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03. März 2015

Weinbau Verbände wollen wenig zusätzliche Rebfläche

Vom kommenden Jahr an erlaubt die EU wieder eine schrittweise Vergrößerung der Anbauflächen. Das freut aber nicht jeden. Die rheinland-pfälzischen Weinbauverbände fürchten ein Überangebot

Die rheinland-pfälzischen Weinbauverbände warnen vor einer zu schnellen Vergrößerung der Rebfläche in Deutschland. «Der Markt kann so etwas überhaupt nicht aufnehmen», sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Weinbauverbände Rheinland-Pfalz, Ingo Steitz in Mainz. Von 2016 an lockert die EU den einst in den 1970er Jahren verhängten Anbaustopp. Brüssel ermögliche es den Staaten dann, die Anbaufläche für Wein pro Jahr um bis zu ein Prozent zu vergrößern, sagte Steitz.

Bei einer zu raschen Ausweitung seien aber viele Weinbaubetriebe in ihrer Existenz gefährdet - der Preisdruck nach unten dürfte steigen, wenn mehr Wein auf dem Markt ist. Vor rund 20 Jahren hätten die Großhandelspreise weit unter der Hälfte des aktuellen Niveaus gelegen, sagte Steitz. «Wir befürchten eigentlich, dass uns so etwas wieder passieren wird, wenn man hier ungebremst ein Prozent umsetzt.» Der aktuelle deutsche Gesetzentwurf sehe 0,5 Prozent mehr Anbaufläche vor.

Die rheinland-pfälzischen Weinbauverbände wollen, dass die Neugenehmigungen auf maximal 0,1 Prozent der vorhandenen Rebfläche begrenzt werden. Dafür müsste sich Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) auf Bundesebene einsetzen.

Die Weinbauverbände forderten zudem, Steillagen bei der Neuvergabe vorrangig zu behandeln. Weil sie teurer zu bewirtschaften sind, könnten die bei Touristen beliebten Hänge ansonsten im neuen System auf der Strecke bleiben, so die Befürchtung.

Höfken erklärte, sie unterstütze den Vorschlag von 0,1 Prozent. «Wir müssen aber eine bundesweite Regelung finden und damit einen Kompromiss zwischen den Interessen der Weinbau treibenden Länder und den Ländern, die künftig Weinbau betreiben möchten», sagte sie. Der Landtagsbeschluss vom Juni 2014 für eine Begrenzung von 0,1 bis 0,3 Prozent der Rebfläche stoße auf Widerstand in einigen Ländern. 0,5 Prozent seien ein möglicher Kompromiss.

Die oppositionelle CDU kritisierte, Höfken müsse entschieden an 0,1 Prozent festhalten. «Das Vorgehen der Ministerin ist nicht nur ein Affront gegen das Parlament, sondern auch gegen die Auffassung aller Weinbaupräsidenten von Rheinland-Pfalz», erklärte die CDU-Landtagsabgeordnete Christine Schneider.

In Deutschland gibt es rund 100 000 Hektar Weinbaufläche. Rund zwei Drittel davon werden in Rheinland-Pfalz bewirtschaftet. In der Arbeitsgemeinschaft der Weinbauverbände Rheinland-Pfalz sind die Gebiete Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen vertreten. dpa