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02. September 2009

Wein ohne Alkohol

Die Koblenzer Weinkellerei Weinkönig setzt seit mehr als 30 Jahren mit wachsendem Erfolg auf alkoholfreien Wein

Zünftig feiern ohne Alkohol? Was früher gerade bei großen Festen undenkbar schien, ist heute trotz mehr Koma-Saufen- Meldungen von Jugendlichen doch salonfähig geworden. Ein neues Gesundheitsbewusstsein vieler Menschen und die gesenkte Promillegrenze im Straßenverkehr leisten ihren Beitrag. Das merkt auch die Koblenzer Weinkellerei Weinkönig: Seit mehr als 30 Jahren setzt sie mit wachsendem Erfolg auf alkoholfreie Produkte.

War es in den Gründungsjahren noch eine absolute Nische, so hat sich das Unternehmen mittlerweile vollständig auf diesen Markt konzentriert ­ der nach den Worten von Inhaber Hermann Warnke immer größer wird. «Während bei anderen Firmen derzeit die Geschäfte schlecht laufen, gehen unsere immer besser», freut sich der 66- Jährige, der die GmbH 1978 gemeinsam mit seiner Frau Marita gegründet hat. Geschäftszahlen wollen er und Roland Hobernik, zuständig für das Marketing und den Export, jedoch nicht verraten. «Wir können sagen, dass wir noch unter einer Million verkaufter Flaschen pro Jahr liegen, mehr aber nicht», lächelt Hobernik diplomatisch.

Überhaupt will sich die Firma Weinkönig nicht in die Karten schauen lassen. Ein Besuch in der hauseigenen Produktion, wo 16 Mitarbeiter aus normalen Qualitätsweinen verschiedener Anbaugebiete die alkoholfreie Ware herstellen, ist tabu. Nicht einmal den genauen Standort verrät Warnke, sondern nur, dass er sich in der Region Koblenz befinde. Die Angst, dass jemand das genaue Verfahren des Entalkoholisierens ausspioniere, sei einfach zu groß.

Schließlich ist das Unternehmen mit Sitz in einer ehemaligen Lagerhalle am Koblenzer Güterbahnhof Lützel nach eigenem Bekunden das einzige in Deutschland, das Qualitätsweine ohne Alkohol herstellen kann. Billigproduzenten gebe es zwar schon einige auf dem Markt, doch von Produkten mit Geschmack könne da keine Rede sein.

Wie genau dem Traubengetränk der Alkohol entzogen wird, ist daher ein streng gehütetes Geschäftsgeheimnis. Nur einige Grundinformationen verrät die Firma Weinkönig, etwa dass der Wein in einem Vakuum auf 28 Grad Celsius erwärmt wird, so dass der Alkohol bereits als Gas entweicht, abgekühlt wird und dann in einen Auffangbehälter tropft. Der Geschmack bleibe durch das schonende Verfahren erhalten und im Schnitt auch nur ein Restalkohol von 0,3 Prozent ­ gut 0,2 weniger als gesetzlich vorgeschrieben. Für Kunden in der arabischen Welt muss es allerdings noch wesentlich weniger sein, damit es auf keinen Fall Konflikte mit den strengen religiösen Vorschriften gibt.

Abnehmer für die inzwischen 14 Sorten Wein und Sekt in verschiedenen Geschmacksrichtungen, bei denen auch etwas für Diabetiker und Gewichtsbewusste sowie Fans von Bioanbau dabei ist, hat die Firma Weinkönig mittlerweile in vielen Ländern. «Neben Deutschland sind unsere Produkte vor allem in England, Österreich und den Niederlanden gefragt», berichtet Warnke. Zudem hat es seine Ware jetzt auf die MS Deutschland geschafft, die nicht nur im Fernsehen als Traumschiff die Kreuzfahrer verzückt. Das Partyschiff Aida und ein weiterer prestigeträchtiger Dampfer sollen bald folgen.

Nur mit den Flugzeugen klappt es noch nicht so wie gewünscht, aber auch da zeigt sich der Kellerei-Chef für die Zukunft optimistisch. Und zählt gleich mehrere Argumente auf. Nicht nur, dass die Passagiere garantiert nüchtern blieben und doch etwas zum Genießen serviert bekämen. Sie erweisen laut Warnke zudem ihrer Gesundheit einen Dienst, habe doch die «Deutsche Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung» herausgefunden, dass auch Bier und Wein ohne Alkohol in Maßen getrunken ihre guten Eigenschaften für die Gesundheit behielten.

Daher hofft Warnke auf weitere gute Geschäfte, auch wenn sich gerade Restaurants und Weinfeste im Gegensatz zu alkoholfreien Bieren noch recht schwer mit alkoholfreien Weinen täten. Aus gesetzlichen Gründen müssen einige davon zudem andere Namen als diejenigen mit Alkohol tragen. (Christian Kirstges, dpa)

 www.weinkoenig.de