13. November 2010

Wein - der Jahrgang 2010 im VDP

Die Prädikatsweingüter sind mit der Qualität des mengenmäßig kleinen Jahrgangs 2010 sehr zufrieden

Die Prädikatsweingüter haben ihren 100. Geburtstags-Jahrgang erfolgreich in ihre Keller gebracht. "Es war ein herausfordernder, aufwändiger Jahrgang, der ob der Wetterkapriolen natürlich Spekulationen über dessen Güte von Beginn der Ernte an provozierte. Aber dass schwierige Jahre keine schlechten sein müssen und sich in solchen Jahren die Spreu vom Weizen trennt, gilt als Credo bei den Prädikatsweingütern," sagte VDP Präsident Steffen Christmann.

Nach Abschluss der Ernte gärt ein mengenmäßig extrem kleiner Jahrgang von durchweg solider Qualität in den Fässern: Insbesondere die spätreifenden Sorten, wie Riesling, Silvaner und die Burgunder profitierten von dem großartigen Herbstwetter, das alles zum Guten wendete. Sie blieben gesund, erreichten die Vollreife und nicht wenige edelüße Spitzenweine konnten in Toplagen geerntet werden.

Die äußerst geringe Menge lässt sich mit 30 - 50 % unter Normal beziffern, was bei den Prädikatsweingütern eine Erntemenge durchschnittlich um die 40 hl/ha bedeutet. "Die unerwartet hohen Mostgewichte haben uns für die großen Ernteeinbußen entschädigt" fasst Matthias Müller, Mittelrhein, die Meinung vieler VDP-Weingüter zusammen.

Ähnlich geringe Ernten liegen mehr als ein Vierteljahrhundert zurück (u.a. 1980 oder 1945). "Die große Herausforderung wird tatsächlich die kleine Menge sein, mit der nur unter Anstrengungen der Markt ausreichend beschickt werden kann", so Steffen Christmann Präsident der VDP Prädikatsweingüter.

Zur Vegetation 2010:

Der regional wechselhafte Vegetationsverlauf war einzigartig 2010. Schlechtwetterphasen zur Zeit der Rebblüte waren eine Ursache für die geringen Erntemengen und führten zu wenigen und dazu noch kleinbeerigen Trauben. In manchen Gebieten kam noch extremer Hagel dazu (Pfalz und Rheinhessen). Regen und Kälte in der zweiten Sommerhälfte sorgten dann für eine insgesamt langsame Entwicklung. Die resultierende extrem heterogene Reife innerhalb einer Parzelle, oftmals sogar innerhalb einer Traube, ließ reife und überreife Beeren direkt neben unreifen Trauben am Rebstock hängen. Folglich war es nur durch arbeitsaufwändige, konsequente, mehrfache Selektion der Trauben und zahlreiche motivierte Lesehelfer möglich, gesunde und reife Trauben einzubringen.

2010 ein Jahrgang der handwerklich arbeitenden Winzer

Diese Ausgangssituation machte qualitätssichernde Maßnahmen unerlässlich. Unter Inkaufnahme weiterer Mengeneinbußen, wurden die Weinberge, die bei den Prädikatsweingütern meist in ERSTEN LAGEN; stehen, gestaffelt, das heißt in mehreren Durchgängen von Hand gelesen. So ist es den Prädikatsweingütern trotz der erschwerten Bedingungen gelungen, gesunde, einheitlich reife Trauben in die Keller zu bringen. Die Moste präsentieren sich im Moment sehr klar und feinfruchtig, mit Extrakt- und Aromenfülle, voll Spannung, Spiel und Mineralität. Der eigenständige Jahrgangscharakter der 2010er wird von einer erfrischenden Säure geprägt sein, die Säurewerte lagen im Schnitt ein wenig über denen des Jahrgangs 2008. Dafür bleibt der Alkoholgehalt in diesem Jahr naturgemäß moderater als in den Vorjahren.

Statements der Winzer:

Schloss Vollrads, Rheingau: "Wir haben zwei Parzellen für Eiswein vorgesehen. Dort sind die Trauben kerngesund, sehr klein-und lockerbeerig und die Stengel der Trauben gesund und verholzt. Das Säuregerüst des Jahrganges 2010 lässt -sofern uns der Winterfrost nicht im Stich lässt- auf extrem interessante und klassische (säuregeprägte) Eisweine hoffen."

Jakob Jung, Rheingau: "Es gab nicht nur große regionale, sondern vor allem auch Unterschiede abhängig von Ort und Winzer. In solch komplizierten Jahren wie 2010 trennt sich eben die Spreu vom Weizen."

