingerzeig auf das Potential der neuen Lage auf der anderen Elbseite, die jetzt in Ertrag kommt. Noch zeigt der Wein einige interessante Unebenheiten, doch nach der Pubertät wird er eine gute Referenz für Weißburgunder aus Sachsen abgeben.

28: 2008 Weissburgunder, Schloss Proschwitz, Spätlese, trocken: Einer der Spitzenweine der Jungweinprobe von Weinböhla und sicher auch ein Kandidat für 16+/20. Mit 93 Grad Oechsle geerntet, bringt er es auf 12,5 Vol. % Alkohol. Eine feine Restsüße puffert die hohe Säure ab, so dass ein sensorisch frischer, fruchtiger und ausgewogender Wein mit viel Substanz und Schmelz den Gaumen streichelt. Der Wein wird erst 2010 zeigen, was alles in ihm steckt.

29: 2008er Weißburgunder, Sachsen, QbA, trocken, Weingut Matyas: Ein ohne Zweifel guter Wein, in dem sich die frische Säure mit dem etwas höheren Restzucker zu einer harmonischen Einheit verbindet. Die Frucht hält bis in den Nachhall. Ein Spargelwein.

30: 2008er Weißburgunder, Karsdorfer Hohe Gräte, QbA, trocken, Weingut U. Lützkendorf: Dieser Wein von Uwe Lützkendorf steht mit an der Spitze einer großen Zahl guter und sehr guter Weißburgunder von Saale und Unstrut. Er zeigt die typischen Weißburgunderaromen nach Apfel und Aprikose, offenbart dazu auf der Zunge aber auch eine mineralische Ader. Er überzeugt durch Balance, Kraft und Länge ohne üppig oder fett zu wirken. Gutes Potential.

31: 2008er Weißburgunder, Naumburger Steinmeister, Spätlese, trocken, Weingut Hey: Nicht nur mit diesem Wein meldet sich das junge Naumburger Weingut ziemlich weit oben in der Qualitätsrangliste der Weingüter an Saale und Unstrut an. Der Wein zeigte sich noch etwas unruhig, doch lässt die kräftige und stimmige Struktur auf eine positive Entwicklung schließen. Eine dezete Frucht zum Auftakt und die leichte Bitternis im Abgang passen gut zueinander.

32: 2008er Weißburgunder, Radebeuler Goldener Wagen, QbA, trocken, Weingut Ulf Große: Der über Sachsen hinaus noch eher unbekannte Ulf Große spielt mit diesem Wein gemeinsam mit den namhaften Weingütern in einem Konzert. Sicher reicht's noch nicht zur ersten Geige, doch der körperreiche ausgewogene Weißburgunder verdient Aufmerksamkeit. Es gefällt die süße Frucht mit würziger Unterstützung bis in den mittellangen Abgang.

33: 2008er Weißburgunder, Saale-Unstrut, Spätlese, trocken, Weingut Frölich-Hake: Die angestellten Weine von Volker Frölich und Sandra Hake-Frölich sind konsequent durchgegoren, was sie im direkten Vergleich zu den Wettbewerbern zunächst weniger schmeichelnd und etwas spitz in der Säure erscheinen lässt. Doch ich setze auf ein wenig Zeit zur Harmonisierung. In drei, vier Monaten werden die sich andeutende Frucht von grünem Apfel und frischer Grapefruit deutlicher ausgeprägt sein und sich die Säurespitzen geglättet haben. Der Wein wird an Trinkfreude insbesonders zum Essen gewinnen.

34: 2008er Weißburgunder, Kaatschener Dachsberg, Spätlese, trocken, Winzerhof Gussek: Mit diesem Wein würde sich Saale-Unstrut in einer deutschen Weißburgunder-Meisterschaft nicht blamieren. Große Klasse, was André Gussek da angestellt hat. Der Wein ist fruchtig und schmelzig, kraftvoll und verspielt zugleich. Der Extraktreichtum zeigt sich schon durch die hohe Viskosität am Glasrand. Am Gaumen wird die weiche Frucht durch spürbare Mineralität ergänzt. Extrakte und frische Säure sorgen für ein harmonisches Miteinander bis in den langen Abgang. Die endgültige Qualitätsnote wird ziemlich sicher bei 16+/20 liegen.

