17. Januar 2010

Wein in Thailand: Trauben-Träume

Schwimmende Weingärten, Elefanten zwischen den Reben: Nein, der Connaisseur ist nicht betrunken. Er besucht neue Designhotels in Thailand und ist dabei auf den asiatischen Traubentraum gestoßen

Eigentlich wollte sich der Connaisseur die neuen Designhotels an der Küste von Hua Hin und Cha Am ansehen. Dann kam ihm Mister Chaleo Yoovidhaya in den Weg - ein Mann, den man auch in Österreich und Deutschland gut kennt: Mister Yoovidhaya gehören ein paar Milliarden Euro und die Mehrheitsanteile von Red Bull.

Mit dem nötigen Kleingeld in der Tasche und dem Wunsch, auch etwas für den guten Geschmack zu tun, gründete er die Siam Winery - die asiatische Version des Schlaraffenlandes: schwimmende Weingärten, Elefanten, die Trauben auf den Rücken tragen, Thais, die vom Boot aus ernten.

Mister Yoovidhayas Schlaraffenland befindet sich in der Region von Hua Hin, zwei Autostunden südlich von Bangkok. Dort, wo im Örtchen Cha Am das Alila Resort eröffnete, ein neues Beachresort im fotogenen Industrie-Chic-Minimalismus. Das Alila Cha Am ist die asiatische Antwort auf den Designhotel-Trend: Thailand war immer bekannt für guten Service, schöne Strände und Luxushotels.

"Daran ändert sich nichts, nur kommen die Hotels jetzt auch im Funky-Beachdesign daher", sagt Alila-Hotelmanager Urs Aebi. Er nennt weitere Beispiele: "Schauen Sie sich das X2 Resort und das Dune in Hua Hin oder The Library auf Koh Samui an".

Wer glaubt, die Thais bauen das ausschließlich für betuchte Touristen, liegt falsch: In Thailand wächst nicht nur eine wohlhabende Mittelschicht heran, die sich solche Hotels, vor allem am Wochenende leisten will und kann, sondern auch der Trend, Menschen im Urlaub mit Architektur anzuziehen. Thailands Hotels sind damit in der Jetztzeit gelandet.

Zurück zum Alila Cha Am. Der thailändische Architekt Duangrit Bunnag hat eine Erholungswelt aus Holz, Kalkstein und Stein geschaffen, die mit Pagoden- und Palmenkitsch völlig bricht. "Wir haben viele talentierte Architekten in Thailand, aber die müssen gegen die alte Garde kämpfen", meint er, "erst in zehn bis 20 Jahren wird sich moderne Architektur in Thailand - da vor allem in den großen Städten wie Bangkok - wirklich durchsetzen." Gut, dass die Architektenjugend an den Strandhotels "übt", wie das im Alila Cha Am zu sehen ist.

So ist schon die Ankunft im Resort ein Erlebnis: Ein imposanter Treppenaufgang führt geradewegs in die offene Eingangshalle mit freiem Blick auf die Weite des Golfs von Thailand. Der Clou ist das mit Wasser bedeckte Dach des Hauptgebäudes: Wie ein Spiegel reflektiert es das Spiel von Thailands Himmel.

Die Zimmer befinden sich in geometrischen Blöcken, mit glänzenden Sichtbeton-Oberflächen und einem großen, weiträumigen Stiegenhaus. Eine Mauer aus tausenden Steinen rahmt den Chill-Pool ein, in den am Ende das Spa eingebettet ist - ein Würfel in gedämpftem Licht.

Das Motion, das Thai-Restaurant des Resort, bringt den Connaisseur ins Schlaraffenland zurück: Dort werden Die Red-Bull-Weine von Mister Yoovidhaya kredenzt - vor allem die Weine der Moonson-Vally-Winery. Die Thai-Weine mit ihrem Wassermelonen, Guave und Papaya-Aromen passen zu scharfen Thai-Food. Sie sind trinkbar, große Bordeaux sind sie aber nicht. Ein bisschen wie bei Red Bull. (Fotos: Alila Cha Am)

Liebe Grüße aus Thailand

Ihr Connaisseur Robert Kropf

Die Kolumne Der Connaisseur