Wein
13. Januar 2010

Wein: Steillagen-Vollernter für die Mosel

Mosel Weinbautag 2010: Der Steillagen-Vollernter, der seit zwei Jahren an der Mosel getestet wird, muss besser werden

«Die Standfestigkeit ist noch nicht ausreichend», sagte der Leiter der Fachgruppe Weinbau beim Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) Mosel, Wilfried Zipse, in einem Gespräch anlässlich der Fachtagung «Mosel Weinbautag 2010» in Bernkastel-Kues.

Daher müsse an der Hydraulik noch einiges verbessert und der Prototyp weiterentwickelt werden. Nach drei Lesen im Test-Einsatz sei aber bereits zu erkennen, «dass es damit möglich ist, die Erntezeit in steilen Lagen deutlich zu reduzieren», ergänzte Zipse.

Ziel ist es, mit dem Einsatz des Vollernters die Lesezeit von 300 Stunden Handarbeit pro Hektar auf acht bis zehn Stunden pro Hektar zu verringern. Personal und Kosten könnten so gespart werden, sagte Zipse. Denkbar sei, den Ernter auch beim Pflanzenschutz einzusetzen.

Noch sei die Maschine aber von einer Serienreife entfernt. Bisher wurde sie bei einzelnen Winzern probeweise eingesetzt. Das Gerät, das seit Herbst 2007 an der Mosel im Einsatz ist, soll bis zu 60 Prozent steile Weinberge abernten können.

In steilen Weinbergen setzen sich laut Zipse zunehmend hydraulische Raupenfahrzeuge mit Hangelwinde und Roboterarm durch. «Sie können extreme Steigerungen beherrschen», sagte Zipse. Der Roboterarm ermögliche, dass man «bergauf und bergab unterschiedliche Zeilen bearbeiten kann» - und damit eine Zeitersparnis von 50 Prozent habe. Die Hydraulik-Raupen werden an der Mosel für die Boden- und Laubbearbeitung sowie im Pflanzenschutz eingesetzt - und ständig weiterentwickelt.

Dieser Typ Raupe könne aber nur in Weinbergen eingesetzt werden, die eine Zeilenbreite von 1,60 Meter hätten und die an einen Weg angeschlossen sind. «In allen anderen Fällen bleibt nur Handarbeit übrig.» Zum Mosel Weinbautag werden heute und morgen 350 bis 400 Gäste erwartet.

Die Mosel ist das weltweit größte zusammenhängende Steillagen- Weinanbaugebiet: Rund 5000 von 9000 Hektar Rebfläche gehören zu Steillagen, haben also eine Steigung von mehr als 30 Prozent. Ein Steillagenwinzer braucht bislang mit 900 bis 1300 Arbeitsstunden pro Hektar und Jahr zwei bis dreimal so viel Zeit zur Bewirtschaftung seines Wingerts wie sein Kollege in der Ebene. (Birgit Reichert, dpa)