35: 2008er Weißer Burgunder, Freyburger Edelacker, Beerenauslese, Weingut Pawis: Mit dem diesem edelsüßen Wein unterstrich Bernhard Pawis seine Ausnahmestellung im Anbaugebiet. Die Qualität der Beerenauslese war so herausragend, dass sie neben den Sekten als einziger Wein der freien Verkostung entzogen und in kleinsten Schlücken ausgeschenkt wurde. Ein feinfruchtiger, feingliedriger, ja trotz 98 g/l Restzucker noch immer eleganter Wein mit großem Nachhall. Ein toller Leistungsbeweis für das nördlichste deutsche Anbaugebiet, in dem 135 Grad Oechsle und mehr möglich sind.

36: 2008er Grauburgunder, Kloster Heilig Kreuz Meissen, Kabinett, trocken, Weingut Schloss Proschwitz: Ein finessenreiches Bukett mit dem Duft von Ananas, Birne und Limette, dazu noch ein Hauch frischer Hefe, findet seine Fortsetzung mit einem nuancenreichen Frucht-Säure-Spiel am Gaumen.

37: 2008er Grauburgunder, Sachsen, QbA, trocken, Weingut Drei Herren: Helles Kernobst und frische Säure dominieren zum Auftakt, recht ausgewogen dann am Gaumen, wärend im Abgang der Restzucker noch einen Tick zu dominant wirkt. Wird's die Zukunft richten?

38: 2008er Grauer Burgunder, Freyburger Edelacker, Spätlese Weingut Pawis: Ein kräftiger ausdrucksstarker Wein, der zur Qualitätsspitze der Jungweinprobe gehörte. Südfrüchte dominieren das Bukett. Am Gaumen kommen eine feine Mineralität und kräftiger, aber schon gut integrierter Alkohol dazu und geben so Struktur und Länge. Gutes Potential.

39: 2008er Grauer Burgunder, Kaatschener Dachsberg, Spätlese, trocken, Winzerhof Gussek: Wieder ein Wein von André Gussek, dessen Qualitäsbeurteilung einmal über der 16-Punkte-Grenze liegen wird. Er vereint Frucht, Kraft und Schmelz eines Grauburgunders in besonderer Weise. Vielschichtig und extraktreich hat er noch ein recht langes Weinleben vor sich.

40:2008er Grauburgunder, Schloss Proschwitz, Spätlese, trocken: Diesen Grauburgunder aus dem VDP-Weingut schon jetzt zur Spitze der Jungweinrprobe zu zählen, hieße die zu erwartende Entwicklung vorwegnehmen. Noch zeigt er sich etwas rüpelhaft zum Auftakt am Gaumen und klingt etwas eindimensional aus. Doch das große Volumen des Weins lässt viel Entwicklungsspielraum. Extrakt, Säure, Süße, Frucht und Alkohol sind genügend vorhanden, so dass ihm die nächsten Monate gut tun werden.

41: 2008er Grauburgunder, Naumburger Steinmeister, Spätlese, trocken, Weingut Frölich-Hake: Wieder so ein knochentrockener Wein von Frölich-Hake, auf den man sich erst einlassen muss, um sein Potential zu erfassen. Hat alle Anlagen für einen guten Grauburgunder, der seine Stärken auf dem Essenstisch entfaltet.

41: 2008er Grauer Burgunder, Naumburger Steinmeister, Auslese, edelsüß, Weingut Herzer: Ein guter, zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu beurteilender Wein. Die feine Säure verhindert ein Abgleiten ins Marmeladige. Doch die Süße dominiert auch am Gaumen und im langen Abgang frisch. Ein Schmeichler.