Staatsweingüter Kloster Eberbach, Rheingau: "Hochwertigste edelüße Weine konnten erzeugt werden. Wir haben TBA's (Trockenbeerenauslesen) aus fünf verschiedenen Spitzenlagen."

Schloss Johannisberg, Rheingau: "Bei uns ist die Ernte sehr klein ausgefallen. Wir haben lediglich 30 hl/ ha geerntet. Das ist auf dem Niveau von 1980, davor wurde nur 1945 weniger geerntet."

Heymann-Löwenstein, Mosel: "2010 war die Vegetation in einer Konstellation, die es sie seit Menschengedenken nicht gegeben hat. Insbesondere da die hohen Mostgewichte nur bedingt dem Botrytis zuzurechen sind. Wir haben gesunde Trauben mit 110 Grad geerntet. So etwas hatte ich bislang theoretisch nicht für möglich gehalten."

Schloss Lieser, Mosel: "Die Qualität ist wieder sehr hochwertig, auch wenn der Jahrgang an sich in allem anspruchsvoller ist in Bezug auf die Lese und Verarbeitung."

S.A.Prüm, Mosel: "Eine Eisweinernte wird es nicht geben da der Anteil an Botrytis befallenen Trauben doch zu hoch ist. Außerdem sind die für Eiswein zu erwartenden Säurewerte zu hoch."

Reichsgraf von Kesselstatt, Mosel: "Unsere Erwartungen an die Qualität wurden weit übertroffen. Die meisten Moste liegen letztendlich zwischen 88° und 100 ° Oechsle. Ein traumhaftes Ergebnis, vor allen Dingen in Anbetracht der Unkerei. Ein Jahrgang voller Spannung, Spiel und Mineralität."

St. Antony, Rheinhessen: "Die Säure war in guten Terroirs ab 10. Oktober kein Problem mehr und wird sicherlich die Weine beleben ohne spitz zu wirken. Alles in allem erinnert der Jahrgang etwas an 1996, 2004 oder 2008, allesamt Jahrgänge, die sehr lang halten und letztlich hohen Trinkspaß und tolle Frucht bieten."

Weingut am Stein, Franken: "In Franken lagen wir doch deutlich unter dem Durchschnitt. Wir haben z.B. nur 42hl/ha geerntet. Allerdings waren die Qualitäten der Spätsorten (Riesling, Silvaner) dann doch überraschend gut."

Domänenamt Castell, Franken: "Den Jahrgang 2010 kennzeichnet aus unserer Sicht eine elegante, frische Kabinett-Charakteristik, ideal für die Freunde der deutschen Weinstilistik. Bei den trockenen Spitzenweinen wie den Grossen Gewächsen gibt es nur sehr kleine Mengen mit voraussichtlich guten bis sehr guten Qualitäten."

Bürgerspital, Franken: "Der Jahrgang ist meines Erachtens besser als sein Ruf. Die Weine mussten hart erarbeitet werden und die Winzer haben einen großen Aufwand betrieben für diese Weine."

Juliusspital, Franken: "Silvaner ist der Gewinner - sowohl im Gesundheitszustand als auch im Mostgewicht. Die ersten Weine zeigen am Ende der Gärung schon sehr klare Fruchtaromen, die Säure ist gut eingebunden. Auch im Keller machten die Weine sehr viel Arbeit - und jetzt schon viel Spaß."

Ökonomierat Rebholz, Pfalz: "Das großartige Herbstwetter wendete fast alles zum Guten - mit Ausnahme des Ertrages. Riesling und Burgunder brachten uns vollreife, goldgelbe Trauben mit nur ganz geringer Fäulnis in Form edler Botrytis. So konnten wir Trauben in Großer Gewächs-Qualität in allen Ersten Lagen lesen."

Emrich-Schönleber, Nahe: "Wir konnten schöne, aromatische Trauben für Spät- und Auslesen ernten und auch für die Grossen Gewächse stehen die Zeichen sehr gut, wenngleich gerade hier der Ertrag sehr gering ist."

Graf Adelmann, Württemberg: "Wieder ein Jahrgang, bei dem man den Könner in Weinbau und Keller erkennen kann!"

Matthias Müller, Mittelrhein: "Die Säure bewegt sich auf überdurchschnittlichem Niveau. Wir erwarten extraktreiche mineralische Rieslinge vom neuen Jahrgang."

Stigler, Baden: "Unsere Mengenverluste mit bis zu 30%, werden durch die sehr gute Qualität ausgeglichen."

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