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06. Februar 2009

Wein-Roundtable mit Arend Heijbroek

A. Heijbroek F: Supp

Im 1.Wineblogging Roundtable im Hafen Klub Hamburg ging es um die Wine Agenda 2020: Wie sieht der Wein-Markt im Jahr 2020 aus?

Als Gast referierte Arend Heijbroek, Senior Analyst Food & Agribusiness der Rabobank in Utrecht, einer der besten Analysten der Branche, über das Wein-Business 2020.

Die Thesen:

--- wir befinden uns in einer sehr wichtigen Phase der Veränderungen innerhalb der Weinwirtschaft: wirtschaftliche Krise, klimatische Veränderungen und immer mehr Wein produzierende EU-Länder sind die beherrschenden Themen. Die Türkei wird dabei aber keine herausragende Rolle spielen: der Anbau beschränke sich dort vor allem auf Rosinen und Tafeltrauben. Auch Bulgarien und Rumänien werden in naher Zukunft ebenfalls keine große Rolle spielen, dies gilt besonders für Rumänien: Wozu dort investieren, wo es genug heimischen Wein gibt, der regional produziert und verbraucht werde.

--- die traditionellen EU-Weinmärkte werden abnehmen. Die neuen Märkte machen die Zukunft aus. Chile, Argentinien, Südafrika, dort ist die Weinwirtschaft natürlich auch größeren Risiken ausgesetzt.

--- Risiko sieht Heijbroek besonders in China and Indien, den "Wild Cards" der Szene, heute überwiegend noch ein Bier- und Spirituosen-Markt. Die Frage sei, wie schnell die Chinesen immer weniger Wein importieren, dafür aber immer mehr selbst produzieren werden. Wichtig dabei seien typische asiatische Unterschiede: Chinesen, aber auch Russen, kaufen Icon Wines, um ihr Gesicht gegenüber dem Geschäftspartner nicht zu verlieren. Sie kaufen um zu verschenken, trinken aber kaum. Sie sind es nicht gewohnt Wein zu trinken. In China gibt es nicht einmal ein Wort/Zeichen dafür in der Sprache. Nicht zu unterschätzen sei, das Wein eher als Getränk für Frauen angesehen werde, asiatische Männer trinken Bier und Spirituosen.

--- Lokale Marken werden immer wichtiger, gerade in der bürgerlichen Mittelklasse und im mittleren Preissegment. Ist der Weingeschmack erst einmal geschult, dann bleibt der Genießer bei einem gewissen Qualitätsniveau. Je größer die bürgerliche Mittelklasse in einem Land, desto größer sei das Verstehen um den Wein und desto größer der Konsum.

--- die USA werden, wenn die Entwicklung über drei Jahre anhält, zum weltgrößten Weinkonsum- und Weinimportmarkt.

--- das Wein-Business bleibt weiterhin eines der risikoreichsten weltweit: Bei Wein gibt es keinen globalen Geschmack wie bei Coca Cola oder Mc Donald. Asiaten und Russen beispielsweise bevorzugen süße Weine. Also gibt es auch nicht DIE Weinindustrie.

--- Deutschland wird von Aldi und Co beherrscht, eine weitere Aldisierung des europäischen Weinmarktes würde nicht nur viele Firmen zerstören, sondern sich vor allem auch auf die Entwicklung des Geschmacks auswirken.

--- Weintourismus wird in Zukunft deutlich zunehmen.

--- der Absatz südafrikanischer Weine entwickelt sich rasant in Deutschland. Einer der Gründe: Die Weine sind nach mit europäischer Stilistik ausgebaut, es sind Speisen-Begleiter par excellence. Marmeladen Weine nach Art der Australier sind nicht die Zukunft, diese Weine werden solo auf der Party oder zum barbecue getrunken.

Die Teilnehmer und ihre Beiträge: Daniel Eckert (Welt), Petra Mayer (South African Wine Information Germany), Michael Pleitgen (Weinakademie Berlin), Niko Rechenberg (Wein & Gourmetwelten), Mario Scheuermann (Drink Tank), Eckhard Supp (Eno WorldWine) und Anton Viehhauser (Hafen Klub).

Dank an Mario Scheuermann für die ausgezeichnete Organisation und an Anton Viehhauser für die ausgezeichnete Bewirtung!

Grüße, Niko