43: 2008er Bacchus, Saale-Unstrut, QbA, halbtrocken, Winzervereinigung Freyburg eG: Der beste der acht angestellten Bacchus kommt von der Winzervereinigung aus Freyburg. Ein charmanter frischer Wein mit viel Trinkspaß. Der höhere Restzucker steht ihm gut, verleiht ihm Geschmeidigkeit und Fülle, passt zum expressiven Bukett des Bacchus.

44: 2008er Riesling, Höhnstedter Kelterberg, Kabinett, trocken, Weingut Born: Ein guter Riesling-Kabinett-Typ. Schlank, mit feiner Säure und dezenter Restsüße, zeigt er sich feingliedrigig am Gaumen und frisch bis in den mittellangen Abgang.

45: 2008er Riesling, Meißner Kapitelberg, QbA, trocken, Weingut Vincenz Richter: Ein junger frischer Riesling, der noch etwas Zeit braucht, um Säure, Süße, Frucht und Alkohol ausgewogen zu balancieren. Alle Anlagen sprechen für einen richtig guten Wein.

46: 2008er Riesling, Schloss Proschwitz, Spätlese, trocken: Der Wein deutet sein Potential an. Er duftet nach Südfrüchten. Die kräftige Säure und die höhere Süße brauchen einander. Im Abgang zeigt er sich fordernd. Wird sich erst 2010 in Hochform präsentieren. 

47: 2008er Riesling, Freyburger Edelacker, Spätlese, Weingut Pawis: Ein körperreicher, extraktstarker Wein, der das Potential der 1. Lage "Freyburger Edelacker" andeutet. Das fruchtige Bukett verlockt, Süße und Säure spielen harmonisch am Gaumen, während der mineralische Nachhall für einen besonderen Kick sorgt. Sicher ein Highlight der Probe.

48: 2008er Riesling, Sächsischer Landwein, halbtrocken, Weingut Karl Friedrich Aust: Ein leichter, fruchtiger, absolut stimmiger Wein mit feiner Frucht und einem Tick salziger Mineralität.

49: 2008er Riesling, Naumburger Steinmeister, Kabinett, halbtrocken Weingut Hey: Ein Riesling mit Weißburgunder-Stilistik. Er wirkt cremig, schmelzig, sehr ausgewogen und dadurch kräftiger, als die 11,5 Vol. % Alkohol vermuten lassen. Ein sehr langer harmonischer Nachhall zeichnet ihn aus.

50: 2008er Riesling, Kaatschener Dachsberg, Spätlese, halbtrocken, Winzerhof Gussek: Ein richtiger Aha-Effekt. Auch aus dem Riesling-Flight ragt der Wein von André Gussek positiv heraus. Schon das strahlend fruchtige Bukett begeistert. Die Rebsortentypizität ist klar ausgeprägt. Süße und Säure sind nahezu perfekt balanciert, lang und harmonisch ist der Abgang. Dürfte sich weiter positiv entwickeln, gehört schon jetzt zur Spitze im Anbaugebiet.

51: 2008er Riesling, Schloss Proschwitz, Spätlese, lieblich: Das Pfirsich-Maracuja-Bukett ist wunderschön. Die deutlich spürbare Säure hält den Wein trotz hohen Restzuckers frisch und elegant. Der niedrige Alkohol erlaubt das zweite Glas, nach dem das fruchtige, ausdauernde und schmeichelnde Finale verlangt.

52. 2008er Traminer, Dorndorfer Rappental, Spätlese, halbtrocken, Weingut Klaus Böhme: Sehr gut! Das expressive florale Bukett des Traminers findet seine Entsprechung am Gaumen. Hier verbinden sich Frucht, Süße und dezente Säure zu einem harmonischen Gesamteindruck, bevor der Wein sich kraftvoll und elegant zugleich mit einem langen Finale verabschiedet.

53: 2008er Traminer, Karsdorfer Hohe Gräte, Auslese, trocken, Weingut U. Lützkendorf: Wein duftet sortentypisch nach Rosen und Litschi. Er bringt viel Kraft und Extrakt mit, ist cremig, mineralisch und hochkonzentriert am Gaumen und hat doch einen eleganten Abgang. Ein toller Wein.

