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05. Oktober 2009

Wein-Mafia und Schwarzmarkt

Wegen eines jahrelang gut florierenden Schwarzhandels mit Wein müssen sich demnächst zwei Männer vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Bad Kreuznach verantworten

Dem 53-jährigen Weinkommissionär und dem 57-jährigen Speditionsangestellten wird vorgeworfen, von 2001 bis 2006 gut 1,3 Millionen Liter Wein an zwei Kellereien und acht Winzer an der Mosel verkauft zu haben, teilte die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach am Montag mit. Für den Wein aus der Pfalz und Rheinhessen kassierten sie rund 500 000 Euro.

Die beiden Männer sollen die Köpfe in einem Komplex aus mehrere Dutzend Tatbeteiligten - Lieferanten und Abnehmern - gewesen sein. Insgesamt wurde in diesem Zusammenhang seit Ende 2006 gegen 45 Winzer und Weinkommissionäre ermittelt, hieß es. Die Gesamtsumme der bereits rechtskräftig verhängten Geldstrafen und Geldbußen beläuft sich auf knapp 100 000 Euro. 15 Verfahren wurden mangels Tatnachweis oder wegen geringer Schuld eingestellt.

Die beiden Hauptbeschuldigten sollen den Wein gegenüber den Mosel- Kellereien als gesetzmäßig erzeugte Ware deklariert haben, obwohl diese in keiner Weinbuchführung auftauchte. Die abnehmenden Mosel- Winzer hätten die «schwarzen» Weine dann mit falschen Herkunftangaben als Wein aus dem Anbaugebiet Mosel-Saar-Ruwer (heute «Mosel») vermarktet.

Die Anklage lautet auf «Vergehen gegen das Weingesetz, Betrug, Urkundenfälschung und Verstöße gegen die Abgabenverordnung». In weiteren 30 Fällen, in denen mit insgesamt gut 410 000 Litern Schwarzmenge gehandelt wurde, war eine strafrechtliche Verfolgung nicht mehr möglich, hieß es. Der Grund: Die Fälle lagen mit fünf Jahren bereits zu lange zurück - und waren verjährt. dpa