Wein
14. August 2010

Wein mit Korken kontra Schraubverschluss

Der Glaubenskrieg der Weinfans ist entschieden: Für den Naturkorken sieht es eher schlecht aus - Schraub- und Glasverschlüsse machen das Rennen

Der bereits vor mehr als zehn Jahren eingeläutete «Tod» des Naturkorkens in den Hälsen der Weinflaschen zieht sich zwar hin. Der schlichte Drehverschluss etwa bei einem mächtigen Rotwein ist unter Liebhabern verpönt. Bei den fränkischen Winzern haben alternative Verschlüsse aus Glas oder Metall allerdings mittlerweile die Oberhand: 81 Prozent der jährlich etwa 55 Millionen gefüllten Weinflaschen werden damit verschlossen. Die Verbraucher danken es.

«Das ist eine Generationenfrage», räumt Önologe Uwe Matheus vom Weingut Wirsching in Iphofen (Landkreis Kitzingen) bei der Sommertour des Bezirks Unterfranken durchs Weinland ein. Für herausragende Qualität braucht es den Naturkorken nicht. Dennoch können sich die Kellermeister von Traditionsweingütern wie Wirsching, dem Würzburger Bürgerspital und anderen nicht ganz vom Naturprodukt verabschieden. Es ist unter anderem eine Frage des Stils.

Viele Betriebe, die Mitte der 90er Jahre nach immensen Verlusten durch den muffigen Korkgeschmack kurz vorm Ruin standen, mussten Traditionsgedanken beiseiteschieben und andere Verschlüsse ausprobieren. «Wir haben sehr filigrane Weißweine. Wir können es uns nicht leisten, den Wein vom Kork beeinflussen zu lassen», erklärt Hermann Mengler, Fachberater für Kellerwirtschaft und -technik vom Bezirk. Die Touristen spülen jährlich bis zu 1,8 Milliarden Euro in die Kassen der fränkischen Hotels, Restaurants und Winzer. Qualität ist alles - auch Verschlusssache.

Franken ist ein Weißweinland mit einem Anteil von fast 80 Prozent. Jede vierte Flasche Frankenwein enthält einen Müller-Thurgau, jede fünfte einen Silvaner. Fast 99 Prozent der abgefüllten Literflaschen sind mittlerweile korkfrei, sagt Mengler. Bei Bocksbeutel, Bordeaux- oder Burgunderflasche sind es gut 60 Prozent. «Das ist beileibe nicht das Ende der Fahnenstange», prognostiziert der Önologe.

Wenn es nach ihm geht, kann der Naturkorken aus dem Flaschenhals verschwinden, auch beim Rotwein. Qualitativ stünden Schraub- und Glasverschlüsse ihm in nichts nach. «Man weiß definitiv, dass der Wein genauso reift wie beim Korken, weil genug Sauerstoff in der Flasche ist. Ich sehe keinen einzigen Grund, warum man bei einem Rotwein einen Naturkorken nehmen sollte», sagt Mengler.

Das Problem beim Naturkorken: In den Poren kann der chemische Stoff Trichloranisol entstehen, zum Beispiel durch das Bleichen des Korkens mit Chlor oder durch Schimmelpilze. Die Folge: Der Wein schmeckt muffig, bitter und modrig; Weintrinker sprechen in diesen Fällen von «Korkgeschmack». Schwere, im Barrique ausgebaute Rotweine zum Beispiel aus Frankreich vertragen das besser als die leichteren fränkischen, erklärt der Präsident des Fränkischen Weinbauverbands, Artur Steinmann. «Bei unseren Weißweinen ist das tödlich.»

Der Schraubverschluss hat im Frankenland längst sein Billig-Image abgestreift. «Am Anfang waren die Verbraucher skeptisch. Mittlerweile hat im Kopf eine Umstellung stattgefunden», sagt Steinmann. Auch die Gastronomie verlange überwiegend den Drehverschluss. «Vom Plopp zum Knack. Die Flasche ist einfach zu öffnen und einfach zu schließen.»

Der Kunststoffkorken hat sich in der Region nicht durchgesetzt. Er ist oft so hart, dass ihn der Kunde kaum aus der Flasche bekommt. Die Zukunft für seinen Bruder aus Korkeiche sieht etwas rosiger aus. «Es gibt genügend Weintrinker, die auf den Naturkorken schwören», berichtet Ernst Büscher vom Deutschen Weininstitut aus Mainz. «Denn je weiter man sich aus den Weinanbaugebieten entfernt, desto größer werden die Vorbehalte gegen Schraubverschlüsse.» (Angelika Röpcke, dpa)

Verschlüsse für Weinflaschen

Für Weinflaschen gibt es mittlerweile diverse Verschlüsse. Bei einigen muss zusätzlich Kunststoff eingesetzt werden, um die Flaschen abzudichten. Die Modelle unterscheiden sich auch durch ihre Alltagstauglichkeit und den Preis.

NATURKORKEN: Sie werden aus der Rinde von Korkeichen gestanzt. In der Flasche sollen sie nicht nur das Auslaufen des Weines verhindern. Durch die Poren des Verschlusses kann nach Ansicht einiger Experten Luft zum Wein gelangen, um diesen atmen und dadurch weiter reifen zu lassen. Nachteil: In den Poren kann der chemische Stoff Trichloranisol entstehen - zum Beispiel durch das Bleichen des Korkens mit Chlor oder durch Schimmelpilze. Die Folge: Der Wein schmeckt muffig, bitter und modrig. Etwa fünf Prozent der produzierten Korken sind davon betroffen. Die Kosten reichen von 13 Cent für Korken bei schlichten Weinen bis zum handgearbeiteten Korken für beste Rote für je 1 Euro.

KUNSTSTOFFKORKEN: Beim Kunststoffkorken gibt es seit Jahren Bedenken wegen der Haltbarkeit und Gasdichte. Daher eignet sich Kunststoff eher für Weine, die bald nach dem Befüllen getrunken werden. Zudem sind diese Verschlüsse oft so hart, dass sie der Verbraucher kaum aus dem Flaschenhals bekommt. Ein Wiederverschließen der Flasche ist meist nicht möglich. Kunststoffstopfen kosten 4 bis 12 Cent.

DREHVERSCHLUSS: Als besonders dicht gelten Drehverschlüsse, die ursprünglich aus dem Tafelwasser- und Saftbereich kommen. Die Flaschen können leicht geöffnet und wieder zugemacht werden. Drehverschlüsse haben keinen Einfluss auf die Weinqualität und werden daher besonders bei filigranen, leichten Weinen geschätzt. Winzer verschließen mittlerweile auch sehr hochwertige Weine damit. Nach Angaben des Deutschen Weininstituts aus Mainz kostet ein Drehverschluss 2 bis 50 Cent, je nach Größe und Form.

GLASSTOPFEN: Der Verschluss aus Glas gewährleistet einen neutralen Weingeschmack und kann wiederholt benutzt werden. Die modernen Glasstopfen dichten mit einen kleinen Kunststoffring sehr gut ab. Der Glasstopfen schlägt mit 30 bis 50 Cent zu Buche.