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21. August 2010

Wein-Jahrgang 2010 in Baden-Württemberg

Wein-Jahrgang 2010: Gute Qualität, weniger Menge

Die Bauernregel verheißt nichts Gutes: «Im August viel Regen ist dem Wein kein Segen.» Viele Winzer in Baden-Württemberg wünschen sich deshalb für die restlichen August- Tage ganz viel Sonne. «Feuchtigkeit haben wir genug», sagt Kilian Schneider, Präsident des Badischen Weinbauverbandes.

Und auch Manfred Aufricht, Chef des Weinguts in Meersburg am Bodensee, hofft auf Trockenheit: «Die Reben brauchen jetzt nicht mehr jeden Tag eine Dusche.» Ähnlich sehen es die Wengerter in Württemberg. «Was den Trauben jetzt gut tut, ist schönes Wetter», erklärt Direktor Karl-Heinz Hirsch vom Weinbauverband Württemberg.

Vor den entscheidenden sechs Wochen für die Qualität des Jahrgangs steht für Hermann Hohl eines schon fest. «Die kleinen Trauben deuten auf einen sehr kleinen Jahrgang hin, der in der Menge das schon unterdurchschnittliche Jahr 2009 um 10 bis 15 Prozent unterschreiten dürfte», prognostiziert der württembergische Weinbau-Präsident.

Auch Dieter Weidmann, Vorstandschef von Deutschlands größter Genossenschaft WZG in Möglingen (Kreis Ludwigsburg), geht von weniger Wein aus, beruhigt jedoch schon die Verbraucher: «Es wird zu keinen Engpässen beim Württemberger kommen.» In Baden dürften ebenfalls weniger Trauben geerntet werden. «Von der Menge her wird der 2010er eher unterdurchschnittlich», berichtet Präsident Schneider, der auf das ganze Anbaugebiet bezogen mit 75 Liter pro Ar Ertrag rechnet.

Landauf, landab war es den Winzern in diesem Jahr nie langweilig. Den kältesten Wintermonaten folgte ein schlechtes Blütewetter, was vielerorts zu Verrieselungen der Trauben führte. «Die Reben sind nicht so dicht bepackt wie sonst», erklärt Hirsch. Zudem setzte die wochenlange Trockenperiode vor allem den Junganlagen zu. «Bei manchen war es kritisch», sagt Schneider. Andreas Laible, Prädikatsweingut- Besitzer in Durbach in der Ortenau, musste viel Wasser zur Beregnung einsetzen, sonst wären die jungen Stöcke nicht durchgekommen.

Verrieselungen wurden auch in Baden beobachtet. Dennoch sagt Vorstandschef Wilfried Dörr vom Badischen Winzerkeller in Breisach: «Die Weinberge stehen gut da, von der Zeit her läuft alles normal.» Sollten die Weinberge jetzt von Petrus' Launen verschont bleiben, rechnet Dörr damit, «dass wir Ende September und im Oktober herbsten können».

Bis dahin wartet auf die Winzer noch viel Arbeit. «Weil durch die Nässe die Beeren nicht abtrocknen, hat die Fäulnis angefangen», berichtet Konrad Schlör. Der Winzer aus Wertheim-Reicholzheim (Main-Tauber-Kreis) muss deshalb viele faule Trauben wegschneiden und die Reben ausdünnen. An der Tauber sei die Blüte «so schnell wie seit langem nicht mehr» erfolgt, weshalb Schlör einen «ganz guten, aber keinen großen Herbst» erwartet.

Auch am Bodensee hofft Aufricht auf gute Qualität. «Das Blattwerk ist sehr gesund, wir haben genug Bodenfeuchte, so dass die Trauben Mineralstoffe aufnehmen können», sagt der Meersburger. Wünschenswert sei jetzt beständiges normales Wetter. Für den Remstäler Hans Haidle spricht die bereits bei einigen Sorten eingetretene Färbung dafür, dass die Qualität stimmt. Ähnlich beurteilt Uli Maile, Vorstandschef der Lauffener Weingärtner, die Lage: Durch die Feuchtigkeit seien die Trauben bereits sehr extraktreich. dpa