54: 2008er Morio Muskat, Bereich Meißen, QbA, trocken, Sächs. Winzergenossenschaft Meißen: Dieser Wein wurde als Tipp unter den Verkostern der Jungweinprobe gehandelt. Zurecht wie ich meine, überzeugt er doch mit einem tollen rosenduftigen Bukett und mit feiner Frucht am Gaumen. Er ist bis in den langen Abgang hinein gut strukturiert.

55: 2008er Johanniter, Seußlitzer Heinrichsburg, Kabinett, trocken, Weingut Jan Ulrich: Ein leichter, zitrusfrischer Wein mit einer angenehmen dezenten Bitternis im Abgang. Ein guter Repräsentant dieser seltenen Rebsorte.

Rotweine

56. 2007er Portugieser, Freyburger Schweigenberg, QbA, trocken, Obst- u. Weingut Goldschmidt: Der Gegenentwurf zum Portugieser der Winzervereinigung. Hier wurde mit kleinem Holzfass gearbeitet. Die kräftigen, noch harten Tannine sind spürbar, während die Frucht noch im Hintergund bleibt. Die Zeit wird zeigen, wohin die Entwicklung geht.

57: 2008er Portugieser, Saale-Unstrut, QbA, trocken, Winzervereinigung Freyburg eG: Die dezente Sauerkirschfrucht im Bukett findet sich auch geschmacklich wieder, wobei am Gaumen schon recht mürbe Gerbstoffe dazu kommen. Die feine Fruchtsüße hält bis in den mittellangen Abgang. Ein gekonnt auf frühe Trinkreife erzogener Portugieser.

58: 2007er Dornfelder, Sachsen, QbA, trocken, Schloss Wackerbarth: Der Wein zeigt sich harmonisch fruchtig im Bukett und lässt glücklicherweise die gewohnte Aufdringlichkeit des Dorfelders vermissen. Am Gaumen überzeugt er mit angenehmer Fruchtsüße bei 0g Restzucher! Ein eleganter frischer Wein mit guter Länge.

59: 2007er Dunkelfelder, Meißner Klausenberg, QbA, trocken, Weingut Walter Schuh: In seinem wahren Potential schwer zu beurteilen. Der Dunkelfelder überzeugt mit einer herben Frucht im Bukett und zum Geschmacksauftakt. Im Abgang wirkt er (noch) tanninlastig und stumpf. Ich setze auf eine positive Entwicklung in den Jahren 2009/10.

60: 2007er Blauer Zweigelt, Naumburger Steinmeister, QbA, trocken Weingut Herzer: Die rebsortentypische Kirschfrucht wird von dezenten Schokotönen ergänzt. Der Wein ist frisch, fruchtig und nachhaltig.

61: 2007er Blauer Zweigelt, Kaatschener Dachsberg, QbA Barrique, trocken, Winzerhof Gussek: Ein kräftiger, vollständig durchgegorener Wein. Die ausgewogene Sauerkischfrucht verbindet sich am Gaumen mit der feinen Süße aus dem Alkohol. Einer der besten Rotweine der Probe.

62: 2007er Regent, Meißner Klausenberg, QbA, trocken, im Holzfass gereift Weingut Walter Schuh: Der Regent von Walter Schuh präsentiert sich offen, zugänglich und sehr gefällig. Er ist angenehm weich, hat feine Fruchttannine und eine gute Länge.

63: 2007er Spätburgunder, Sächsischer Landwein, trocken, Weingut Karl Friedrich Aust: Ein kraftvoller und zugleich wohl proportionierter Wein, der zu den besten der Probe gehörte. Feine Frucht und dezente Würze geben dem Wein ein chraktervolles Profil. Die Gerbstoffe aus den neuen Holz verleihen ihm zusätzlich Stabilität. Eine sehr gute Referenz für den Spätburgunder in Sachsen.

64: 2008er Blauer Spätburgunder, Kaatschener Dachsberg, Spätlese, Winzerhof Gussek: Eine dichte süße Fruchtwand prägt den ersten Eindruck. Doch dann packen die Tannine auch der Traube, verstärkt um die Gerbstoffe aus dem Barrique zu und zeigen, dass der Jungwein noch am Anfang seiner Entwicklung steht. Hier ist noch viel Positives zu erwarten.

65: 2008er André, Saale-Unstrut, QbA, trocken, Winzervereinigung Freyburg eG: Der André ist eine Spezialität der Winzervereinigung Freyburg und schon deshab eine Zeile wert. Die tschechische Rebsorte ist tiefdunkel, gerbstoffbetont und hat ein ausgeprägt fruchtiges Bukett. Am Gaumen ist er fruchtig und sensorisch süß, obwohl fast kein Restzucker vorhanden ist und auch der Alkohol maßvoll bleibt.

66: 2007er Cuvee Moritz, Schloss Proschwitz, QbA, trocken: Dieser Wein ist tüchtig adstringierend und zur Zeit schwer einzuschätzen. Doch Fruchtansätze, Tanninstruktur und frische Säure lassen auf eine positive Entwicklungsperspektive schließen.

Qualitätsperlwein b.A./ Sekt b.A.

67: 2007er Weisser Burgunder, Saale-Unstrut, Sekt b.A., brut, Landesweingut Kloster Pforta: Die Burgunderstilistik mit dem feinen Duft von Aprikosen und Birnen kommt bei diesem Jahrgangssekt von Kloster Pforta bestens zur Geltung. Er ist angenehm hefig, schön saftig und besitzt eine intensive Perlung. Eine gute Referenz für das Landesweingut.

68: 2006er Weißburgunder, Saale-Unstrut, Sekt b.A., extra trocken, Rotkäppchen Sektkellerei: Der Weißburgunder-Sekt von Rotkäppchen ist ausgewogen, leicht hefig und hat viel süßer Apfelfrucht. Er bedient einen breiten Publikumsgeschmack auf anständigem Qualitätsniveau.

69: 2007er Weißburgunder, Schloss Proschwitz, Sekt b.A., trocken: Ein kräftiger, nachhaltiger Sekt, der durch den höheren Alkohol noch süßer wirkt. Er ist inetsiv feinperlig, hat eine stabile Frucht und einen sehr langen Abgang.

70: 2007er Kerner, Saale-Unstrut, Sekt b.A., extra brut, Winzervereinigung Freyburg eG: Der Freyburger macht der Gruppe Schaumweine alle Ehre, und zwar mit ganz viel Mousseux. Im Bukett ist er ausgesprochen fruchtig, im Mund kommt eine herbe Note dazu und verleiht ihm Ernsthaftigkeit. Lang und nachhaltig verabschiedet er sich.

71: Loosecco, Qualitätsperlwein Riesling, trocken, Weinbau Steffen Loose: Leicht, locker, fruchtig sind die herausragenden Merkmale des sächsischen Seccos. Die Süße schmeichelt dem Gaumen, die Perlen beleben ihn. Sehr süffig, absolut gelungen.

72: 2007er Riesling, Schloss Proschwitz, Sekt b.A., trocken: Der Riesling-Sekt von Schloss Proschwitz zeigt uns feine Hefenoten, gepaart mit einer schönen Fruchtigkeit. Den Gaumen kitzelt er mit viel Perlage. Er wirkt süßer und kräftiger als er tatsächlich ist.

73: August der Starke, Sachsen, Sekt b.A., trocken, Schloss Wackerbarth: Ein charaktervoller, spritziger Sekt, dessen Duft an Litschi und reife Mirabellen mit roten Bäckchen erinnert. Im Mund kommen zartes Birnenaroma und feine Mineralität dazu. Der starke August ist von der Süße geküsst und hat eine eher milde Säure.

74: Gräfin Cosel, Sachsen, Rosé Sekt b.A., trocken, Schloss Wackerbarth: Eine flüssige Erdbeere. Die zartrosa Farbe ist animierend und der fruchtige Duft schmeichelnd. Am Gaumen erfüllt er die Erwartungen mit passender Süße. Ein Spaßwein für die Terrasse!